Handys der Barbesitzer Moretti erst nach acht Tagen beschlagnahmt

    Laurin Zaugg
    Laurin Zaugg

    Crans-Montana,

    Ermittlungsakten zeigen: Die Untersuchung der Walliser Staatsanwaltschaft im Fall der Brandkatastrophe von Crans-Montana weist diverse Mängel auf.

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    Die Ermittlungsakten der Walliser Staatsanwaltschaft zur Brandkatastrophe in Crans-Montana decken einige Mängel auf. (Archivbild) - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Untersuchung der Brandkatastrophe in Crans-Montana steht in der Kritik.
    • Das Vorgehen der Walliser Staatsanwaltschaft wirft Fragen auf.
    • So wurden die Handys des Besitzerpaars Moretti erst am 9. Januar konfisziert.

    Bereits seit Beginn der Ermittlungen im Brandfall von Crans-Montana wird die Arbeit der Walliser Staatsanwaltschaft kritisiert. Ermittlungsakten zeigen nun: Die Art und Weise der Untersuchung ist noch fragwürdiger als bisher vermutet.

    Die Katastrophe in Crans-Montana forderte 40 Todesopfer und über hundert Verletzte, viele tragen schwere Verbrennungen davon.

    Seit Beginn der Ermittlungen gibt es Vorwürfe gegenüber der Staatsanwaltschaft, sie würde ihre Arbeit zum Brand in der Bar «Le Constellation» ungenügend führen.

    In hunderten Seiten Ermittlungsakten, die der «NZZ am Sonntag» vorliegen, kommen jetzt neue Details zu den Vorgehensweisen der Staatsanwaltschaft ans Licht.

    Bisher vermutete Mängel nur Spitze des Eisbergs

    So gelten Mobiltelefone in Strafprozessen als wichtige Beweismittel. Chatverläufe, Fotos und andere Daten geben Aufschluss über das Verhalten der Angeklagten. So ist es üblich, dass Handys von Verdächtigten rasch konfisziert werden.

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    Die Morettis bei ihrer Ankunft bei der Vernehmung in Sitten. (Archivbild) - keystone

    Im Fall des Betreiberpaars der Katastrophen-Bar, Jacques und Jessica Moretti, wurde dies aber nicht getan, wie die Zeitung schreibt. Erst nachdem Opferanwälte darauf bestehen, dass die Geräte beschlagnahmt werden, geschieht dies am 9. Januar.

    Bis dahin war das Betreiber-Ehepaar auf freiem Fuss. Es hatte also insgesamt acht Tage Zeit, strafrechtlich relevante Inhalte auf den Handys zu löschen.

    Akten verspätet eingereicht

    Drei Tage nach der Brandkatastrophe hat die Gemeinde Crans-Montana ihre Akten zum Brandlokal «Le Constellation» bei der Polizei eingereicht. Öffentlich wird kommuniziert, die Akten seien vollständig an die Behörden übergeben worden.

    Dennoch meldet sich der Gemeindepräsident Nicolas Féraud noch zwei Tage später bei der Polizei. Er müsse dringend ein Dossier zur Bar übergeben, habe er zu einem Beamten gesagt. Man habe noch weitere Akten gefunden, die bei einem ehemaligen Beauftragten für Brandschutz aufbewahrt wurden, so die NZZ.

    Auch das Walliser Departement für Sicherheit habe strafrechtlich relevante Dokumente verspätet eingereicht – ohne Konsequenzen.

    Verfolgst du die Entwicklungen zu Crans-Montana?

    Das Departement gab den Einsatzbericht zum Brand sieben Tage lang trotz offizieller Aufforderung nicht heraus. Die Reaktion der Staatsanwaltschaft: Eine höfliche Erinnerung, man solle doch die Dokumente noch einreichen.

    Wie die Akten zeigen, bröckelt durch die Versäumnisse auch das Vertrauen der Opfer in die Untersuchung.

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