Himmel und Hölle durch die Linse der Pressefotografie
Der Künstler Alfredo Jaar hat zwanzig Fotojournalistinnen und -journalisten gebeten, ihr schmerzhaftestes und ihr hoffnungsvollstes Bild herauszusuchen. Entstanden ist die Ausstellung «Inferno & Paradiso», zu sehen in der Photo Elysée in Lausanne.

Von der Ukraine bis nach Argentinien, von Gaza bis nach New York: Die Photo Élysee zeigt in ihrer neuen Schau Bilder, die die Widersprüchlichkeit dieser Welt und vor allem des Menschen zeigen. Sie zeugen von den Krisen und Freuden, die wir durchleben.
Die beiden Bilder von Anastasia Taylor-Lind etwa drücken aus, dass Krieg und Frieden im Alltag der Zivilbevölkerung nebeneinander koexistieren. Ihre schmerzhafte Fotografie zeigt einen weinenden Mann während des Krieges zwischen Aserbaidschan und Armenien 2020. Hoffnungsvoll dagegen sind zwei eng umschlungene, friedlich schlafende Mädchen aus Bergkarabach, die sie abgelichtet hat.
Kontrastvoll sind auch die zwei Bilder des türkischen Fotografen Bülent Kılıç. Da ist einerseits eine massive Explosion, die er während eines Luftangriffs auf Stellungen der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) auf einem Hügel nahe der syrischen Grenzstadt Kobane festhielt. Auf seiner zweiten Fotografie kümmern sich junge Schäferhunde um ein von einer Schlange gebissenes Schaf.
Ausgewählt habe Alfredo Jaar die Ausstellenden aufgrund ihrer Fähigkeit, «das Menschsein in unserer heutigen Zeit in seiner ganzen Komplexität zu erfassen» wie das Lausanner Museum am Donnerstag mitteilte. Besuchende sehen die Schreckens- und Wohltubilder in einem abgedunkelten Raum, in dem immer gleichzeitig zwanzig Projektionen vorgeführt werden. Sie zeigen alle das gleiche Bild, alle zwanzig Minuten wird zwischen Inferno und Paradies gewechselt.
Der 1956 geborene Künstler, Architekt und Filmemacher Alfredo Jaar gilt als einer der engagiertesten bildenden Künstler unserer Zeit. Seine Werke sind Teil der Sammlungen der grössten Museen, darunter im MoMA in New York, dem Tate Modern in London Museum oder dem Centre Pompidou in Paris. Alfredo Jaar stellt ausserdem eine Installation namens «The End of the World» an der Biennale von Venedig aus. Die Schau in Lausanne kann ab Freitag und bis 1. November besucht werden.










