Geheimdienst prüft: Haben Bots Krawalle in Italien angeheizt?
Inhalte könnten online künstlich sichtbarer gemacht worden sein, um mehr Junge zu mobilisieren. Wer dahinterstecken könnte, ist allerdings völlig offen.

Das Wichtigste in Kürze
- Italiens Geheimdienste prüfen eine mögliche Online-Verstärkung von Protestaufrufen.
- Im Fokus stehen Bots, Algorithmen und die gezielte Verbreitung von Inhalten.
- Verteidigungsminister Crosetto spricht von möglicher «hybrider Kriegsführung».
Italienische Geheimdienste untersuchen, ob Aufrufe zu Demonstrationen in Mailand, Turin und Bologna online gezielt künstlich verstärkt wurden. Das berichten die Tageszeitungen «La Repubblica» und «Il Giornale d’Italia».
Verteidigungsminister Guido Crosetto spricht in diesem Zusammenhang sogar von «hybrider Kriegsführung».
Bislang gebe es jedoch keine Hinweise auf eine nachgewiesene Steuerung durch Staaten, Organisationen oder bestimmte Gruppen.
Geheimdienste prüfen Bots und Algorithmen
Im Zentrum der Untersuchungen stehen Bots, Algorithmen und digitale Verbreitungswege.
Bots sind automatisierte Programme, die beispielsweise Beiträge in sozialen Netzwerken verbreiten oder kommentieren können. Sie können täuschend wie echte User wirken.
Algorithmen wiederum bestimmen unter anderem, welche Inhalte Nutzer auf Plattformen wie Instagram oder Tiktok bevorzugt angezeigt bekommen. Schaut ein Nutzer beispielsweise ein, zwei Katzenvideos und teilt sie mit Freunden, registriert die Plattform: Dieser Nutzer mag Katzenvideos.
Die Konsequenz ist logisch: Jetzt spielt der Algorithmus dem Nutzer mehr Katzenvideos ein, damit er möglichst viel Zeit auf der Seite verbringt. Genauso funktioniert es auch mit politischen Inhalten.
Geklärt werden soll nun, wie die Aufrufe die Nutzer erreichten und ob bestehende Unzufriedenheiten gezielt verstärkt wurden, um zu mobilisieren.
Ein Zusammenhang zwischen einer möglichen koordinierten Online-Aktivität und den Gewalttaten bei den Protesten ist bisher nicht belegt.
Die Behörden behandeln die Verbreitung der Aufrufe und die Verantwortung für die Ausschreitungen als getrennte Fragen.
Spezialisten untersuchen mögliche Einflussnahme
Spezialisten für Algorithmen, Bots, digitale Informationsströme und hybride Bedrohungen prüfen nun, ob Inhalte gezielt an besonders empfängliche Nutzer ausgespielt oder künstlich sichtbarer gemacht wurden.
Noch ist aber weder klar, wer hinter einer solchen möglichen Aktivität stehen könnte, noch wie gross ihr Einfluss tatsächlich war.
Crosettos Begriff der «hybriden Kriegsführung» beschreibt damit vorerst eine mögliche sicherheitspolitische Einordnung. Ein koordinierter Einfluss auf die Proteste ist bislang nicht nachgewiesen.
In Mailand wurden bei gewaltsamen Ausschreitungen am Samstagabend 24 Personen verletzt und mehr als 50 Jugendliche festgenommen. Vier Polizisten und 20 Demonstranten mussten medizinisch behandelt werden.
Ähnlich wie bei den heftigen Krawallen in Frankreich wurden auch in Italien Scheiben eingeschlagen und Geschäfte geplündert.


















