Bauern

Brauchen Öl: Bauern wollen Ferien-Vielfliegerei stoppen

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Bern,

Bald muss der Bund das Öl-Pflichtlager anzapfen. Bäuerliche Nationalräte fordern Vielflieger zur Vernunft auf.

lebensmittel
Das Öl wird knapp – jetzt fordern Bauern, die Ferien-Vielfliegerei zu stoppen. Man brauche den Treibstoff zur Herstellung von Lebensmitteln. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab Mai müsste der Bund die Pflichtlager freigeben.
  • Bäuerliche Nationalräte fordern genügend Öl für die Landwirtschaft.
  • Einschränkungspotenzial sehen sie im Flugtourismus.

Der Schweiz droht das Öl auszugehen. Bis Ende April reichen die Mineralölprodukte noch aus. Öffnet der Iran die Strasse von Hormus aber weiterhin nicht, wird es im Mai knapp. Ab dann müsste der Bund die Pflichtlager freigeben.

Anfang August könnte der Ernstfall eintreffen und Treibstoffmängel würden in der Schweiz Realität.

Beim Kerosin ist die Lage besonders angespannt. Der aktuelle Bestand im Pflichtlager reicht dort nicht einmal für drei Monate. Gleichzeitig verzeichnen die Schweizer Flughäfen Passagierrekorde.

Der Clou: Muss der Bund das Pflichtlager anzapfen, gibt es keine prioritäre Behandlung gewisser Branchen oder Dienstleister. Dies bestätigt das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) auf Anfrage.

«Absolut nicht nötig, so viel herumzufliegen»

Bäuerliche Nationalräte machen sich darum Sorgen um die Verteilung des Öls. Denn auch in der Landwirtschaft und damit in der Lebensmittelproduktion wird es gebraucht.

Grünen-Nationalrat Kilian Baumann führt in Suberg BE einen Biohof. «Es ist wichtig, dass zwischen Systemrelevanz und Spass unterschieden wird», sagt er zu Nau.ch.

Öl
«Es ist wichtig, dass zwischen Systemrelevanz und Spass unterschieden wird», sagt Grünen-Nationalrat Kilian Baumann. - keystone

Die Landwirtschaft sei nach wie vor auf Diesel angewiesen. «Viele Traktoren und Erntemaschinen funktionierten noch nicht mit Elektroantrieb.» Öl brauche es zudem, um Gewächshäuser zu beheizen.

Sollten Touristen in der Ölkrise weniger fliegen?

«Würde das Öl gestaffelt gebraucht, könnte man die Menge im Pflichtlager strecken», sagt Baumann. Insbesondere Kerosin lasse sich gut sparen.

Er findet: «Es ist absolut nicht nötig, so viel herumzufliegen, wie es aktuell der Fall ist.» Ferienflüge sollten seiner Meinung nach deshalb teurer werden.

SVP-Landwirt: «Pro Tankfüllung zahlen wir 200 Franken mehr»

Besorgt ist auch Thomas Knutti. Der SVP-Nationalrat ist Landwirt in Weissenburg BE und Transportunternehmer.

«Pro Tankfüllung bezahlen wir 200 Franken mehr als im Januar», sagt er. Wie lange noch genügend Diesel fliesse, stehe in den Sternen, solange der Konflikt zwischen dem Iran und den USA andauere.

Die Erntezeit stehe auch schon vor der Tür, sagt Knutti. «Wir können unsere Nahrungsmittelversorgung nicht ohne Maschinen sicherstellen.»

Es sei deshalb zentral, dass im Falle eines angezapften Pflichtlagers genügend Öl in die Landwirtschaft fliesse. «Ansonsten müssen wir die Kartoffeln bald wieder von Hand graben.»

«Man soll sich an der Nase nehmen»

Einschränkungspotenzial sieht auch er beim Flugverkehr.

«Sparen sollte man Öl dort, wo es am wenigsten weh tut», sagt er. Er appelliert an die Eigenverantwortung.

«Man soll sich an der Nase nehmen und sich fragen: Muss ich jetzt für ein Shopping-Wochenende nach Lissabon fliegen?» Er habe den Eindruck, dass bei den Menschen trotz Ölkrise die Vernunft verlorengegangen sei.

Der Bund kann bei Notwendigkeit mit «Sparapellen» zum freiwilligen Energiesparen aufrufen. Darunter fallen auch Aufrufe zur Reduktion des Freizeitverkehrs.

Bundesrat kann Ferienflüge einschränken

Müssen die Pflichtbestände über lange Zeit angezapft werden, kann die Vollversorgung des Flugpetrolmarkts gefährdet sein.

Ein weiteres Szenario sind bereits stark abgebaute Pflichtlager.

In diesen Fällen wäre es möglich, den Kerosinverbrauch zu beschränken: «Falls es nötig würde, könnte der Bundesrat anordnen, dass ‹Rettungs-, Lösch- und Suchflüge› benötigte Flugpetrollieferungen erhalten», so das BWL.

Dann wäre es mit der Ferien-Fliegerei also definitiv vorbei.

Kommentare

User #5711 (nicht angemeldet)

Stellt euch vor, wenn wir 10 Mio Menschen im Land sind. Jeder braucht Essen, Strom etc.... Das wird eng

User #2428 (nicht angemeldet)

SVP-Nationalrätin und Ems-CEO Martullo-Blocher fliegt sehr oft per Helikopter an die Session und retour.

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