Das EDA informiert über die aktuelle Situation in Afghanistan. 11 von 35 Schweizern konnten bisher Afghanistan verlassen.
Pressekonferenz des EDA zur aktuellen Situation in Afghanistan.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweiz versucht lokale Mitarbeitende des EDA aus Afghanistan zu evakuieren.
  • Das Detachement der Schweizer Armee wird aufgestockt.
  • Das EDA informiert über die Lage vor Ort.

Die Taliban haben die Kontrolle über Afghanistan übernommen. Viele Länder versuchen ihre Staatsangehörigen und Helfer aus dem Land zu evakuieren. Auch die Schweiz versucht Bürger und lokale Mitarbeitende für die Schweiz aus dem Land zu bringen.

Das EDA sei «sehr besorgt» über die Lage in Afghanistan, und die Schweiz sei sich bewusst, dass Afghanistan die internationale Gemeinschaft brauche und die Erwartungen vieler Kreise hoch seien, sagte Johannes Matyassy, stellvertretender Staatssekretär im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Freitag vor den Medien in Bern.

Johannes Matyassy
Johannes Matyassy, Stellvertretender Staatssekretär des EDA. - Keystone

Aber es gebe Realitäten, an denen man nicht vorbeikomme, so Matyassy weiter.

Kurzfristig sei die Schweiz bereit, im Bereich humanitäre Hilfe mehr zu tun und die Uno und das IKRK finanziell zusätzlich zu unterstützen. Die Lage bleibe volatil und schwer vorhersehbar, so Matyassy. Die Schweiz warte und kläre ab, ob und wo im friedenspolitischen Bereich Bedürfnisse bestehen.

Lenz: Immer mehr Schweizer, die sich in Kabul melden

Laut Hans-Peter Lenz, Chef des Krisenmanagement-Zentrums im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), verläuft die Evakuierung von Schweizerinnen und Schweizern aus Afghanistan schwierig. «Es wird nicht einfacher», sagte Lenz am Freitagabend vor den Medien in Bern. Der Zutritt zum Flughafengelände sei weiterhin schwierig bis sehr schwierig.

Dazu komme, dass die Schweiz von den US-Verantwortlichen vor Ort in den nächsten Tagen «kaum Priorität erhalten» wird für die Evakuierung, sagte Lenz.

Es gebe immer mehr Schweizer, die ihren Aufenthalt in Kabul melden. Von diesen mittlerweile 35 bekannten Personen hätten 11 Afghanistan bereits verlassen können, sagte Lenz. Insgesamt hätten bisher 19 Personen mit einer Schweizer Aufenthaltsbewilligung ausreisen können.

Hans-Peter Lenz
Hans-Peter Lenz - Keystone

Darunter seien auch acht Personen mit Schweizer Aufenthaltsbewilligung. Eine Person sei über den Landweg nach Pakistan gelangt, alle anderen seien über den Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgereist. Von den 233 Mitarbeitern des Schweizer Büros und ihren Kernfamilien hat laut Lenz «leider noch niemand ausreisen können».

EDA schickt Charterflug nach Taschkent

Am Samstag wird ein Flugzeug der Swiss in die usbekische Hauptstadt Taschkent fliegen, um dort Menschen abzuholen, die zuvor aus der Kabul evakuiert wurden. Das Flugzeug wird Schweizer Staatsangehörige und Personen aus verschiedenen Ländern von Afghanistan nach Europa bringen.

«Wir wissen aber nicht und können nicht vorhersehen, ob auf diesem Flug dann tatsächlich auch Schweizer sind.» Entscheidend sei, ob diese den Flughafen in Kabul betreten können.

Das EDA unterstützt mit diesem Flug die Luftbrücke der internationalen Partnerstaaten, die die Ausreise aus Afghanistan möglich macht. Aussenminister Ignazio Cassis erreichte am Donnerstag in einem Telefongespräch mit seinem usbekischen Amtskollegen Abdulaziz Kamilov, dass verschiedene logistische Probleme für den Charterflug beseitigt wurden.

In diesem Charterflug werden rund 1,3 Millionen Masken zum Schutz vor Covid-19 nach Taschkent gebracht und Usbekistan geschenkt.

Detachement der Schweizer Armee wird aufgestockt

Die Schweizer Armee ist zudem derzeit mit einem Detachement von Schweizer Elitesoldaten vor Ort. Dieses Detachement werde ab um sechs weitere Personen ergänzt.

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