Böögg

Der Böögg brennt – Zürich läutet den Frühling ein

Keystone-SDA Regional
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Zürich,

Am Montag ist es wieder so weit: Zürich verbrennt den Böögg. Das Frühlingsfest rund um den brennenden Schneemann ist weit mehr als nur ein Wetterorakel.

Der Böögg auf dem Scheiterhaufen. Am Montag geht es ihm wieder an den Kragen. (Archivbild)
Der Böögg auf dem Scheiterhaufen. Am Montag geht es ihm wieder an den Kragen. (Archivbild) - KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER

Das Sechseläuten

Das Sechseläuten, also das abendliche Läuten der zweitgrössten Glocke des Grossmünsters nach der Tagundnachtgleiche Ende März, ist laut der Zentralbibliothek Zürich seit 1525 aktenkundig. Die Feierabendglocke liess alle wissen, dass der Arbeitstag wieder später endete und den Beginn der längeren Arbeitszeit im Sommer markierte. Daraus entstand das sogenannte «Sächsilüüte». Parallel dazu existierten Frühlingsbräuche, bei denen Bööggen symbolisch verbrannt wurden. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden diese Traditionen zunehmend zusammengeführt.

Der Böögg

Der Böögg ist laut Duden ein «schweizerdeutscher Begriff für eine Schreckgestalt, einen Kobold oder eine vermummte Person, oft im Kontext der Fasnacht». In Zürich ist er vor als Sechseläuten-Figur bekannt und verkörpert einen Schneemann. Mit seiner Verbrennung auf einem 10 Meter hohen Scheiterhaufen soll der Winter vertrieben und der Frühling begrüsst werden. Am längsten brannte der Böögg 2023, nämlich 57 Minuten. 1968 und 1971 explodierte er nach genau fünf Minuten. Anschliessend werden auf den glühenden Überresten des Holzstosses Würste gebraten.

Das Wetterorakel

In Zürich wird der Böögg traditionell als Wetterorakel für den Sommer betrachtet. Er wird pünktlich um 18 Uhr angezündet: Je schneller sein Kopf explodiert, desto schöner soll der Sommer werden. Eine Untersuchung von MeteoSchweiz zeigte jedoch kaum einen Zusammenhang zwischen Brenndauer und Sommertemperatur. Als Sommer-Orakel tauge der Böögg daher nicht. Zwar gab es einzelne Treffer, etwa im Hitzesommer 2003 mit einer Brenndauer von 5 Minuten und 40 Sekunden. Insgesamt liegt er aber meist daneben. Entscheidend sind vielmehr Aufbau des Scheiterhaufens, Trockenheit des Holzes und Wetterbedingungen.

Die Zünfte

Laut Bundesamt für Kultur ist das Sechseläuten der grösste und bekannteste Schweizer Zunftanlass. Vor dem Böögg-Verbrennen steht ab 15 Uhr der Umzug der historisch kostümierten Zünfte durch die Innenstadt im Zentrum. Insgesamt nehmen 26 Zünfte mit rund 3500 Zünftern teil, wobei die Reihenfolge des Umzugs strikt geregelt ist. 2011 durfte erstmals die Frauenzunft «Gesellschaft zu Fraumünster» am Zug mitmarschieren. 2025 nahm die erste Zürcher Zunft Frauen als Mitglieder auf.

Die Pferde

Am Umzug der Zünfte durch die Innenstadt mit dem anschliessenden Ritt um den brennenden Böögg auf dem Sechseläutenplatz nehmen jedes Jahr mehrere hundert Pferde teil. Tierschützer kritisieren das Sechseläuten als zu stressig. Eine Untersuchung der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich kam aber zum Schluss, dass der Anlass für die Tiere nicht belastender ist als eine Spring- oder Dressurprüfung. 2015 war ein Pferd am Anlass zusammengebrochen und gestorben, die Obduktion ergab jedoch eine Herzrhythmusstörung als Todesursache des 24 Jahre alten Pferdes.

Die Prominenten

Am Umzug des Sechseläuten nehmen auch dieses Jahr rund 120 Ehrengäste teil, Gastkanton ist Graubünden. Mit dabei sind laut offizieller Liste unter anderem Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (SP) sowie mehrere Regierungs-, Stände- und Nationalräte. Ebenfalls vertreten sind der Chef der Armee, Benedikt Roos, und SBB-Chef Vincent Ducrot. Aus Kultur und Sport nehmen zudem Persönlichkeiten wie Beatrice Egli, Moderator Nik Hartmann oder Langlauf-Olympiasieger Dario Cologna teil.

Die Zwischenfälle

1921 wurde der Böögg am frühen Nachmittag von einem Knaben frühzeitig angezündet. Der Knabe war durch eine Gruppe von Radfahrern angestiftet worden, die fast ausschliesslich aus Mitgliedern der Kommunistischen Partei bestanden. 1923 brannte der Böögg wegen strömenden Regens hingegen gar nicht.

1944 wurde der Böögg im Hafen Enge verbrannt und fiel dabei ins Wasser, nur sein Kopf konnte geborgen werden. 1965 mussten die Zünfter auf Holzpferden um den Böögg «reiten», weil die Maul- und Klauenseuche in der Schweiz wütete und die Pferde in den Ställen bleiben mussten. 2006 wurde der Schneemann von Linksaktivisten gestohlen. Seitdem steht ein Ersatz-Böögg bereit. 2021 wurde der Böögg im Corona-Exil in der Urner Schöllenenschlucht verbrannt. 2023 konnte der Holzstoss wegen heftiger Böen gar nicht erst angezündet werden. Der Böögg wurde daraufhin im Exil verbrannt. Der Gastkanton Appenzell Ausserrhoden holte den Anlass in Heiden nach.

Kommentare

User #5407 (nicht angemeldet)

Brennt wo ??? Wenn schon am Montag ab 18:00 Uhr !

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