Gefährder: Werden zwei Drittel zu Unrecht fichiert?

    Christoph Krummenacher
    Christoph Krummenacher

    Zürich,

    In 13 Kantonen kommt eine Software zum Einsatz, welche potenziell gefährliche Personen frühzeitig erkennen soll. Die Kantonspolizeien gehen dabei auf Nummer sicher, wie eine Analyse zeigt. Das bringt Probleme mit sich.

    Software kann im Ausland zur Repression verwendet werden.
    Software kann im Ausland zur Repression verwendet werden. - pixabay

    Das Wichtigste in Kürze

    • 13 Kantone setzen bei der vorausschauenden Polizeiarbeit auf eine Software.
    • Diese erkennt potenzielle Gefährder: Aktuell stehen 3000 auf der Liste, zwei von drei jedoch zu Unrecht.

    Mit dem Bedrohungsmanagement sollen gefährliche
    Entwicklungen von Personen frühzeitig wahrgenommen werden. 13 Kantone gehen
    bisher diesen Weg. Das sogenannte «Predictive Policing» folgt dem Grundsatz
    Erkennen, Einschätzen, Entschärfen. Mindestens 3000 Personen werden bisher in Datenbanken
    fichiert. Die Kantonspolizeien gehen auf diese Gefährder zu, machen sie darauf
    aufmerksam, dass man ein Auge auf sie geworfen hat.

    «Predictive Policing»

    Die vorausschauende Polizeiarbeit will gefährliche Personen
    erkennen, die bei den Behörden registriert sind. Denn viele spätere Täter sind
    schon vor ihrer Straftat aufgefallen und deshalb registriert worden,

    berichtet «SRF Data». Beispielsweise
    weil ein Nachbar wegen einem lauten Streit die Polizei gerufen hat, wegen
    Drohungen gegenüber Behörden oder weil er von der KESB oder einer Schule gemeldet
    wurde.

    Die Software teilt die Personen in Stufen von 0-5 ein.
    Die Software teilt die Personen in Stufen von 0-5 ein. - srf

    Auch der Mörder von Pfäffikon ZH 2011, der seine Frau und
    eine Sozialarbeiterin erschoss, war den Behörden bekannt. Die Polizei-Software teilte
    ihn im Nachhinein als einen Gefährder ein. Diese Software («DyRiAS») analysiert
    die Daten aller gemeldeten Personen und kategorisiert sie nach Risikostufen.
    Das soll den Polizisten Hinweise geben auf sogenannte «Gefährder»: Personen die
    künftig eine Straftat begehen könnten.

    Software istübervorsichtig

    Gegenwärtig stehen 3000 Personen auf der Gefährderliste,
    zwei Drittel wohl unberechtigter Weise. Denn eine Untersuchung zeigte, dass die
    Software zwei von drei Personen fälschlicherweise als Gefährder einstuft. Kantonspolizeien
    sind sich dem bewusst und lassen deshalb jeden Gefährder durch geschultes
    Fachpersonal prüfen. Die Kantonspolizei Zürich setzt etwa zusätzlich auf ein
    eigenes Analyse-Instrument (Nau
    berichtete
    ).

    Juristen äussern Bedenken

    Wer einmal auf der Liste der Gefährder steht, kommt nur
    schwer wieder weg. Denn: Er muss beweisen, dass er in Zukunft keine Straftat
    begehen wird. Zehn Jahre bleibt er auf der Liste. Das finden Rechtsexperten
    problematisch. Zudem wird eine Objektivität suggeriert, die Daten kommen jedoch
    von interpretierenden und wertenden Menschen.

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