Crans-Montana: Alain Berset half Staatsrat Mathias Reynard
Nach dem Inferno von Crans-Montana nahm Mathias Reynard psychologische Hilfe in Anspruch – seine grösste Stütze in dieser Zeit war Alain Berset.

Das Wichtigste in Kürze
- Mathias Reynard nahm nach der Brandkatastrophe psychologische Hilfe in Anspruch.
- Alt Bundesrat Alain Berset war bereits am 2. Januar bei Reynard zu Hause.
- Bis heute stehen der Alt Bundesrat und der Walliser Staatsrat wöchentlich in Kontakt.
Wochen nach dem Brand-Drama von Crans-Montana VS zieht der oberste Walliser Politiker Bilanz – und die fällt hart aus. Im Podcast von Radio Rottu Oberwallis legt Mathias Reynard offen, wie nahe ihn die Katastrophe an den Rand gebracht hat. Als Regierungspräsident war er von Stunde null an gefordert: Familien der Opfer, Spitäler, Medien – alles lief bei ihm zusammen.
Eine Stütze tauchte früh auf, die kaum jemand auf dem Schirm hatte: Alt Bundesrat Alain Berset. Reynard schwieg darüber lange – auf Wunsch des Freiburgers selbst. Jetzt durchbricht er das Schweigen.
«Berset hat mich in den ersten Stunden kontaktiert. Bereits am 2. Januar war er bei mir zu Hause, um mich zu unterstützen», sagt der SP-Mann über seinen Parteikollegen. Berset wusste aus seiner Bundesratszeit während der Pandemie, was es heisst, eine Krise zu führen.
Geblieben ist daraus mehr als kollegialer Beistand. «Bersets Rat und sein Beistand waren enorm wichtig für mich», so Reynard. Telefoniert werde bis heute jede Woche. Im Freiburger habe er einen Freund gefunden, der ihn politisch wie privat trage.
Schlaflose Nächte nach Le Constellation
Eingebrannt hat sich vor allem ein Moment: Der Gang in die Bar Le Constellation kurz nach dem Brand. So etwas wolle er nie wieder erleben müssen, so Reynard. «Die Bilder kamen immer wieder hoch.» Mehrere Wochen lang fand er nachts kaum Ruhe.
Reynard zog die Konsequenzen und holte sich professionelle Unterstützung. Drei Termine bei einem Psychologen halfen ihm, Boden unter die Füsse zu kriegen. «Das war absolut notwendig, um in dieser Zeit als Staatsrat bestehen zu können», sagt er.

Was auch hilft: Über Mittag schnürte er regelmässig die Wanderschuhe. Frische Luft und Bewegung wurden zum Ventil, Stress abzubauen und den Kopf wieder klar zu bekommen.
«Ein solches Drama kann überall passieren»
Doch Crans-Montana war nicht die einzige Belastungsprobe für Reynard. Ende Mai 2025 kam es zum Bergsturz in Blatten VS – die Feuertragödie war also die zweite grosse Krise binnen kurzer Zeit. «Ich bin erschöpft – es war eine sehr schwierige Zeit», räumt der SP-Politiker ein.
Mit der Berichterstattung ging Reynard derweil pragmatisch um: «Unschöne Artikel» über seine Person liess er ungelesen. Dass es Kritik gab – an ihm persönlich wie am Kanton –, sei ihm bewusst. «Natürlich gibt es bei uns Probleme», sagt der SP-Mann. Genau deshalb habe er sich für die Politik entschieden.

Mit dem Vorwurf, im Wallis sei alles falsch gelaufen und anderswo wäre so etwas undenkbar, mag er sich derweil aber nicht abfinden: «Ein solches Drama kann überall passieren.»
















