In diesem Restaurant kostet «kein Dessert» 5.50 Franken
«Kein Dessert» auf der Karte – und trotzdem kostet es 5.50 Franken. Nau.ch verrät, was hinter der vermeintlichen Dessert-Pflicht steckt.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Hotel am Hallwilersee verlangt 5.50 Franken für ein «kein Dessert».
- Doch das Angebot hat einen süssen Haken.
- Immer wieder sorgen hiesige Dessert-Preise für Staunen.
Im Hallwilersee-Idyll des Seerose-Resorts spielt sich gerade ein kleines Dessert-Drama ab, das halb LinkedIn zum Schmunzeln bringt.
Auslöser: Katy Stone stolpert über eine Speisekarte mit Glacé, «gluschtigen Torten» und einem Menüpunkt, der wie ein schlechter Witz klingt. 5.50 Franken für «kein Dessert».

Der Kommentar der ursprünglich aus Deutschland stammenden Linkedin-Beraterin: «Sag mir, dass du in der Schweiz lebst, ohne zu sagen, dass du in der Schweiz lebst.»
Wie bitte?
Der Beitrag polarisiert: Über 120’000 Views, mehr als 100 Kommentare.
User lachen über vermeintliche Dessert-Pflicht
Auf LinkedIn wird gespottet: «Auch Fehlentscheidungen sollten gerecht verrechnet werden.»
Oder der Steuer-Klassiker: «Stell dir vor, das steht auf dem Bewirtungsbeleg. Die Steuerverwaltung wird sich vor Lachen auf dem Boden herumtollen.»
Tatsächlich hat «kein Dessert» einen süssen Haken.
Denn was viele nicht wissen: Der Menüpunkt stammt ursprünglich aus dem Hotel Bad Ramsach in Läufelfingen BL. Dieses gehört wie das Seerose-Resort zur Balance-Familie.
Dort hatte man bemerkt, dass Gäste zwar höflich «kein Dessert» sagen, aber eigentlich doch gerne irgendwas Kleines hätten. Also wurde aus dem Satz kurzerhand ein Menüpunkt.
Gäste gehen bei «kein Dessert» nicht leer aus
Marketingchef Michael Werner erklärt gegenüber Nau.ch: «Der Hintergrund war, dass viele Gäste nach einem reichhaltigen Essen sagten, sie möchten ‹kein Dessert›. Da ihnen ein klassisches Dessert als Abschluss zu viel gewesen wäre.»
Und weiter: «Mit einem Augenzwinkern haben wir uns deshalb entschieden, den Begriff ‹kein Dessert› als festen Bestandteil unserer Speisekarte aufzunehmen.»
Der Clou: Wer «kein Dessert» bestellt, bekommt nicht etwa einen leeren Teller, sondern drei kleine Probiererli aus der hauseigenen Patisserie.
Und Werner betont: «Es gibt keine Dessert-Pflicht. Sie müssen kein Dessert bestellen, nicht einmal die Variante kein Dessert.»
«Einfach zum Reinliegen»
Katy Stone selbst hat beim ersten Besuch kein «kein Dessert» bestellt – und bereut es sofort. Also geht sie nochmals hin und bestellt es nach.

Ihr Urteil: «Ich habe einen Chai-Cheesecake mit Erdbeersorbet serviert bekommen.»
Und sie schwärmt: Dieser sei «einfach zum Reinliegen» gewesen. «Ein absolutes Highlight.»
Deutscher jammert über Schweizer Glacé-Preise
Immer wieder kommt es vor, dass Deutsche über die hiesigen Dessert-Preise staunen.
Letztes Jahr ärgerte sich ein deutscher Food-Influencer über überteuertes Glacé. Vier Franken für eine Kugel Glacé — das könne sich doch kein Mensch mehr leisten, klagte er auf Facebook.
Doch: In den knapp 400 Kommentaren des Beitrags wurde der Preis grösstenteils verteidigt. Offenbar gehen die Geschmäcker nicht nur bei der Glacé-Sorte, sondern auch bei der Preisgestaltung auseinander.
«Bei so einer Aussicht würde ich auch fünf zahlen! Super und geschmeckt hat es bestimmt auch richtig gut!», schrieb eine Nutzerin.
Die Gelateria-Kette «Kalte Lust» verteidigte sich gegenüber Nau.ch: «Wir erleben selten bis gar nie, dass Touristen oder Einheimische überrascht sind.»
Den meisten sei bewusst, dass die Schweiz ein hochpreisiges Land ist. Sie empfänden deshalb die Glacé-Preise als fair.

















