Opferanwalt bezeichnet Befragung der Morettis als «fruchtbar»

Keystone-SDA
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Crans-Montana,

Im Fall des Brandes in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS sind die Betreiber erstmals gemeinsam befragt worden.

Jessica und Jacques Moretti
Jacques und Jessica Moretti im Februar. - keystone

Gegen Mithinhaberin Jessica Moretti wurde am Freitag eine neue Anklage wegen Urkundenfälschung erhoben. Ihr Anwalt bezeichnete den Vorwurf als «Nicht-Ereignis».

Die gemeinsame Befragung des Ehepaars Jacques und Jessica Moretti fand am Freitag in Sitten statt. Die Einvernahme durch die Walliser Staatsanwaltschaft dauerte von etwa 08.30 Uhr bis kurz vor 19 Uhr. Es war das erste Mal, dass die Miteigentümer der Bar gemeinsam befragt wurden.

Im Verlauf der Anhörung erhoben die Staatsanwältinnen einen neuen Vorwurf gegen Jessica Moretti. Sie wird neu auch der Urkundenfälschung beschuldigt. Die Anklage steht im Zusammenhang mit einer Rechnung aus dem Jahr 2015. Dabei geht es um den Kauf von Schaumstoffen während der damaligen Umbauarbeiten des Lokals.

Nicola Meier, einer der beiden Anwälte von Jessica Moretti, bezeichnete die neue Anschuldigung als «Nicht-Ereignis». Es handle sich um eine Problematik bezüglich einer Rechnung und deren Verbuchung vor über zehn Jahren, erklärte er nach der Anhörung den vor dem Gebäude wartenden Journalistinnen und Journalisten. Dies habe «strikt keinen Zusammenhang mit der Tragödie von Crans-Montana», sagte er. Seine Kollegin Yaël Hayat betonte, das Ehepaar habe alle Fragen beantwortet.

An der Befragung nahmen Dutzende Anwälte von Zivilparteien teil, die einige Fragen stellen konnten. Im Vorfeld äusserten einige von ihnen die Sorge vor möglichen Absprachen. Fünf Monate seien seit der Brandkatastrophe vergangen und das Ehepaar lebe im selben Haushalt. Man müsse realistisch sein, dass sie ihre Aussagen hätten vorbereiten können, sagte der Waadtländer Anwalt Didier Elsig den Medien vor den Anhörungen am Freitag.

Die Reaktionen nach der Anhörung fielen gemischt aus. Der Walliser Opfer-Anwalt Sébastien Fanti sprach von einem «fruchtbaren» Austausch. Dieser Meinung schlossen sich nicht alle seine Kollegen an. «Man hat den Eindruck, dass die Staatsanwaltschaft ihr Netz spinnt. Aber ein Netz hat man noch nie schnell gewoben», erklärte der Anwalt Pierre-François Vuillemin.

Der Anwalt Christophe de Galembert kritisierte, die Wahrheit komme in der Untersuchung nur langsam voran, was an den Widersprüchen der Morettis liege. Die Ermittlungen würden schneller vorankommen, wenn sie aktiv kooperieren würden. Mehrere Anwälte betonten den grossen Bedarf der Familien und Angehörigen der Opfer nach «Wahrheit» und «Antworten».

Bei ihren verschiedenen Äusserungen gegenüber den Medien sprachen mehrere Anwälte von dem dringenden Bedürfnis der Familien und Angehörigen der Opfer nach «Wahrheit». Die Mutter eines bei dem Brand ums Leben gekommenen Jugendlichen, die bei der heutigen Anhörung anwesend war, ergriff sichtlich bewegt das Wort:

«Heute bin ich für ihn hier, aber auch für seinen Bruder, weil er mit den Folgen dieses Dramas lebt. Jeden Tag leben wir mit diesen Konsequenzen – als Eltern, Bruder, Schwester, Grosseltern, Tante.» Sie fügte hinzu, dass alle Antworten bräuchten.

Vor Ort wurden die Sicherheitsmassnahmen deutlich verstärkt. Absperrungen und Sichtschutzbanner der Walliser Kantonspolizei schirmten den Zugang zum Anhörungsraum ab. Vor Beginn der Sitzung waren mehr als ein Dutzend Polizistinnen und Polizisten rund um das Gebäude im Einsatz. Zudem verfolgten zahlreiche Medienvertreter mit Kameras das Geschehen.

Die Betreiber des «Le Constellation» wurden seit Beginn der Ermittlungen bereits jeweils zweimal von den Staatsanwältinnen befragt. Jacques Moretti hätte im April ein drittes Mal angehört werden sollen, die Befragung wurde jedoch aus gesundheitlichen Gründen verschoben.

Erstmals wurden beide am 9. Januar als Beschuldigte einvernommen. Anschliessend wurde Jacques Moretti in Untersuchungshaft genommen und am 23. Januar gegen Kaution wieder freigelassen. Weitere Befragungen fanden am 11. und 12. Februar statt.

Diese Anhörungen sorgten für erhebliche Spannungen: Angehörige von Opfern stellten das Ehepaar bei dessen Ankunft auf dem Campus Energypolis zur Rede, umringten und bedrängten es. Nach diesem Vorfall kündigte die Kantonspolizei eine Verschärfung ihres Sicherheitsdispositivs an.

Die Morettis müssen sich – wie alle insgesamt 14 Beschuldigten in dem Verfahren – wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandverursachung verantworten. Die Tragödie in der Neujahrsnacht forderte 41 Todesopfer und 115 Verletzte.

Bereits am Mittwoch wurde ein ehemaliger Gemeinderat von Chermignon, der zwischen 2013 und 2016 für das Bauwesen zuständig war, von der Staatsanwaltschaft befragt. Eine weitere Anhörungsrunde ist für Juli vorgesehen – einen genauen Zeitplan haben die Staatsanwältinnen bislang noch nicht bekannt gegeben.

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Kommentare

User #5438 (nicht angemeldet)

Fruchtbar oder Furchtbar.

User #6364 (nicht angemeldet)

41x Lebenslang mit Sicherheitsverwahrung wegen besonderer Heimtücke und Vorsatz.

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