Experte rät: «Schreibt eure Bewerbung mit KI»
Bewerbungen mit KI kommen bei Firmen zum Teil besser an. Wer ohne KI schreibt, kann dadurch sogar benachteiligt sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Künstliche Intelligenz kommt in Bewerbungen vermehrt zum Einsatz.
- Laut einem KI-Experten kann man so bessere Ergebnisse erzielen.
- Eine Studie sieht sogar einen systematischen Vorteil für KI-Bewerbungen.
- Immer mehr Schweizer Firmen nutzen KI im Rekrutierungsprozess.
Die Künstliche Intelligenz bevorzugt KI-Texte. Entsprechend werden Personen, die keine KI für ihre Bewerbung benutzen, diskriminiert.
Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Universitäten Maryland, Singapur und Ohio. In dieser wurden KI-generierte Bewerbungsschreiben mit menschlichen Bewerbungsschreiben verglichen.
Die Studie legt nahe, dass der Einsatz von KI im Rekrutierungsprozess zu systematischen Verzerrungen führen kann: Bewerbende, die KI für ihre Unterlagen verwenden, kommen so eher in die engere Auswahl für eine Stelle.
«Wahrscheinlich kommt es darauf an, welches Tool der Recruiter benutzt», sagt KI-Experte Mike Schwede zu Nau.ch. Dass Bewerbende ohne KI diskriminiert würden, kann er so nicht bestätigen.
KI tunt Bewerbung auf Stellenanzeige
Für ihn ist aber dennoch klar: «Wer KI geschickt für seine Bewerbungen verwendet, hat Vorteile, da sie dadurch besser daherkommen.»
Schwede führte selbst Tests mit dem KI-Tool Claude durch. Das Ergebnis: «Die mit KI erstellten Unterlagen waren deutlich besser.»

Grund dafür: «Die KI kann den Lebenslauf und das Anschreiben passend zur Stellenanzeige tunen. Somit werden die Dinge hervorgehoben, die für die spezifische Stelle relevant sind.»
Sein Rat lautet daher: «Ich empfehle allen Bewerberinnen und Bewerbern, KI für ihre Bewerbung zu benutzen.»
Wichtig sei, die KI aber auf seinen persönlichen Stil zu trainieren und vor dem Abschicken alles sorgfältig zu korrigieren.
Und: «Gerade in einem Bürojob muss man heutzutage fit in KI sein.»
Im Vorstellungsgespräch hilft KI nicht mehr
Der Kaufmännische Verband rät jugendlichen Bewerberinnen und Bewerbern, die Unterlagen immer von einer erwachsenen Vertrauensperson gegenlesen zu lassen. «Ganz unabhängig davon, ob sie mit Hilfe von KI erstellt wurden.»
Denn: «Eine gute Bewerbung ist authentisch, verständlich geschrieben und vermittelt echtes Interesse an der ausgeschriebenen Lehrstelle.»
Und die Raiffeisen-Bank relativiert: «Im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs werden hingegen die Persönlichkeit sowie die Passung der bewerbenden Person zur Unternehmenskultur wichtiger. KI-generierte Bewerbungsunterlagen bieten keinen Vorteil mehr.»
Dazu komme: «Wenn ein Unternehmen stärker darauf achtet, ob es sich um eine persönlich erstellte Bewerbung handelt, kann eine offensichtlich mit Hilfe von KI generierte Bewerbung sogar nachteilig bewertet werden.»
KI-Tools erhöhen Effizienz bei Personalsuche
In der Schweiz kommt KI im Recruiting erst vereinzelt zum Einsatz.
«KI-Tools werden in den Institutionen bereits eingesetzt», bestätigt Monika Weder, Leiterin Bildung bei Artiset, gegenüber Nau.ch. Das ist der Dachverband für Dienstleister, die Menschen mit Unterstützungsbedarf betreuen, pflegen und begleiten.
Zahlen dazu lägen zwar keine vor.
«Wir beobachten jedoch ein grosses Interesse: Unsere Webinare zur praktischen Anwendung von KI im HR-Alltag sind gut besucht. Diese Resonanz lässt den Rückschluss zu, dass KI-Tools in der HR-Praxis unserer Mitgliedsinstitutionen genutzt werden», sagt sie.
