Battagliero: «Es ist Hitzesommer und du kannst nicht schwitzen»
Was für viele nur unangenehm ist, kann für Menschen mit Behinderungen gefährlich werden. Eine Kolumne von Giovanna Battagliero.

Jetzt kommt die auch noch mit dem Hitzesommer?! Ja, aber wie gewohnt aus einer etwas anderen Perspektive. Wie wohl die meisten von Ihnen, habe ich in den letzten Wochen sehr viel geschwitzt. Schwitzen ist unsere körpereigene, lebenswichtige Klimaanlage, die unsere Körpertemperatur reguliert.
Jetzt stellen Sie sich vor, Sie könnten gar nicht schwitzen. So geht es Kindern und Erwachsenen mit gewissen körperlichen Behinderungen oder bestimmten Krankheiten. Weil sie nicht schwitzen können, können sie sich an heissen Tagen praktisch nicht mehr abkühlen.
Was für uns einfach nur unangenehm ist, kann für sie gefährlich werden: Schon alltägliche Tätigkeiten können zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Und eine Überhitzung zu erkennen, fällt ihnen viel schwerer, weil das vermehrte Schwitzen als typisches Warnsignal des Körpers fehlt.
Menschen, die nicht schwitzen und sich deshalb nicht abkühlen können, brauchen an Hitzetagen noch mehr Unterstützung als wir: viel Flüssigkeit, passende Kleidung und Kühltücher. Allenfalls auch angepasste Unterrichts- oder Arbeitszeiten.

Vor allem aber brauchen sie kühle Räume und Orte in ihrem privaten Zuhause oder in Heimen und Institutionen, in Schulen, an Arbeitsplätzen und für die Teilnahme am öffentlichen Leben.
Bei Hitzemassnahmen muss deshalb auch die Zugänglichkeit für alle gewährleistet werden. Denn was nützt ein kühler, gut belüfteter Raum, wenn man ihn nicht erreichen oder nutzen kann? Kühle Räume und öffentliche Gebäude sowie schattige Plätze müssen daher hindernis- und barrierefrei sein.
Zur Autorin
Giovanna Battagliero (*1975) ist Direktorin der Stiftung Schulungs- und Wohnheime Rossfeld.








