Grippe

    Gegen Grippe geimpft? Schau bei Rechnung genau hin

    Cheri Reinhardt
    Cheri Reinhardt

    Stäfa,

    Eine Zürcher Apotheke verrechnet bei einer Grippeimpfung unzulässige Gebühren. Der Apothekerverband bestätigt den Fehler und kündigt Massnahmen an.

    Impfen Patientin
    Bei einer Grippeimpfung in der TopPharm See-Apotheke in Männedorf ZH wurden einer Patientin acht Franken zu viel verrechnet. Der Apothekerverband bestätigt den Fehler und reagiert. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Eine Patientin bezahlt für ihre Grippeimpfung in einer Zürcher Apotheke 59.90 Franken.
    • Auf der Quittung entdeckt sie zwei zusätzliche Sicherheitschecks für insgesamt 8.04 Franken.
    • Der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse bestätigt, dass diese Gebühren nicht verrechnet werden dürfen.
    • Die Apotheke spricht von einem Einzelfall. TopPharm kündigt zusätzliche Schulungen an, der Apothekerverband will seine Mitglieder informieren.

    Sie wollte auf Nummer sicher gehen und sich in dieser Saison vor der Grippe schützen. Deshalb liess sich eine Patientin Ende Oktober in der TopPharm See-Apotheke in Männedorf ZH impfen.

    59.90 Franken bezahlt sie dafür. Erst zu Hause schaut sie sich die Quittung genauer an. Und staunt: Neben der Impfung und dem Impfstoff tauchen zwei zusätzliche Gebühren auf.

    Nau.ch liegt die Quittung vor.

    Acht Franken für zwei Sicherheitschecks

    Ein Blick auf die Rechnung zeigt: Für den Impfstoff werden 26.85 Franken verrechnet, für die Impfung selbst weitere 25 Franken.

    Dazu kommen ein «Sicherheits-Check Medikament» für 4.08 Franken und ein «Sicherheits-Check Patient» für 3.96 Franken. Zusammen also 8.04 Franken.

    Impfen Abzocke
    Die Quittung zeigt es schwarz auf weiss: Neben der Grippeimpfung und dem Impfstoff wurden zwei zusätzliche Sicherheitschecks für insgesamt 8.04 Franken verrechnet. Zu Unrecht, wie der Apothekerverband bestätigt. - zVg

    Das erstaunt. Denn auf ihrer Website bewirbt die See-Apotheke die Grippeimpfung für 25 Franken plus Impfstoff. Zudem hatte die Patientin kein ärztliches Rezept. Die gesamten Kosten bezahlte sie aus der eigenen Tasche.

    «Die Gebühren müssen zurückerstattet werden»

    Ob diese zusätzlichen Gebühren bei einer selbst bezahlten Grippeimpfung ohne ärztliches Rezept überhaupt zulässig sind, ist fraglich. Nau.ch hat deshalb beim Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse nachgefragt.

    Die Antwort ist eindeutig: «Nein, jedenfalls nicht als Tarifpositionen der LOA V», erklärt Mediensprecher Gregory Nenniger.

    Kontrollierst du deine Apothekenrechnungen?

    Die sogenannte LOA V regelt die Vergütung bestimmter pharmazeutischer Leistungen im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Eine vollständig selbst bezahlte Grippeimpfung ohne ärztliche Verschreibung falle nicht darunter, erklärt Nenniger.

    Zwar dürften Apotheken für Impfungen sowie Beratungs- und Dokumentationsleistungen eigene Preise verlangen. Die beiden Sicherheitschecks könnten in diesem Fall aber nicht abgerechnet werden.

    Und Nenniger stellt klar: «In vorliegendem Fall ist der Patientin/dem Patienten der Betrag selbstverständlich rückzuerstatten.»

    See-Apotheke entschuldigt sich

    Mit den Erkenntnissen konfrontiert, reagiert die See-Apotheke Männedorf umgehend. «Wo Menschen arbeiten, da passieren Fehler», schreibt die geschäftsführende Apothekerin Margret Kühnel gegenüber Nau.ch.

    Sie entschuldigt sich und erklärt, sie habe nach der Anfrage sofort weitere Grippeimpfungen überprüft.

    Seeapotheke Männedorf
    Die TopPharm See-Apotheke in Männedorf ZH hat einer Patientin bei einer Grippeimpfung zwei Sicherheitschecks zu viel verrechnet. Die Apotheke räumt den Fehler ein und spricht von einem Einzelfall. - Nau.ch

    Das Ergebnis: Bei den anderen Impfungen seien keine solchen Gebühren verrechnet worden. Es handle sich um einen Einzelfall.

    Wie viele Rechnungen kontrolliert wurden, bleibt allerdings offen.

    Auch TopPharm reagiert

    Inzwischen hat sich auch die TopPharm Apotheken und Drogerien Genossenschaft zu dem Fall geäussert. Ihr gehören rund 125 eigenständige Apotheken in der Deutschschweiz an, darunter die See-Apotheke in Männedorf.

    Laut TopPharm ist einer Mitarbeiterin beim Erfassen der Impfung ein Fehler unterlaufen. In den Kassensystemen seien die korrekten Preise hinterlegt.

    Bist du gegen die Grippe geimpft?

    Das Team der See-Apotheke sei inzwischen nochmals auf die richtigen Abläufe aufmerksam gemacht worden. Der Fehler werde zudem im Qualitätsmanagement dokumentiert.

    Bemerkenswert: Obwohl die See-Apotheke von einem Einzelfall spricht, kündigt TopPharm auch innerhalb der Genossenschaft zusätzliche Schulungen an.

    Ob die falsche Verrechnung ohne den Hinweis der Patientin entdeckt worden wäre, lässt TopPharm offen. Die Genossenschaft verweist auf regelmässige interne Kontrollen. Details dazu will sie allerdings nicht bekannt geben.

    Apothekerverband will nun informieren

    Doch wie kann es überhaupt zu solchen falschen Gebühren kommen?

    Laut pharmaSuisse ergänzen Kassensysteme die Sicherheitschecks in der Regel automatisch, sobald ein rezeptpflichtiges Medikament abgegeben wird. Das könne in Ausnahmefällen auch bei einem Impfstoff passieren. Die fälschlicherweise ergänzten Tarifpositionen müssten dann manuell entfernt werden.

    Dem Verband seien bisher keine weiteren solchen Fälle bekannt. Dennoch will pharmaSuisse reagieren.

    «Wir werden zur Sicherheit unsere Apotheken mit einem Informationsschreiben daran erinnern, wie in dieser Situation vorzugehen ist», erklärt Nenniger.

    Für Kundinnen und Kunden lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Quittung. Wer eine Grippeimpfung ohne Rezept selbst bezahlt und darauf zusätzliche Sicherheitschecks entdeckt, sollte bei der Apotheke nachfragen.

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    Kommentare

    User #4451 (nicht angemeldet)

    🧐Impfungen sollten von mir aus gesehen freiwillig und vor allem Gratis sein. JEDE Impfung!

    User #4798 (nicht angemeldet)

    Es ist schlicht ein Irrsinn, dass der Kunde die Rechnung als Laie noch kontrollieren und bei Verfehlen auch noch selber reagieren muss. Wo sind da die Kontrollen? Hier sieht man, wie unser Gesundheitssystem grosse Lücken aufweist, das Fehler begünstigt, statt diese zu vermeiden.

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