Am Donnerstag werden die Quartalsergebnisse von Credit Suisse erwartet. Diese könnten die Folgen der zwei Grosspannen im Frühling aufzeigen.
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Die Credit Suisse. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Credit Suisse veröffentlicht am kommenden Donnerstag ihre Zahlen zum zweiten Quartal.
  • Im Geschäft könnten die beiden Grosspannen vom Frühling Spuren hinterlassen haben.
  • Dabei handelt es sich um den US-Hedgefonds Archegos und die Greensill-Fonds.

Zuletzt war es etwas ruhiger um die Credit Suisse geworden. Nun rückt die skandalgeplagte Grossbank am Donnerstag mit ihren Zahlen zum zweiten Quartal wieder in den Fokus. Die Ergebnisse werden Aufschluss darüber geben, welche Spuren die beiden Grosspannen vom Frühling im Geschäft hinterlassen haben. Und zwar um den US-Hedgefonds Archegos und die Greensill-Fonds.

Immerhin wird die CS wohl wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Dies, nachdem sie im ersten Quartal wegen dem Archegos-Grossabschreiber in die roten Zahlen gefallen war. Wie weitere Konkurrenten profitierte die zweitgrösste Schweizer Bank zuletzt wohl auch von den weiterhin günstigen Bedingungen an den Finanzmärkten.

Zusammenbruch von US-Hedgefonds Archegos

Der Zusammenbruch des US-Hedgefonds Archegos vom März wird das Ergebnis des zweiten Quartals noch einmal mit 600 Millionen Franken belasten. Das hatte die Bankführung bereits im April angekündigt. Im ersten Quartal hatte das Hedgefonds-Debakel die Grossbank gar rund 4,4 Milliarden Franken gekostet. Insgesamt erwarten Aktienanalysten einen Gewinn im zweiten Quartal deutlich unter dem Vorjahreswert.

Aufschluss werden die Quartalszahlen auch darüber geben, wie stark die Negativschlagzeilen auf den Neugeldzuflüssen zur CS gelastet haben. Im Zentrum des Interesses steht dabei die Asset Management-Sparte selbst, die nach dem Greensill-Debakel als separate Division ausgegliedert wurde.

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Das Hauptquartier der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. - Keystone

Die Grossbank dürfte aber auch im laufenden und in den kommenden Quartalen unter den Grosspannen leiden. So hatte die CS-Führung bereits im Frühling nach dem Archegos-Zusammenbruch eine Ankündigung gemacht. Und zwar, dass sie die Risiken in der Investment Bank zurückfahren werde. Im Fokus stand dabei vor allem das Prime Brokerage, also das Geschäft mit den Hedgefonds.

Dieses Bremsmanöver dürfte auch auf der Arbeitsmoral der Mitarbeitenden der Investment Bank lasten. Darauf deuten zumindest die anhaltenden Berichte über Abgänge von Mitarbeitenden hin. So hat die US-Nachrichtenagentur Bloomberg mindestens 30 Abgänge aus leitenden Positionen in der US-Investment Bank gezählt. Diese wechselten zum überwiegenden Teil zu US-Konkurrenzinstituten.

«Lieferketten-Finanzierungsfonds» als zweite Baustelle

Bei der zweiten «Baustelle» der CS, den «Lieferketten-Finanzierungsfonds», dauert derweil die Liquidierung des Fonds an. Dieser hatte die CS mit der inzwischen insolventen Greensill Capital erstellt. Laut dem jüngsten Zwischenbericht hat die Credit Suisse von den Fondsvermögen von ursprünglich 10 Milliarden Dollar bisher 6,1 Milliarden zurückerhalten. Wobei sie den Anlegern davon 5,6 Milliarden Dollar ausbezahlte.

Ob die CS am Donnerstag weitere Informationen in diesem Zusammenhang liefern wird, muss sich allerdings zeigen. Gemäss den jüngsten Dokumenten der CS scheinen Forderungen in der Höhe von rund 2,3 Milliarden fraglich zu sein. Rund die Hälfte dieser Forderungen betreffen das Stahlkonglomerat GFG des Industriellen Sanjeev Gupta.

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Ein Schild mit dem Firmennamen «Greensill Bank» hängt am Eingang der Bremer Privatbank. Die Credit Suisse hatte bei der Versicherung der Greensill Fonds gespart. - dpa

Unklar bleibt weiterhin, welche direkten finanziellen Folgen der Greensill-Kollaps für die CS haben wird. Zwar deutet nichts darauf hin, dass die CS die Fondsanleger entschädigen möchte. Allerdings haben bereits mehrere Anwaltskanzleien Prozesse angekündigt: Sollten sich diese konkretisieren, wird die Grossbank nicht um die Bildung von Prozessrückstellungen herumkommen.

Mit Spannung aufgenommen werden dürften am Donnerstag auch allfällige Hinweise zum strategischen Umbau der Grossbank. Der im April angetretene neue Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório hat den Aktionären zu seinem Amtsantritt einen Wandel «auf allen Ebenen» versprochen: Vor der Bank lägen noch «schwierige Zeiten und harte Entscheidungen», sagte er damals.

Allerdings will sich der neue CS-Präsident mit dem Umbau offensichtlich Zeit lassen. Erste Entscheide wolle man erst gegen Ende des Jahres fällen, sagte er kürzlich gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung».

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