Der KI-Einsatz im Personalwesen biete Chancen hinsichtlich Effizienz und Prozessoptimierung. «KI ist ein wertvolles Hilfsmittel, um HR-Verantwortliche dabei zu unterstützen, die passenden Mitarbeitenden zu finden», so Weder.
Doch: «Damit die Vorteile zum Tragen kommen, müssen KI-basierte Prozesse sehr sorgfältig implementiert werden.»
Einerseits müsste die spezifische betriebliche Situation berücksichtigt werden, andererseits auch der Datenschutz, die rechtliche Situation sowie ethische Grundsätze.
«Die Nutzung sollte stets zielgerichtet erfolgen und darf niemals auf Kosten der Datensicherheit gehen.»
Insofern seien eine sorgfältige Prüfung der Tools und die Erstellung klarer interner Richtlinien «eine unverzichtbare Investition».
«Eine KI ist kein Allrounder», sagt Weder. «Sie liefert nur dann die gewünschten Ergebnisse, wenn sie für die spezifischen Prozessschritte und Anforderungen fundiert trainiert wurde.»
«KI kann Menschen niemals ersetzen»
«Wird diese Sorgfalt gewahrt, entstehen aus Sicht von Artiset keine Nachteile für Bewerbende oder HR-Zuständige.»
Trotz der Vorteile betont Weder: «In einem ‹People-Business› wie dem Personalwesen kann KI den Menschen unterstützen, aber niemals ersetzen.»
Der Mensch müsse daher aktiv in den Ablauf der KI eingebunden sein und diesen überprüfen und korrigieren. «Der menschliche Faktor und die finale Entscheidungskompetenz bleiben im Rekrutierungsprozess unverzichtbar», so Weder.
Auch der Arbeitgeberverband der Banken hat keine konkreten Zahlen.
Sprecher David Frey meint aber gegenüber Nau.ch: «Da die Bankbranche aber eine technisch affine Branche ist, gehen wir davon aus, dass die eine oder andere Bank auch im Rekrutierungsprozess KI-Instrumente einsetzt.»
Inwiefern sich der KI-Einsatz auf den Rekrutierungsprozess auswirkt, kann Er nicht beurteilen.
Bund sucht mit KI-Plattformen gezielt nach Kandidaten
Klar sei aber, dass beim Gegenüber KI schon längst Standard ist. «Wir gehen davon aus, dass auch viele Bewerberinnen und Bewerber ihre Bewerbungen heute schon mit Unterstützung von KI verfassen.»
In der Bundesverwaltung sind KI-Tools im Rekrutierungsprozess hingegen noch kein Thema. Einzig bei der gezielten Kandidatensuche nutzt die Verwaltung Plattformen wie LinkedIn oder Xing, die auf KI basieren.

Doch künftig könnte auch beim Bund KI verstärkt zum Einsatz kommen.
Anand Jagtap, Sprecher des Eidgenössischen Personalamts EPA, kündigt gegenüber Nau.ch an: «Die Bundesverwaltung analysiert technologische Entwicklungen und prüft mögliche zukünftige Einsatzbereiche von KI im Rekrutierungsprozess.»
Vorteile sieht das EPA in der Zeitersparnis bei der Vorauswahl von Bewerbungen und der Unterstützung bei der Analyse grosser Datenmengen.
Unternehmen sollten KI-Einsatz transparent machen
Allerdings könne der Einsatz von KI Entscheidungsprozesse intransparent machen. Neben dem Risiko von Verzerrungen in den Algorithmen stellten sich zudem Fragen hinsichtlich des Datenschutzes und der Ethik.
Für den KI-Experten Mike Schwede ist daher klar: «Wenn Unternehmen KI im Bewerbungsprozess einsetzen, sollten sie das auch transparent machen.»
Die EU-KI-Verordnung stuft den Einsatz von KI im Personalwesen als Hochrisiko-Anwendung ein. Damit gehen verschärfte Anforderungen einher, insbesondere in den Bereichen Risikomanagement, Dokumentation und Transparenz.
In der Schweiz gibt es aktuell keine spezifische Gesetzgebung zur KI.












