Gemeindepräsident muss nach Brand-Tragödie erstmals aussagen

    Keystone-SDA
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    Crans-Montana,

    Nach der Brandkatastrophe mit 41 Toten wird Nicolas Féraud befragt. Für die Opferfamilien kommt die Einvernahme des Gemeindepräsidenten erst sehr spät.

    Der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, Nicolas Féraud, bei der Medienkonferenz vom 6. Januar. (Archivbild)
    Der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, Nicolas Féraud, bei der Medienkonferenz vom 6. Januar. (Archivbild) - KEYSTONE/CYRIL ZINGARO

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nicolas Féraud wird als achter von neun Beschuldigten erstmals angehört.
    • Ihm werden fahrlässige Tötung, Verletzung und Brandstiftung vorgeworfen.
    • Die Opferfamilien verlangen Antworten und klare Verantwortung nach der Katastrophe.

    Der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, Nicolas Féraud, wird am Montag erstmals im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe vom 1. Januar von der Staatsanwaltschaft angehört. Er ist der achte von insgesamt neun Beschuldigten, die in diesem Fall befragt werden.

    «Diese Anhörung bedeutet, dass es drei Monate und zehn Tage gedauert hat, bis der Gemeindepräsident als Beschuldigter einvernommen wurde, obwohl er bereits am 6. Januar schwerwiegende Versäumnisse eingeräumt hatte», sagte Opferanwalt Sébastien Fanti zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Für die Familien ist das Wort, das sich aufdrängt, 'endlich'.»

    Auftritt unter grossem Medieninteresse

    Féraud traf gegen 8.30 Uhr in Begleitung seines Anwalts Christian Delaloye ein. Der FDP-Politiker wurde von zahlreichen Journalisten, Fotografen und Kamerateams erwartet. Er entschied sich, über einen der Seiteneingänge zur Aula des Campus Energypolis in Sitten – dem Ort der Anhörung – einzutreten.

    Wie die anderen Beschuldigten wird Féraud der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Brandstiftung beschuldigt. Beim Brand in der Bar «Le Constellation» waren in der Silvesternacht 41 Menschen ums Leben gekommen und 115 verletzt worden. 38 befanden sich zunächst weiterhin im Spital.

    Fünf Tage nach der Tragödie hatte die Gemeinde Crans-Montana über ihren Präsidenten an einer Medienkonferenz eingeräumt, dass die Bar «Le Constellation» seit 2019 nicht mehr kontrolliert worden war. «Wir können uns nicht erklären, warum diese Kontrollen nicht durchgeführt wurden», hatte Féraud damals erklärt.

    Opferanwälte fordern Antworten und Verantwortung

    «Meine Mandanten brauchen Antworten, jemanden, der ihre Fragen beantwortet und Verantwortung übernimmt», sagte der Genfer Anwalt mehrerer Opferfamilien, Romain Jordan.

    «Warum gab es keine Kontrollen? Warum erfolgte keine Nachverfolgung der 2019 festgestellten Abweichungen? Warum wurden Hilferufe einzelner Mitarbeitender wegen fehlender Mittel nicht ernst genommen?»

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    In einem Interview mit Keystone-SDA hatte Féraud Ende Januar erstmals ein Schuldeingeständnis formuliert. «Ich werde Verantwortung übernehmen für das, was ich zu verantworten habe, falls ich angeklagt werde», erklärte er damals.

    «Es geht nun nicht mehr nur um Kommunikation, sondern darum, präzise zu klären, welche Entscheidungen unter welchen Bedingungen getroffen wurden und welche Verantwortlichkeiten auf Gemeindeebene und in den betroffenen Bereichen wahrgenommen wurden – auch bei der Abwägung zwischen Sicherheitsanforderungen, touristischer Entwicklung sowie den von der Gemeinde eingesetzten Ressourcen», sagte der Waadtländer Anwalt mehrerer Familien, Gilles-Antoine Hofstetter.

    Weitere Einvernahmen bereits erfolgt

    In der vergangenen Woche standen vier Anhörungen auf dem Programm: Barbetreiber Jacques Moretti war aus medizinischen Gründen nicht anwesend.

    Weiter wurde der ehemalige Verantwortliche für den Brandschutz der Gemeinde Chermignon befragt, der laut seinem Anwalt mangels Akteneinsicht keine Fragen beantwortete.

    Zudem hörte die Staatsanwaltschaft den stellvertretenden Leiter des Gemeindesicherheitsdienstes (2020 – 2024) und ein aktuelles Mitglied des Teams für öffentliche Sicherheit der Gemeinde Crans-Montana an.

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    Kommentare

    User #6134 (nicht angemeldet)

    Nochmals: Als Angeklagter muss Herr Féraud nicht die Wahrheit sagen, und er darf auch einfach schweigen (ratsam!) – dies im Gegensatz zu den Zeugen.

    User #2521 (nicht angemeldet)

    Vielleicht retten die italienischen Strafverfolger und Opfer- Anwälte das was noch zu retten ist und die Moretti's und Féraud's werden den Opfern Schadenersatz und Genugtuung bezahlen müssen, bis sie bankrott sind. Fb

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