Hochwasser-Gefahr: Kurze, heftige Regenfälle nehmen weiter zu
Die Klimaerwärmung verändert unser Wetter. Die Sommer werden trockener und es regnet heftiger. Dadurch steigt das Risiko für Hochwasser.

Das Wichtigste in Kürze
- Durch den Klimawandel werden in der Schweiz die Sommer immer trockener und die Winter nasser.
- Die jährliche Niederschlagsmenge bleibt zwar gleich, aber die Verteilung und die Intensität der Regenfälle verändert sich.
- Es ist damit zu rechnen, dass Hochwasser und Erdrutsche weiter zunehmen werden.
Das Wetter in der Schweiz verändert sich. Zwar regnet es im Sommer insgesamt seltener, doch wenn Regen fällt, ist er heftiger als früher. Das zeigen Messdaten über Jahrzehnte hinweg.
Laut dem Meteorologen Luca Nisi kann der Regen seit den Achtzigerjahren mit einer zeitlichen Auflösung von zehn Minuten erfasst werden. Seitdem hat die Intensität von Starkregen innerhalb dieser zehn Minuten um rund 20 Prozent zugenommen, berichtet Nisi gegenüber SRF.
Auch über längere Zeiträume lässt sich ein klarer Trend erkennen. Innerhalb von hundert Jahren sind intensive Tagesniederschläge um rund 26 Prozent häufiger geworden. Gleichzeitig sind sie um etwa 12 Prozent intensiver geworden.
Der Grund für dieses Phänomen hängt mit der globalen Erwärmung zusammen und ist reine Physik. Der Meteorologe erklärt: «Wenn die Temperatur um ein Grad steigt, kann in der Luft etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf vorhanden sein.»
Es handelt sich dabei um das physikalische Prinzip der Clausius-Clapeyron-Gleichung, das laut SRF vereinfacht besagt: Je wärmer es ist, umso mehr Wasser gelangt durch Verdunstung aus Bodenwasser oder Gewässern in die Atmosphäre.
Wenn der Wasserdampf dann in der Atmosphäre kondensiert, entsteht Regen. Weil durch die Erderwärmung also mehr Dampf in der Luft vorhanden ist, steht beim Regen potenziell mehr Wasser zur Verfügung. Das führt zu intensiveren Niederschlägen.
Trockene Sommer, nasse Winter
Die Klimaszenarien CH2025 von MeteoSchweiz und der ETH Zürich zeigen: Die jährliche Niederschlagsmenge wird sich nicht wesentlich verändern. Allerdings verschiebt sich die Verteilung über die Jahreszeiten. Die Sommer werden im Schnitt trockener, während es im Winter mehr regnen wird.
Bei einer globalen Erwärmung um drei Grad könnten laut Nisi die Niederschlagsmengen innerhalb einer Stunde um bis 30 Prozent steigen. Bei Tagesniederschlägen rechnet er mit einem Anstieg von bis zu 25 Prozent.
Somit steigt das Risiko für Hochwasser – besonders südlich der Alpen. Denn die Region entlang des Alpensüdrands ist schon heute stark von intensiven Niederschlägen betroffen. Die Berge und die Nähe zum Mittelmeer begünstigen starke Regenfälle.
Trockenere Sommer und gleichzeitig heftigere Regenfälle: Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. «Wie wir in diesem Sommer gesehen haben, kann ein stark ausgetrockneter Boden in den ersten Phasen eines sehr intensiven Gewitters das Wasser weniger gut aufnehmen», sagt Nisi.
Das Wasser fliesst dann über die Oberfläche ab. Die Folgen sind Hochwasser oder Erdrutsche.
Der Klimawandel verändert auch den Winter. Die Schneefallgrenze steigt weiter an. In tieferen Lagen fällt dadurch mehr Regen statt Schnee. Auch das erhöhe die Überschwemmungsgefahr, so Nisi.





















