Waldbrand: Touris beschreiben Flucht vor Feuer in Frankreich
Waldbrände in Frankreich & Spanien zwingen rund 375'000 Menschen zur Flucht. Touristen berichten dem «Guardian» von apokalyptischen Szenen und fallender Asche.
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 375'000 Menschen mussten wegen der Waldbrände fliehen.
- Allein in Frankreich wurden rund 260'000 Personen evakuiert.
- Touristen schildern «apokalyptische» Szenen und Ascheregen am Strand.
Die Feuer in Südeuropa reissen nicht ab: Besonders angespannt ist die Lage nach wie vor bei Bordeaux, wo die Feuerwehr gegen einen Grossbrand kämpft. Zusätzlich droht ab heute Dienstag eine neue Hitzewelle mit bis zu 40 Grad.
In Frankreich und Spanien mussten laut den jüngsten Berichten bereits rund 375'000 Menschen ihre Wohnungen und Ferienunterkünfte verlassen. Allein in Frankreich waren es fast 260'000 Betroffene, in Spanien rund 116'000.
Mehrere betroffene Touristen schilderten dem «Guardian» ihre Erlebnisse.
Patrick (77): «Eine geradezu ausserirdische Erfahrung»
Patrick (77) befand sich am Strand von Arcachon, als der Himmel plötzlich dunkler wurde und eine gewaltige schwarze Rauchwolke aufzog. «Es war der Beginn einer geradezu ausserirdischen Erfahrung», sagte er.
Weil sämtliche Züge wegen einer Störung ausfielen, blieb ihm und seiner Frau nur das Autostöpplen. Mit einem Stück Karton und der Aufschrift «Bordeaux SVP. Urgence!» kamen sie innerhalb weniger Minuten zu einer Mitfahrgelegenheit.

Erst als sie sicher in Bordeaux ankamen und die Nachrichten verfolgten, wurde ihnen das Ausmass bewusst. «Uns wurde klar, dass die beiden Personen, die uns mitgenommen hatten, in Gegenden lebten, wo Häuser abgebrannt waren und Zehntausende evakuiert wurden», so Patrick.
«Ich hoffe, es geht ihnen beiden gut.» Besonders bizarr sei gewesen, Menschen am Strand scheinbar unbeirrt weiterfeiern zu sehen, während sich in Sichtweite eine Katastrophe abspielte. «Ist es so, wie die Welt endet?», fragte er sich.
Alexandra: ««Es war seltsam schön, aber auch furchteinflössend...»
Auch Alexandra (44) brach ihre Ferien in Lacanau Océan ab, nachdem sich der Himmel verfärbt und Asche auf den Sanddünen niedergegangen war. «Es war seltsam eindringlich und schön, aber natürlich auch ziemlich furchteinflössend», beschrieb sie den Moment.
Sie und ihr Partner buchten eine Flug zurück nach Grossbritannien und checkten in ein Flughafenhotel bei Bordeaux ein, in der Annahme, sie hätten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

Doch das Feuer folgte ihnen ostwärts: Um 2.45 Uhr weckte sie ein Notfall-Alarm auf dem Handy, die Gegend um den Flughafen müsse evakuiert werden. Ein Taxi brachte die Gruppe zum Messegelände von Bordeaux, wo sie mit Hunderten weiteren Evakuierten den Sonnenaufgang abwartete.
«Es war wirklich beruhigend zu sehen, wie gut sich um die Leute gekümmert wurde», sagte Alexandra.
Jason: «Alles war dunkel...»
Jason (53) aus Cardiff campierte mit seiner Familie ebenfalls in Lacanau Océan. «Der Rauch wurde im Laufe des Vormittags immer dichter, bis er am Ende die Sonne verdeckte. Alles wurde dunkel», schilderte er.
Als später Asche vom Himmel fiel, sei für die Familie klar gewesen: Genug ist genug. Sie packten zusammen und reisten ab – wie fast der gesamte Campingplatz. Lacanau Océan sei danach wie leergefegt gewesen, obwohl um diese Jahreszeit sonst Hochbetrieb herrsche.
Jason, der seit über 20 Jahren in die Region reist, geht davon aus, dass dies sein letzter Besuch war. Auf der Fahrt Richtung Bordeaux und weiter nach Norden seien ihm Polizei, Feuerwehr und ein Löschflugzeug begegnet.
«Ich habe immer an den Klimawandel geglaubt, und das ist einfach eine Folge davon», sagte er. «Wir haben schon immer gewusst, dass es in dieser Region Waldbrände gibt, aber wir haben gemerkt, dass sie in den letzten Jahren definitiv an Zahl und Wucht zunehmen.»





















