Terror

Experte: Winti-Terror nützt 10-Millionen-Initiative

Nach der Messerattacke in Winterthur: Wird der Vorfall zur Steilvorlage für die SVP im Abstimmungskampf um die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»?

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Ist der Vorfall in Winterthur eine Steilvorlage für die SVP? - Facebook / keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach der Messerattacke in Winterthur mit drei Verletzten steht die Schweiz unter Schock.
  • Spielt der Vorfall der SVP mit ihrer Initiative zur 10-Millionen-Schweiz in die Karten?
  • Ein Politologe ordnet ein, ob der Vorfall Auswirkungen auf die Abstimmungen haben könnte.

Ein schweizerisch-türkischer Doppelbürger (31) stach am Donnerstagmorgen beim Bahnhof in Winterthur auf drei Personen ein. Zwei wurden mittelschwer verletzt, eine schwer.

Ein Augenzeuge schilderte gegenüber Nau.ch: «Ich stieg aus dem Zug aus und habe gehört, wie einer ‹Allahu Akbar› geschrien hat.» Das Motiv ist weiterhin unklar.

Der Täter wurde festgenommen, die Verletzten ins Spital gebracht. Zürcher Regierungsrat Mario Fehr spricht derweil von einem Terror-Akt.

Die Frage, die sofort aufs Tapet kommt: Spielt der Vorfall der SVP im Abstimmungskampf zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» in die Karten?

Die Initiative, über die am 14. Juni abgestimmt wird, will die ständige Wohnbevölkerung bis 2050 auf maximal zehn Millionen begrenzen. Ab 9,5 Millionen müssten Bundesrat und Parlament Massnahmen ergreifen.

«Verschieben Aufmerksamkeit»

Politologe Claude Longchamp sagt gegenüber Nau.ch: «Solche mutmasslichen Terrorakte verschieben die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit sofort hin zu Themen wie Islamismus, Radikalisierung und innere Sicherheit.»

Damit würden auch Vorwürfe von staatlichem Kontroll- oder Integrationsversagen schnell wieder laut.

Entscheidend sei aber die Dynamik der nächsten Tage: «Wie die Sonntagspresse darauf reagiert, die entstanden Welle aufnimmt und verstärkt. Oder ob eine neues Thema, das gleich oder mehr triggert, lanciert wird.»

Profitiert die SVP mit ihrer Initiative vom Messerangriff in Winterthur?

Der Zeitpunkt ist politisch heikel: «Das zweitletzte Wochenende vor dem Abstimmungssonntag ist das sensibelste für neue Themen im Abstimmungskampf.»

Und die SVP kann vom Vorfall profitieren: «Weil es ihre Narrative wie ‹unkontrollierte Zuwanderung› oder ‹Integrationsversagen› bedient.»

«Für Mobilisierung von Vorteil»

Longchamp sieht dennoch begrenzte Wirkung: «Die Meinungsbildung ist schon sehr weit fortgeschritten. Da erwarte ich keine Auswirkungen, aber für die Mobilisierung des Ja-Potentials ist es von Vorteil.»

Emotion spiele dabei eine grosse Rolle: Angst könne Menschen eher zum Handeln bewegen: «Das ist aber nur zu erwarten, wenn die Emotionalisierung über das kommende Wochenende anhält und von der SVP bewirtschaftet wird.»

Dass die SVP weiter Öl ins Feuer giesse, sei bereits sichtbar. Offen sei jedoch, wie lange die Wirkung anhalte.

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Eine Frau hat den Moment gefilmt, als der Täter in Winterthur davonrannte. - Facebook / Yvonne Kussmann

Denn auch die Gegenseite reagiert, was schlecht ist für die SVP: «Bisher haben die Initiativ-Gegner durchwegs Betroffenheit und Ablehnung der Tat gezeigt.»

Meinung bereits gebildet?

Während die Emotionalisierung zwar hoch sei, sei die Meinungsbildung bereits weitgehend abgeschlossen, gibt der Politologe zu bedenken: «Es gibt noch wenige, die von einer Strategischen Stimmabgabe überzeugt werden könnten.»

Allenfalls könne das im bürgerlichen Lager noch minimale Verschiebungen auslösen – bei Mitte und Links hingegen kaum.

Kommentare

User #443 (nicht angemeldet)

Dass Täter sich selbst etwas antun, ist äusserst selten und passiert praktisch nie. Also was soll das immer mit dieser "Eigengefährdung"?? Hier muss einmal gründlich über die Bücher gegangen werden; so kann es nicht weitergehen!

User #443 (nicht angemeldet)

Auch das kann man immer wieder feststellen. Solange der Täter nicht sich, sondern "nur" für andere ein Klumpenrisiko ist, ist alles halb so schlimm. Mit anderen Worten heisst, das Leben des Täters wird höher und wertvoller eingestuft als dasjenige der Opfer; die spielen quasi keine Rolle. Oder warum wird die Einstufung der Psychiatrie "für sich selbst" keine Gefährdung immer so überbetont????

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