Mehr Cyber-Betrug: Jetzt zweifeln Schweizer schon an echten SMS

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Bern,

Cyber-Betrug nimmt in der Schweiz massiv zu. Nun werden manche so wachsam, dass sie selbst echte Nachrichten für Phishing halten.

SMS
Wer ein verdächtiges SMS erhält, sollte vorsichtig sein. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Anzeigen wegen Cyber-Betrug in der Schweiz steigen stark an.
  • Jetzt stehen sogar schon echte SMS unter Betrugsverdacht.
  • Bei einem Berner Studenten ist die Verwirrung perfekt.

Wer die Website des Päcklizustellers DPD besucht, dem sticht sofort der folgende Warnhinweis ins Auge: «Achtung: Betrugsversuche per SMS, WhatsApp und E-Mail im Umlauf!»

Entsprechend vorsichtig ist deshalb der Berner Student Marco Peter* (26), als er ein SMS vom Absender «DPD CH» erhält. Ein Paket würde am nächsten Werktag zugestellt, heisst es darin.

Sofort läuten bei ihm die Alarmglocken. Denn: Bestellt hat er nichts.

Tags darauf ploppen gleich zwei weitere SMS auf seinem Display auf. Das Paket werde zwischen 14.12 und 15.12 Uhr zugestellt.

Und dann pünktlich um 14.45 Uhr das Update, dass das Paket nun zugestellt worden ist.

DPD warnt vor Betrugsmaschen

Nur: Zu Hause angekommen, liegt kein Päckli vor der Türe.

Er recherchiert im Internet und findet eine Warnung von DPD zu fiesen Betrugsmaschen. Doch darin heisst es auch, wie man echte Nachrichten des Paketdienstes erkenne.

Ein Hinweis für echte Nachrichten: Der Link zum Tracking lautet «dpdgetyourparcel.ch».

DPD
DPD warnt auf seiner Website vor Betrugsversuchen. - Screenshot dpd.ch

Also klickt Peter darauf. Doch dann die Meldung: «Die Website ist nicht erreichbar.»

Die Verwirrung ist perfekt. «Handelt es sich dabei nun um ein echtes SMS oder doch um einen Betrugsversuch?», fragt er sich.

Falsche Telefonnummer führt zu DPD-SMS

Nau.ch fragt bei DPD nach. Und dort bestätigt man, dass es sich dabei tatsächlich um eine DPD-Sendung handelt. Die Empfängerdaten, einschliesslich der Telefonnummer, seien vom Versender so übermittelt worden.

Heisst also: Der Absender hat sich vertippt. Und so hat Marco Peter das DPD-SMS versehentlich erhalten.

Offenbar ein Einzelfall: «Nach aktuellem Kenntnisstand sind uns zudem keine weiteren vergleichbaren Fälle bekannt», sagt DPD-Sprecher Hannes Domröse.

Und: Dass die Website nicht mehr erreichbar ist, hat auch nicht mit einem Hackerangriff zu tun. «Dass der Tracking-Link aktuell nicht mehr erreichbar ist, steht im Zusammenhang mit einer internen Systemumstellung», so Domröse.

Immer mehr Anzeigen wegen Cyber-Betrug

Cyber-Betrug nimmt in der Schweiz massiv zu. Laut dem Bundesamt für Statistik wurden 2024 über 48'000 Anzeigen wegen Cyber-Betrug und Phishing eingereicht.

2020 waren es noch rund 17'000 Anzeigen.

Die Grenzen zwischen Betrugs- und echten SMS verschwimmen zunehmend: Phishing-Nachrichten wirken immer authentischer, sodass selbst legitime SMS inzwischen infrage gestellt werden. Insbesondere dann, wenn sie versehentlich versendet werden.

Fabian Ilg
Fabian Ilg, der Geschäftsführer der Schweizerischen Kriminalprävention, mahnt bei SMS zu Vorsicht. - skpps.ch

Fabian Ilg, Geschäftsleiter der Schweizerischen Kriminalprävention, bestätigt gegenüber Nau.ch: «Zunehmende Professionalität, macht es für die Empfänger schwieriger, den Phishing-Angriff oder den Betrug zu erkennen.»

«Erschwerend kommt hinzu, dass wenn wirklich ein Paket erwartet wird, leichter in die Falle getappt wird», sagt er.

Die Vorsicht macht sich bemerkbar: Ilg bestätigt, dass so auch eine echte Nachricht im Zweifelsfall gelöscht wird und einen zusätzlichen Aufwand generieren kann.

Cyber-Vorfälle sollten dem Bund gemeldet werden

«Wichtig ist, E-Mails oder Kurznachrichten immer kritisch auf die Echtheit des Absenders zu prüfen. Im Zweifelsfall besser keinen Link anklicken», rät er.

Hast du schon einmal ein betrügerisches SMS erhalten?

Wer bereits persönliche Daten oder Kreditkarten eingegeben hat, sollte dies nach Feststellen dem Kreditkartenunternehmen melden. Bei finanziellem Verlust rät Ilg zudem zu einer Anzeige bei der Polizei.

Und: Damit Cyber-Vorfälle in der Schweiz erfasst werden können, sollten Betroffene diese dem Bundesamt für Cybersicherheit melden.

* Name von der Redaktion geändert.

Kommentare

User #1690 (nicht angemeldet)

Naive Schäfchen sind da schnell überfordert

User #3140 (nicht angemeldet)

Stellt doch die Ware wie früher einfach per Post zu ohne die ganzen Betrugspremiummaschen. Wer nicht zu Hause ist, bekommt einen Abholschein und gut ists.

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