Kampf ums Überleben: Zürcher Taxifahrer warten 5 Stunden auf Kunden
Nicht mehr als drei Fahrten pro Tag – immer mehr Zürcher Taxifahrer kämpfen ums Überleben. Nau.ch hat nachgefragt, was die grössten Sorgen der Taxifahrer sind.
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Das Wichtigste in Kürze
- Immer weniger Taxistammplätze und stagnierende Nachfrage sorgen für Not unter Taxifahrern.
- In Zürich herrscht ein grosser Kampf um die Kundschaft – besonders am Hauptbahnhof.
- Nau.ch hat bei Zürcher Taxifahrern nachgefragt, was ihre grössten Sorgen sind.
Uber, Bolt und immer weniger Taxistammplätze – deshalb kämpft der Berufsstand der Taxifahrer in Zürich ums Überleben.
Besonders rund um den Zürcher Hauptbahnhof ist die Not unter den Taxifahrern spürbar. Verzweifelt versuchen die Fahrer, Kunden zu finden. Dazu warten sie stundenlang, teils im Fahr- oder Halteverbot. Dies sorgt wiederum für Probleme mit der Stadtpolizei.
Nau.ch hat sich vor Ort ein Bild über die Situation gemacht und verzweifelte Taxifahrer befragt.
«Zwei, drei Fahrten am Tag, also 150 Franken am Tag, wir sind kaputt», sagt Mohammed, ein Zürcher Taxifahrer. Den grössten Teil des Tages verbringt er mit Warten. «Dieses Geschäft ist fertig», sagt er geknickt. Er hat deshalb genügend Zeit, mit Nau.ch über die Probleme des Berufsstandes zu sprechen.
Ein Fahrer bei der Bahnhofstrasse, der anonym bleiben will, zeigt seine Fahrerkarte. Zu sehen: Heute Morgen musste er fünf Stunden auf den ersten Kunden warten. «Und jetzt steh ich wieder drei, vier Stunden da.»
Die Unzufriedenheit unter den Fahrern ist verständlich. Immer weniger Menschen greifen auf Taxis zurück, unter anderem wegen Fahrdienst-Unternehmen wie Uber oder Bolt.
Günstigere Alternativen
Eine Fahrt mit diesen Anbietern kostet oft nur halb so viel wie mit dem Taxi. «17 Franken an den Flughafen», davon könne man nicht leben, moniert Mohammed.
Die begrenzte Anzahl Taxistammplätze erschwert den Fahrern das Leben zusätzlich. Am Hauptbahnhof kämpfen viele Fahrer um wenige Stammplätze, weshalb einige auch im Fahr- oder Halteverbot stehen.
Auf Anfrage bestätigt die Stadtpolizei Zürich, dass es am Taxistandplatz häufig zu Missachtungen der geltenden Signalisationen kommt.
Was zusätzlich dazukommen könne, seien Verstösse gegen die Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen Motorfahrzeugführer und -führerinnen. Auch Verfehlungen gegen das Gesetz über den Personentransport mit Taxis und Limousinen seien gängig.
«Was soll das?»
Die daraus resultierende Busse kostet Fahrer teilweise den gesamten Tagesumsatz. «Was soll das?», beschwert sich einer lautstark.
Ein weiteres Problem ist, dass Taxifahrer aus anderen Kantonen in Zürich arbeiten dürfen. Dies führt dazu, dass für die einheimischen noch weniger Arbeit übrigbleibe.
Anzahl Taxifahrer hat sich in den letzten Jahren vervierfacht
Die Anzahl Taxifahrer hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Insbesondere seit der Einführung des Gesetzes über den Personentransport mit Taxis und Limousinen PTLG.
Mark Dennler, Vize-Präsident der Taxi Sektion Zürich sagt: «Vor der Einführung des PTLG per 1.1.24 gab es laut der städtischen Taxikommission noch knapp 1000 Fahrzeuge, welche in der Stadt konzessioniert waren.»
Heute seien im Kanton Zürich weit über 4000 Taxis registriert. «Die meisten von ihnen fahren im Raum Zürich umher und buhlen um den gleich gross gebliebenen Kuchen», so Dennler.
Zu einer Flut von arbeitslosen Fahrern hat das bisher aber noch nicht geführt. Ende März waren im Kanton Zürich insgesamt 28 arbeitslose Taxifahrerinnen und Taxifahrer gemeldet. «Die Zahlen sind schon seit 2023 relativ stabil und tief», sagt Fabian Boller vom Amt für Arbeit.













