Gefahr nimmt zu: Erste Kantone richten Waldbrand-Einsatzgruppen ein
Die Waldbrandgefahr wächst. Erste Kantone bauen deshalb eine gemeinsame Spezialtruppe auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Genf, Waadt und Neuenburg gründen eine Waldbrand-Einsatzgruppe.
- Neue Spezialfahrzeuge und Ausbildung sollen Einsätze verbessern.
- Weitere Kantone prüfen ähnliche Massnahmen.
Die zunehmende Waldbrandgefahr hat in der Schweiz konkrete Folgen: Mehrere Westschweizer Kantone bauen derzeit erstmals eine gemeinsame Spezialtruppe für Vegetations- und Waldbrände auf.
Wie die Westschweizer Zeitung «Le Matin» berichtet, arbeiten Genf, Waadt und Neuenburg an einem gemeinsamen Interventionsverband für Waldbrände. Ziel ist es, Ausbildung, Material und Einsätze kantonsübergreifend zu koordinieren.

Auslöser war unter anderem ein Brand im Sommer 2022 im Kanton Genf. Kinder hatten mit Feuerwerkskörpern ein Stoppelfeld in Brand gesetzt. Neun Hektaren Land verbrannten, ehe Verstärkung aus dem benachbarten Frankreich eintraf.
«Franzosen werden nicht immer zur Verfügung stehen»
Das Ereignis habe gezeigt, dass die Westschweiz auf grössere Vegetationsbrände ungenügend vorbereitet sei.

Frédéric Jaques, stellvertretender Kommandant des Genfer Feuerwehr- und Rettungsdienstes, sagt gegenüber der Zeitung: «Die Feuerwehr im französischen Département Var setzt für rund 20 Hektaren Brandfläche Hunderte Einsatzkräfte ein. Zu glauben, wir könnten das mit 20 Leuten, ohne Ausbildung und geeignete Ausrüstung bewältigen, ist illusorisch.»
Deshalb wollen die Kantone ihre Kräfte bündeln. «Weil die Franzosen, die selbst stark gefordert sind, nicht immer zur Verfügung stehen werden», begründet Jaques.
Schweizer werden in Frankreich ausgebildet
Ein Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung. Bereits 2025 und 2026 unterzeichneten die Kantone entsprechende Vereinbarungen mit zwei renommierten französischen Ausbildungszentren bei Aix-en-Provence.
Denn Waldbrände unterscheiden sich deutlich von Gebäudebränden: Wind, Trockenheit und Gelände verändern die Lage laufend.
Oft fehlt der Zugang über Strassen, Wasser muss über weite Strecken transportiert werden. Zudem können Brände im Boden weiterglimmen und erst Stunden oder Tage später wieder aufflammen.
Zusammenarbeit besteht auch in der Deutschschweiz
Auch in der Deutschschweiz setzen die Feuerwehren bereits auf eine enge Zusammenarbeit. Peter Frick, Leiter Feuerwehren des Kantons Bern, sagt zu Nau.ch, die Feuerwehren arbeiteten kantonsübergreifend eng zusammen.
«Wir unterstützen uns auch bei Einsätzen und mit Spezialgeräten. Das gehört eigentlich schon zum Tagesgeschäft», sagt Frick.

Zudem gebe es schweizweit einheitliche Ausbildungsunterlagen für Waldbrände. Im Kanton Bern arbeite man ausserdem eng mit dem Wallis zusammen – trotz unterschiedlicher Topografie und Waldtypen.
Kantone setzen auf Spezialfahrzeuge für Waldbrände
Zur neuen Westschweizer Strategie gehören auch spezielle Waldbrand-Tanklöschfahrzeuge. Diese können sich durch unwegsames Gelände bewegen und rund 3500 Liter Wasser transportieren. Etwa 500 Liter bleiben als Sicherheitsreserve für die Besatzung zurück.
Ein solches Fahrzeug kostet rund eine halbe Million Franken. Die Waadt besitzt bereits eines und hat drei weitere bestellt. Genf wartet auf sein erstes Fahrzeug, Neuenburg soll Anfang kommenden Jahres eines erhalten.
Der Kanton Jura würde sich dem Projekt laut «Le Matin» gerne anschliessen. Derzeit fehle dafür aber die Finanzierung.
«Bedingungen verändern sich rasch»
Für den Neuenburger Feuerwehrinspektor Maxime Franchi ist dennoch klar, dass sich die Schweiz auf häufigere Waldbrände einstellen muss.
«Man hört noch oft, wir seien nicht Frankreich. Das stimmt – aber die Bedingungen verändern sich rasch», sagt er.
Die entscheidende Frage sei, ob man erst handeln wolle, wenn die Schweiz mit denselben Situationen konfrontiert werde.
Bern hat zwölf Waldbrand-Hotspots definiert
Im Kanton Bern sieht man sich auf solche Szenarien bereits vorbereitet. «Wir sind recht gut sensibilisiert», sagt Frick zu Nau.ch.
Der Kanton habe zwölf Waldbrand-Hotspots definiert, für die vorsorglich Einsatzplanungen bestehen. Dazu zählen unter anderem der Jurasüdfuss, das Berner Oberland und das Emmental.
Zudem arbeiteten die Feuerwehren eng mit dem Amt für Wald zusammen und könnten im Ernstfall rasch auf Spezialisten zurückgreifen. Auch ein Konzept für den Einsatz von Helikoptern bei Waldbränden besteht bereits.















