In diesem Kanton zahlt der Normalo am meisten Steuern
Es ist wieder Zeit, die Steuererklärung auszufüllen. Wo sich der typische Verdiener auf die höchste Rechnung gefasst machen muss.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Experte rechnet vor, wie viel man mit einem typischen Lohn je nach Kanton zahlt.
- Bern, Baselland und St. Gallen sind die Deutschschweizer Kantone mit den höchsten Steuern.
- Doch auch der Kanton Zürich ist für Normalos nicht viel günstiger.
Es ist wieder Zeit, die Steuererklärung auszufüllen. Je nach Wohnkanton fällt die Rechnung bekanntlich völlig unterschiedlich aus.
Doch wie viel zahlt der typische Schweizer oder die typische Schweizerin dieses Jahr? Und welche Kantone schröpfen Normalverdiener am meisten? Ein Experte rechnet vor.
Der typische Schweizer verdient 7024 Franken
Zunächst zur Frage nach dem «normalen» Schweizer Lohn.
Der Medianlohn zeigt am besten, was eine typische Person verdient. Er liegt genau in der Mitte, wenn man alle Löhne der Grösse nach ordnet. Die eine Hälfte der Menschen verdient mehr, die andere Hälfte weniger.
Anders als der Durchschnitt wird der Median nicht von extrem hohen oder tiefen Löhnen verzerrt. Deshalb gibt er ein realistischeres Bild davon, was üblich ist.
So rechnet der Experte
Markus Stoll, Treuhandexperte beim Vermögenszentrum: Für die Berechnung muss man ein paar Annahmen treffen. Das Bundesamt berechnete den Bruttolohn. Steuerbar ist jedoch der Nettolohn nach Abzug von AHV, IV, EO, FAK, Unfallversicherung und Pensionskassenbeiträgen.
Während AHV, IV, EO schweizweit gleich hoch sind, können die übrigen Abzüge je nach Kanton und Arbeitgeber varieren. Ich bin von durchschnittlichen Beiträgen ausgegangen, war einen Nettolohn von rund 6000 Franken ergibt.
Dabei wurde der allgemeine Abzug für Berufskosten sowie der Maximalabzug für Versicherungsprämen berücksichtigt. Es wird von einer alleinstehende Person ohne Kinder ausgegangen. So ergibt sich die berechnete Steuerbelastung am jeweiligen Kantonshauptort.
Der Medianlohn beträgt in der Schweiz gemäss neusten Zahlen 7024 Franken brutto pro Monat. Das sind netto rund 6000 Franken – der steuerbare Betrag.
Damit hat Treuhand-Experte Markus Stoll vom Vermögenszentrum VZ für Nau.ch ausgerechnet, wo man in der Deutschschweiz wie viele Steuern zahlt.
Platz 1: Bern
Insgesamt hat der Kanton Bern an seinem Hauptort zwar nicht den höchsten Steuersatz der Deutschschweiz. Doch wenn es darum geht, Normalos zu besteuern, landet er klar auf Platz eins.
Laut Berechnung von Experte Stoll muss eine Person mit 7024 Franken Bruttolohn in der Stadt Bern 11'700 Franken Steuern zahlen.
Platz 2: Basel-Land
Liestal hat den höchsten Steuersatz unter den Deutschschweizer Kantonshauptstädten: 42,2 Prozent. Hier erhalten Medianlohn-Verdiener die zweithöchste Steuerrechnung in der ganzen Deutschschweiz.
In Liestal zahlt eine Bürgerin oder ein Bürger nur 400 Franken weniger als in Bern: Mit 11'300 Franken rechnet der Experte.
Platz 3: St. Gallen und Basel-Stadt
In den beiden Grenzkantonen St. Gallen und Basel-Stadt zahlen Medianlohnverdienende bereits rund 1000 Franken weniger als in Bern und Basel-Land.
Mit 10'400 Franken bei einem Lohn von 7024 Franken landen ihre Hauptstädte trotzdem auf Platz drei in der Deutschschweiz.
Neben dem Podest landen weitere einwohnerstarke Deutschschweizer Kantone. Im grössten von ihnen, in Zürich, zahlt man bei 7024 Franken Bruttolohn laut Stoll 7900 Franken Steuern.
Der ebenfalls besonders einwohnerreiche Kanton Aargau verlangt auf denselben Lohn 8400 Franken Steuern.
Am Ende der Liste liegt laut den Berechnungen des Treuhand-Experten wenig überraschend der Kanton Zug. Am Kantonshauptort zahlt man mit dem Medianlohn gerade mal 3700 Fränkli Steuern.
Bern schröpft den Normalo
Doch warum müssen Berner, Baslerinnen, St. Galler und Co. so viel tiefer ins Portemonnaie greifen als die Zuger?
Zunächst zum Kanton mit dem höchsten Steuersatz der Deutschschweiz nach Kantonshauptorten: Basel-Landschaft.

Zur Frage, warum die Steuern in Liestal so viel höher sind als in Zug, sagt Michael Schwaller von der Steuerverwaltung: «Die Steuerbelastung ist zum Beispiel bei verheirateten Doppelverdienern mit zwei Kindern im unteren Einkommensbereich sehr attraktiv.»
Schwaller legt eine Grafik mit Zahlen der eidgenössischen Steuerverwaltung bei – und die zeigt: Tatsächlich zahlt ein solches Elternpaar mit einem steuerbaren Jahreseinkommen von 60'000 Franken in Baselland vergleichsweise wenig Steuern.

