Kalb-Anteil in Kalbsbratwürsten schwankt stark
Wer für Fleisch mehr zahlt, kriegt nicht zwingend mehr. Eine Untersuchung des Konsumentenschutzes lässt aufhorchen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Konsumentenschutz prüfte 85 Produkte und fand grosse Unterschiede beim Fleischanteil.
- Am wenigsten Kalbsfleisch enthält eine Lidl-Kalbsbratwurst mit 29 Prozent, die Migros-Wurst hat mit 62 Prozent am meisten.
- Kleingedruckte und teils unverständliche Angaben erschweren den Produktvergleich.
Der Schweizer Konsumentenschutz hat in einer Untersuchung 85 Lebensmittel verglichen, die Fleisch oder Fisch enthalten.
Die Resultate machen klar: Gerade bei Kalbsbratwürsten schwankt der tatsächliche Kalbsfleischanteil enorm – nämlich von nur 29 Prozent bis 62 Prozent.
Des Weiteren teilt der Konsumentenschutz in einer Medienmitteilung vom Mittwoch mit: «Wer mehr bezahlt, bekommt nicht automatisch mehr Fleisch. Zudem ist die Deklaration teilweise schwer verständlich und die Fleischherkunft nicht überall zu finden.»
Hoher Preis heisst nicht mehr Fleisch
Im Rahmen der Untersuchung wurden 14 unterschiedliche Kalbsbratwürste genauer angeschaut. Elf davon enthielten neben Kalbsfleisch auch Schweinefleisch.
Den niedrigsten Kalbsfleischgehalt weist die Qualité-Suisse-Wurst von Lidl mit 29 Prozent auf. Zehn weitere Würste bewegen sich zwischen 36 und 41 Prozent. Spitzenreiter ist die Kalbsbratwurst der Migros mit 62 Prozent.
Die Naturaplan Kalbscipollata ist die teuerste der 14 Exemplare, enthält aber nur 36 Prozent Kalbsfleisch. «Ein höherer Preis ist kein Indikator für einen höheren Fleischanteil», schreibt der Konsumentenschutz.

Bei 22 untersuchten Chicken Nuggets unterscheidet sich der Anteil zwischen 46 bis 67 Prozent. Neun Bolognese-Saucen variieren von 16 bis 35 Prozent.
Bei den untersuchten Tortellini variiert der Fleischanteil um 16,7 Prozentpunkte, bei den Fischstäbchen um bis zu 9 Prozentpunkten. Geringer fällt der Unterschied bei Pizzen aus – bis zu 5,5 Prozent sind es da.
Für Konsumentinnen und Konsumenten sind diese Tatsachen nicht offensichtlich. Die Mengenangaben seien «nur kleingedruckt auf der Verpackungsrückseite erkennbar – und dort teilweise unverständlich ausgewiesen».
Kritik am Lebensmittelgesetz
Immerhin sieht es in Sachen Herkunft einigermassen gut aus. Diese lasse sich bei Kalbswürsten, Fischstäbchen und Chicken-Nuggets «problemlos finden».
Der Konsumentenschutz schreibt aber auch: «Bei Bolognese-Saucen wird es schwieriger, bei Pizzen und Tortellini suchen Konsument:innen diese Information meist vergebens.»
Geschäftsleiterin Sara Stalder findet deshalb: «Hier zeigt sich deutlich, dass das heutige Lebensmittelgesetz mit seinen komplizierten Bestimmungen zur Herkunftsangabe nicht taugt.»
Stalder fordert auch, dass die Zutaten «klar verständlich» aufgelistet sind. Fleischanteile werden gemäss Mitteilung oftmals so angegeben, dass sie grösser erscheinen.












