Franken

Einsteigen kostet in Zürcher Taxis bis zu 15 Franken

Simon Binz
Simon Binz

Zürich,

Wer in Zürich ein Taxi nimmt, erlebt mitunter eine böse Überraschung: Seit der Aufhebung der Höchsttarife schnellen die Preise teilweise massiv in die Höhe.

Angestellte Taxifahrer dürfen sich in Zukunft auf Sozialleistungen von ihren Agenturen freuen.
Seit der Aufhebung der Höchsttarife 2024 können Zürcher Taxi-Anbieter ihre Preise frei festlegen (Archiv). - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2024 gibt es in Zürich keine Taxi-Höchsttarife mehr.
  • Einzelne Anbieter verlangen seither bis zu 15 Franken allein fürs Einsteigen.
  • Jetzt fordert die Taxi-Branche eine neue Regulierung.

Seit Anfang 2024 können Taxi-Anbieter in der Stadt Zürich ihre Tarife frei festlegen. Mit dem neuen kantonalen Taxi- und Limousinengesetz (PTLG) entfiel die bisherige Preisobergrenze. Was als Liberalisierung gedacht war, sorgt nun innerhalb der Branche für heftigen Streit.

Am Hauptbahnhof berichten Fahrer von drastischen Entwicklungen. «Wir warten oft fünf Stunden auf einen einzigen Kunden», sagt Chauffeur Sami Badawi gegenüber den «Tamedia»-Zeitungen. Badawi fährt schon über dreissig Jahren Taxi – sein Kollege Ali Ibrahim, ist seit zehn Jahren im Geschäft. Beide betonten, so schlimm wie jetzt, sei die Lage noch nie gewesen.

15 Franken nur fürs Einsteigen – ist das noch fair?

Grund für den Ärger sind Anbieter, die die neue Tarifautonomie voll ausreizen. Bei einzelnen Fahrzeugen wird bereits für kurze Fahrten eine Grundtaxe von 15 Franken verlangt – allein fürs Einsteigen. Dazu kommen Wegtarife von rund 8 Franken pro Kilometer sowie 1.44 Franken.

Damit liegen die Preise teils deutlich über den früher zulässigen Höchstwerten: Grundtaxe von bis zu 8 Franken, dazu maximal 5 Franken pro Kilometer und 1.33 Franken Wartezeittarif pro Minute, wenn das Auto im Stau steckt.

175 Franken vom Hotel Savoy zum Flughafen

Ab dem 1. Januar 2024 entfiel diese Obergrenze – «das hat das Geschäft völlig kaputt gemacht«, sagt Badawi. Kollege Ibrahim ergänzt: «Das ist für mich wie ein Diebstahl am Kunden.» Solche Erfahrungen würden das Vertrauen zerstören – «wer so eine Fahrt erlebt, steigt nicht mehr in ein Taxi.»

Tatsächlich kursieren immer mehr Beispiele für extrem teure Kurzstrecken. Es gibt Berichte von einer drei Kilometer langen Fahrt, für die 62 Franken berechnet wurden. Ibrahim erzählt von einem Fahrgast, der für die Strecke vom Hotel Savoy zum Flughafen rund 175 Franken bezahlt haben soll.

Taxi Zürich
«Leider gibt es bereits zahlreiche Taxifahrer, die eine regelrechte Abzocke betreiben», kritisieren die Zürcher Taxiverbände. - keystone

Branchenverbände schlagen deshalb Alarm. «Für uns ist das extrem rufschädigend», sagt Rudolf Raemy, Präsident der Taxisektion Zürich. Einzelne Anbieter würden die Tariffreiheit ausnutzen und versuchten sinkende Umsätze mit hohen Preisen zu kompensieren. «Aber das kann nicht die Lösung sein.»

Die Verbände haben beim Kanton einen Antrag eingereicht, wieder verbindliche Höchsttarife einzuführen. Vorgeschlagen werden unter anderem eine maximale Grundtaxe von 7 Franken sowie klar begrenzte Kilometer- und Zeittarife.

Regierung sieht keine konkreten Hinweise auf Missbräuche

Die Volkswirtschaftsdirektion bestätigt gegenüber den «Tamedia»-Zeitungen, dass der Regierungsrat rechtlich eingreifen könnte, um Missbräuche zu verhindern. Derzeit lägen jedoch «keine konkreten Hinweise auf entsprechende Missbräuche» vor. Der Antrag werde geprüft.

Für viele Fahrer kommt diese Zurückhaltung schwer nachvollziehbar daher. Einige wünschen sich sogar einen Einheitstarif für klassische Taxis und Plattformanbieter wie Uber oder Bolt. Ein Modell, das früher existierte, aber aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aufgehoben wurde.

Zürich Taxi Tarif
So könnten die Höchsttarife laut dem Antrag der Zürcher Taxiverbände aussehen. - zVg

Ob die Politik tatsächlich eingreift, ist offen. In der Branche wächst jedoch die Sorge, dass überrissene Preise nicht nur Kunden vertreiben, sondern das Taxigewerbe langfristig beschädigen.

Kommentare

User #2405 (nicht angemeldet)

Zürich hat doch keine Taxis mehr, die sind weg geGrünt oder weg geSPart worden, falls sie doch noch welche haben, müssen es Rikschas sein

User #5947 (nicht angemeldet)

Das ist doch das Grundprinzip der Schweiz, oder etwa nicht? An allem klebt ein Preisschild, der Markt richtet es ganz alleine und wer nicht zahlen kann, ist selbst schuld.

Weiterlesen

Zürich Taxi
6 Interaktionen
Zürich
1 Interaktionen
Zürich
Taxis Zürich Bolt Preise
17 Interaktionen
Zürich
Betreutes Wohnen
3 Interaktionen
Betreutes Wohnen

MEHR FRANKEN

reich
119 Interaktionen
Prahlt
4 Interaktionen
9 Millionen Franken
7 Interaktionen
Amriswil TG
8 Interaktionen
Bern

MEHR AUS STADT ZüRICH

zsc
Auch Rappi jubelt
ukraine-demo
66 Interaktionen
Solidaritäts-Demo
Geld Symbolbild.
42 Interaktionen
Zürich
Albisriederplatz
«Ohrfeige»