Einsteigen kostet in Zürcher Taxis bis zu 15 Franken
Wer in Zürich ein Taxi nimmt, erlebt mitunter eine böse Überraschung: Seit der Aufhebung der Höchsttarife schnellen die Preise teilweise massiv in die Höhe.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit 2024 gibt es in Zürich keine Taxi-Höchsttarife mehr.
- Einzelne Anbieter verlangen seither bis zu 15 Franken allein fürs Einsteigen.
- Jetzt fordert die Taxi-Branche eine neue Regulierung.
Seit Anfang 2024 können Taxi-Anbieter in der Stadt Zürich ihre Tarife frei festlegen. Mit dem neuen kantonalen Taxi- und Limousinengesetz (PTLG) entfiel die bisherige Preisobergrenze. Was als Liberalisierung gedacht war, sorgt nun innerhalb der Branche für heftigen Streit.
Am Hauptbahnhof berichten Fahrer von drastischen Entwicklungen. «Wir warten oft fünf Stunden auf einen einzigen Kunden», sagt Chauffeur Sami Badawi gegenüber den «Tamedia»-Zeitungen. Badawi fährt schon über dreissig Jahren Taxi – sein Kollege Ali Ibrahim, ist seit zehn Jahren im Geschäft. Beide betonten, so schlimm wie jetzt, sei die Lage noch nie gewesen.
Grund für den Ärger sind Anbieter, die die neue Tarifautonomie voll ausreizen. Bei einzelnen Fahrzeugen wird bereits für kurze Fahrten eine Grundtaxe von 15 Franken verlangt – allein fürs Einsteigen. Dazu kommen Wegtarife von rund 8 Franken pro Kilometer sowie 1.44 Franken.
Damit liegen die Preise teils deutlich über den früher zulässigen Höchstwerten: Grundtaxe von bis zu 8 Franken, dazu maximal 5 Franken pro Kilometer und 1.33 Franken Wartezeittarif pro Minute, wenn das Auto im Stau steckt.
175 Franken vom Hotel Savoy zum Flughafen
Ab dem 1. Januar 2024 entfiel diese Obergrenze – «das hat das Geschäft völlig kaputt gemacht«, sagt Badawi. Kollege Ibrahim ergänzt: «Das ist für mich wie ein Diebstahl am Kunden.» Solche Erfahrungen würden das Vertrauen zerstören – «wer so eine Fahrt erlebt, steigt nicht mehr in ein Taxi.»
Tatsächlich kursieren immer mehr Beispiele für extrem teure Kurzstrecken. Es gibt Berichte von einer drei Kilometer langen Fahrt, für die 62 Franken berechnet wurden. Ibrahim erzählt von einem Fahrgast, der für die Strecke vom Hotel Savoy zum Flughafen rund 175 Franken bezahlt haben soll.

Branchenverbände schlagen deshalb Alarm. «Für uns ist das extrem rufschädigend», sagt Rudolf Raemy, Präsident der Taxisektion Zürich. Einzelne Anbieter würden die Tariffreiheit ausnutzen und versuchten sinkende Umsätze mit hohen Preisen zu kompensieren. «Aber das kann nicht die Lösung sein.»
Die Verbände haben beim Kanton einen Antrag eingereicht, wieder verbindliche Höchsttarife einzuführen. Vorgeschlagen werden unter anderem eine maximale Grundtaxe von 7 Franken sowie klar begrenzte Kilometer- und Zeittarife.
Regierung sieht keine konkreten Hinweise auf Missbräuche
Die Volkswirtschaftsdirektion bestätigt gegenüber den «Tamedia»-Zeitungen, dass der Regierungsrat rechtlich eingreifen könnte, um Missbräuche zu verhindern. Derzeit lägen jedoch «keine konkreten Hinweise auf entsprechende Missbräuche» vor. Der Antrag werde geprüft.
Für viele Fahrer kommt diese Zurückhaltung schwer nachvollziehbar daher. Einige wünschen sich sogar einen Einheitstarif für klassische Taxis und Plattformanbieter wie Uber oder Bolt. Ein Modell, das früher existierte, aber aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aufgehoben wurde.

Ob die Politik tatsächlich eingreift, ist offen. In der Branche wächst jedoch die Sorge, dass überrissene Preise nicht nur Kunden vertreiben, sondern das Taxigewerbe langfristig beschädigen.












