Flyer missbraucht John Lennon für Neutralitätsinitiative

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Bern,

John Lennon schrieb einen Song, der zur Hymne der Friedensbewegung wurde. Nun taucht der Verstorbene als Sujet für die Neutralitätsinitiative auf.

John Lennon
John Lennon soll die Stimmbürgerinnen und -bürger zu einem Ja zur Neutralitätsinitiative überzeugen. - Reddit

Das Wichtigste in Kürze

  • «John Lennon würde sich im Grab umdrehen», schreibt ein User über den Friedensaktivisten.
  • Ein Verein nutzt den Song «Give peace a chance» als Slogan für die Neutralitätsinitiative.
  • Um Einverständnis gebeten hat der Verein Lennons Familie offenbar nicht.

Die Friedenstaube ist bereits von politischen Kreisen gekapert worden. Sie schwebt über dem Slogan «Kein Krieg» der Plakate, die für die Neutralitätsinitiative werben. Nun wird auch das Gesicht eines berühmten Sängers und Friedensaktivisten zum Sujet einer Kampagne für die Initiative.

Auf dem Flyer prangt das Foto von keinem Geringeren als: Musik-Legende John Lennon. «Give peace a chance!», fordert der Flyer.

Der Slogan orientiert sich am gleichnamigen Song von John Lennon. Dieser richtete sich gegen den Vietnamkrieg und wurde in den 70er-Jahren zur Hymne der Friedensbewegung.

Lennon und Ono nahmen den Song bei einem «Bed-In for Peace» mit Freunden in einem Hotelzimmer in Montreal auf. Dabei protestierte das Paar eine Woche lang im Bett gegen den Vietnamkrieg.

Empörte User

Ein User hat den Flyer in die Hände bekommen und regt sich auf der Plattform über das Sujet auf. Was dieser Mist solle, fragt er.

In den Kommentaren schliessen sich User der Empörung an.

Passt John Lennon zu den Forderungen der Neutralitätsinitiative?

«John Lennon würde sich im Grab umdrehen», schreibt ein User aus dem Kanton Glarus. Ein anderer User sieht darin «ein Paradebeispiel, wie Geschichte für eigene Zwecke missbraucht wird». Ein weiterer kritisiert die «irreführenden» Plakate im aktuellen Abstimmungskampf.

Verein hat Grosses vor

Die Gegner sehen in der Initiative ein Hintertürchen, um Kriegsverbrecher zu unterstützen. Demnach könnte die Schweiz keine Sanktionen gegen Aggressionsstaaten mehr verhängen. Der Schweizerische Friedensrat (SFR) warnte deshalb vor dem «verwirrenden und manipulativen» Sujet der Plakate mit den Friedenstauben.

Der verstorbene Friedensaktivist John Lennon würde die Neutralitätsinitiative wohl kaum unterstützen. Trotzdem denkt der Absender nicht daran, die Flyer-Aktion zu stoppen.

«Ziel ist, rund 200’000 Flyer zu verteilen, was wir allerdings noch nicht erreicht haben», sagt Christoph Pfluger. Er ist Vorstandsmitglied der «Bewegung für Neutralität».

Bild stamme von Wikipedia

Der Verein wurde 2025 gegründet, um lokale Gruppen und Aktivisten zu unterstützen. Diese wollen sich für «die Neutralität als Basis von Frieden, direkter Demokratie und eine Schweiz der guten Dienste einsetzen».

Die Frage, was John Lennon mit der Initiative am Hut hat, lässt Pfluger unbeantwortet. Um Einverständnis gebeten hat der Verein Lennons Familie offenbar nicht. Abgeklärt hat er lediglich die Bildrechte. «Das Bild von John Lennon stammt aus Wikipedia und ist public domain», antwortet Pfluger knapp.

Entsprechende Anfragen der Redaktion bei John Lennons Familie sind zurzeit noch hängig.

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