Nur drei Kantone sind für das Paar günstiger als das Baselbiet. Am teuersten wäre für die beiden Bern – der Kanton schröpft Steuerzahler mit niedrigem bis mittlerem Einkommen also am meisten.
Baselland: «Sehr hohe Einkommen werden stark besteuert»
Nur: Das Einkommen aus dem Beispiel der Baselbieter Steuerverwaltung liegt tiefer als der Medianlohn (7'024 Franken).
Ein Brutto-Jahreseinkommen von 60'000 Franken würde bedeuten, dass beide Partner zusammen monatlich 5000 Franken verdienen. Also pro Person 2500 – und damit je 4500 Franken weniger als der typische Schweizer.
Schwaller sagt: «Sehr hohe Einkommen werden im Kanton Basel-Landschaft tatsächlich stark besteuert.»
Ein Grund dafür sei, dass die Einkommenssteuern letztmals im Jahr 2007 umfassend reformiert wurden. «Der Regierungsrat ist sich dieser Situation bewusst. Er will deshalb das Steuersystem im Bereich der natürlichen Personen ausgeglichener gestalten.»
Schwaller gibt zudem zu bedenken, dass der Kantonshauptort Liestal verglichen mit anderen Baselbieter Gemeinden einen eher hohen Steuerfuss aufweist.
Steuerhölle Bern ergreift Massnahmen
Kleinlauter klingt es in Bern. Susanne Greiner von der Steuerverwaltung erklärt: «Die Berner Regierung sowie das Parlament sind sich bewusst, dass die Steuerbelastung im Kanton Bern im interkantonalen Vergleich hoch ist.»
Bern hat darum verschiedene Massnahmen für seine Steuerstrategie festgelegt. Das Ziel: Die Steuerbelastung «im Kantonsvergleich in Richtung Mittelfeld» zu bewegen.

Ein Grund für die hohen Steuern: Wie die Steuerverwaltung Bern schreibt, müssen die Kantone aufgrund ihrer «geografisch-topografischen und soziodemografischen Gegebenheiten» unterschiedliche Lasten tragen.
Gebirgskantone wie Bern haben dabei «tendenziell deutlich höhere Kosten bei der Infrastruktur oder beim Winterdienst».
Basel, Zürich: Viele Arme in Städten erhöhen Steuern
Auch Zentrumskantone wie Zürich und Basel-Stadt haben höhere Kosten. Das liege am überdurchschnittlich hohen Bevölkerungsanteil an älteren, armen und ausländischen Personen.
Damit zu Basel-Stadt, wo der typische Verdiener gemeinsam mit St. Gallen am drittmeisten Steuern im Deutschschweizer-Vergleich zahlen muss. Er ist einer der urbansten Kantone des Landes.
Beim Finanzdepartement wird dort auf Anfrage betont, «dass Basel-Stadt in den letzten Jahren steuerlich attraktiver geworden ist». Auch im Steuerbelastungsmonitor des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Economics habe man zuletzt gut abgeschnitten.
Der Monitor zeigt, wie stark die Einkommen von Privatpersonen in den einzelnen Kantonen durchschnittlich besteuert werden.

Und St. Gallen? Der Kanton sieht sich selbst nicht auf Platz drei im Deutschschweizer Nau.ch-Steuerranking.
Steueramt-Leiter Felix Sager verweist auf das Steuermonitoring 2024, indem St. Gallen selbst einen Kantonsvergleich anstellte.
Dort gibt es zwar keine konkreten Angaben zum Medianlohn (7024 Franken). Es wird jedoch gezeigt, wie viel eine Person mit einem Bruttolohn von rund 6700 Franken bezahlte: Das waren 9740 Franken, 660 Franken weniger als in Stolls Rechnung mit rund 7000 Franken Lohn.
In diesem Monitoring liegt St. Gallen im Deutschschweizer Vergleich auf Platz fünf, nicht drei.
Was Zug richtig macht
Tatsache bleibt: Auch wenn geografische Gegebenheiten wie Berge und Städte einen Einfluss haben – die Steuerhöhe ist immer auch politisch bedingt.
Das wird in Zug betont, dem Kanton, in dem der Normalo am Hauptort am wenigsten Steuern zahlt. Ganz allgemein hat der Kanton die niedrigsten Steuersätze.
Finanzdirektor Heinz Tännler erklärt, dass dahinter viele Jahrzehnte «vorausschauender Finanz- und Standortpolitik» stecken. In dieser Zeit habe sich Zug «als erfolgreicher Unternehmensstandort und Wohnkanton etabliert».
«Er erntet nun die Früchte dieser langfristig orientierten Politik.» In Zug haben grosse Unternehmen wie Rohstoffkonzern Glencore und Haushaltsgeräte-Hersteller V-Zug ihren Sitz.
Laut Tännler tragen aber noch andere Faktoren zu den niedrigen Steuern bei: «Etwa eine effiziente und wirtschaftsfreundlich ausgerichtete Verwaltung mit kurzen Wegen.»
Ein weiterer Teil ist Glück. «Natürlich profitiert Zug auch von guten Verkehrsanbindungen zur wirtschaftlich starken Region Zürich und zum Flughafen. Das ist vor allem für internationale Unternehmen und Führungskräfte wichtig.»


















