E-Bike-Akkus fackeln immer öfter ab
Feuerwehren müssen zunehmend wegen Akkubränden von E-Velos und E-Trottis ausrücken. Doch wie gross das Problem wirklich ist, weiss niemand genau.

Das Wichtigste in Kürze
- Brände mit Lithium-Ionen-Akkus nehmen auch in der Schweiz spürbar zu.
- Genaue Zahlen fehlen jedoch, weil Akkubrände nicht landesweit erfasst werden.
- Besonders riskant ist das Laden beschädigter Akkus oder falscher Ladegeräte.
In Grossbritannien schlagen Versicherer und Feuerwehren Alarm: Brände mit Lithium-Ionen-Akkus haben dort in den letzten Jahren stark zugenommen.
Wie der Versicherer QBE kürzlich mitteilte, rücken Feuerwehren inzwischen im Schnitt alle fünf Stunden wegen eines solchen Brandes aus. Besonders häufig betroffen sind E-Bikes, Elektrofahrzeuge und E-Scooter.
Auch in der Schweiz kommt es immer wieder zu Vorfällen. Erst Mitte Juni brannte im Berner Wankdorf-Quartier ein Container mit Akkus und Ladestationen für E-Bikes. Über dem Quartier war eine grosse Rauchwolke zu sehen.
Wie gross ist das Problem also hierzulande?
Polizeien erfassen Akkubrände nicht systematisch
Genau weiss man das nicht. Die Kantonspolizeien Zürich und Bern führen keine entsprechenden Statistiken, wie sie auf Anfrage mitteilen.
Der Grund liege auch in der Brandermittlung, erklärt Sprecher Kenneth Jones von der Kapo Zürich: «Nicht in allen Fällen, in denen ein Akku am Brandherd aufgefunden wird, kann auch abschliessend gesagt werden, dass dieser ursächlich für den Brand war.»
Dennoch beobachten beide Polizeien eine Zunahme. In Bern hätten sich solche Brände besonders im Bereich der Mobilität gehäuft, sagt Kapo-Sprecher Philipp Gasser. Also etwa bei E-Velos oder E-Trottinets.
Akkubrände bleiben schweizweit unscharf
Was in den Kantonen nicht erfasst wird, bleibt auf Bundesebene erst recht unscharf. Die Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) schreibt im Namen der kantonalen Gebäudeversicherungen: «In der Schweiz wird die Anzahl der durch Akkus verursachten Brände nicht landesweit erfasst.»
Dabei sind Lithium-Ionen-Akkus längst überall. Sie stecken in E-Bikes, E-Scootern, Smartphones, Zahnbürsten, Bohrmaschinen, Laptops oder Powerbanks. Mit ihrer Verbreitung steige auch die Zahl der Akkubrände, hält die BFB gegenüber Nau.ch fest.
In der Schweizer Schadenstatistik werden solche Fälle nicht separat ausgewiesen, sondern der Kategorie «Elektrizität» zugerechnet. Sie ist mit 26,9 Prozent die zweithäufigste Ursache für Brandfälle (nach Blitzeinschlägen).
Eine Untersuchung in Deutschland ergab, dass 2024 rund ein Fünftel der Brände in dieser Gruppe in Verbindung mit Lithium-Ionen-Akkus standen. «Die Situation ist vermutlich vergleichbar mit der Schweiz», sagt BFB-Sprecherin Andrea Morgenthaler-Hassler.
Beim Laden ist das Risiko am grössten
Das grösste Sicherheitsrisiko sehen die Fachstellen beim Laden. Schutz & Rettung Zürich erfasst die Brandursache bei Einsätzen zwar nicht. Sprecher Severin Lutz hält jedoch fest: «Gemäss Erfahrung unserer Einsatzkräfte sind technische Defekte während der Ladung des Akkus in Wohnungen, Garagen oder Kellern am häufigsten.»
Problematisch sind laut Schutz & Rettung Zürich beschädigte Akkus, falsche oder fehlerhafte Ladegeräte, falsche Lagerung oder unsachgemässe Entsorgung. Lutz sagt: «Alles, was sich ausserhalb der Vorgaben des Herstellers befindet, kann das Risiko eines Akkubrands erhöhen.»
Die BFB rät deshalb: Immer das Original-Ladegerät verwenden und Akkus nicht über Nacht oder bei Abwesenheit laden. Zudem sollten sie nicht in Fluchtwegen wie Fluren oder vor Wohnungstüren platziert werden. Beschädigte, verformte oder aufgeblähte Akkus soll man nicht mehr verwenden.
Hitze kann Akkus beschädigen
Und welchen Einfluss haben Hitzewellen mit Temperaturen von bis zu 36 Grad, wie sie die Schweiz gerade erlebt hat? Lutz von Schutz & Rettung sagt: «Bei heissen Temperaturen ist im Vergleich zu kühleren Tagen keine merkliche Steigerung von Bränden auszumachen.»
Auch die Kantonspolizei Bern sieht aktuell keine Hinweise auf eine Häufung von Akku-Bränden wegen der Witterung.
Ganz ohne Bedeutung ist Hitze aber nicht. Schutz & Rettung Zürich hält fest: Werden die Temperaturvorgaben des Herstellers überschritten, könne ein Akku beschädigt werden und das Brandrisiko steigen.
Die BFB empfiehlt deshalb: Akkus vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und sie nur bei einer Umgebungstemperatur zwischen 10 und 30 Grad laden.















