Die Schweiz bloss als Caterer für die Grossmächte?
Die Schweiz stellt den Bürgenstock für den USA-Iran-Deal zur Verfügung, steht aber im Hintergrund. Laut einem Experten sind diese «Caterer»-Dienste wichtig.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz dient als Caterer für die Unterzeichnung des Deals zwischen dem Iran und den USA.
- Experten finden, diese Dienste seien nicht zu unterschätzen und könnten noch wichtiger werden.
- Sie fordern, dass dafür mehr finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden sollen.
Am Freitag blickt die Welt nach Nidwalden: Im Bürgenstock-Resort soll das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran formell unterzeichnet werden. Womöglich reist auch der US-Präsident Donald Trump an.
Als Folge davon kommt es rund um den Bürgenstock zu Einschränkungen. Zahlreiche Polizisten und bis zu 2000 Soldaten sind im Einsatz. Doch die Schweiz selbst steht höchstens im Hintergrund. Das Scheinwerferlicht ist auf die Konfliktparteien USA und Iran sowie die Vermittler Pakistan und Katar gerichtet.
Das Aussendepartement EDA teilte mit, die vier Länder hätten den Bürgenstock vorgeschlagen. Die Schweiz «fazilitiert» die Gespräche. Man schaffe die diplomatischen Voraussetzungen, dass dieses Treffen in der Schweiz stattfinden könne. Doch ist die Schweiz wirklich mehr als bloss der Caterer, der den Grossmächten alles bereitstellt und Essen serviert?
Laurent Goetschel von der Friedensstiftung Swiss Peace sagt gegenüber SRF, man dürfe diese Rolle bei Verhandlungen nicht unterschätzen. Denn die Schweiz gewährleiste Sicherheit, sorge für die Einhaltung von Protokollen und Abläufen. «Das sind alles sehr wertvolle und wichtige Leistungen, die die Schweiz erbringen kann.»

Diese guten Dienste der Schweiz könnten in Zukunft noch stärker nachgefragt werden, sagt Thomas Greminger vom Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik. Die Welt sei polarisiert, die Rivalität unter den Grossmächten wachse, das Vertrauen in multilaterale Institutionen sinke. Und genau hier könnten bilaterale Anbieter in die Bresche springen.
Für solche Aufgaben wünscht sich Greminger mehr finanzielle Ressourcen. Goetschel weist darauf hin, dass auch andere Staaten diese Aufgaben übernehmen wollten. Dazu zählen China, die Türkei oder die aktuellen Vermittler Pakistan und Katar.
Keller-Sutter: Schweiz geeignete Gastgeberin
Bundesrätin Karin Keller-Sutter sieht die Schweiz als geeignete Gastgeberin für die Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran. Da die Schweiz nicht machtpolitisch agiere und keine versteckte Agenda habe, sei sie für solche Gelegenheiten geeignet.
«Dass die Schweiz Austragungsort sein kann, ist sicherlich nicht schlecht», sagte Keller-Sutter im Rundschau-Talk von SRF am Mittwoch. Die Schweiz habe seit vielen Jahren ein Schutzmachtmandat. Das bedeutet, dass der Informationsaustausch zwischen den USA und dem Iran über die Schweiz läuft. Möglicherweise sei es in Zukunft möglich, weiterhin eine Rolle zu spielen und sich einzubringen.
Hotelgäste werden rausgeworfen
Greminger bezeichnet den Bürgenstock als logische Wahl für das Treffen. Denn das Resort gehört dem Staatsfonds des Vermittlers Katar.
Hinzu kommen Sicherheitsüberlegungen: Die Standseilbahn wird den Betrieb einstellen, wodurch bloss noch eine Strasse auf den Berg führt. Das erleichtert die Zugangskontrollen.
Zudem erhält laut Tamedia jede Seite ihren eigenen Sektor im Resort. Dadurch laufen sich Amerikaner und Iraner nicht zufälligerweise über den Weg.
Dafür wurde auch das gesamte Hotel geräumt. Gäste wurden per Mail darüber informiert, dass alle Reservierungen annulliert worden seien, berichtet Tamedia.

















