Nach der Corona-Demo in Olten stellt sich die Frage, ob die Gruppierungen extremer werden. Die Gefahr bestehe, warnt Politgeograf Michael Hermann.
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Bei der Demonstration gegen die Corona-Massnahmen in Olten wird ein Mann durch eine Flasche verletzt. - Twitter/Drone-Air-Media.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Corona-Demo in Olten SO wurde eine Person durch eine Flasche verletzt.
  • Mit steigenden Fallzahlen schwinde das Verständnis für Corona-Demonstrationen.
  • Die in die Enge gedrängte Gruppe könnte sich um so mehr Gehör verschaffen.

Bei einer Demonstration gegen die Corona-Massnahmen in Olten SO wird am Samstag eine Person durch einen Demonstranten mit einer Flasche am Kopf verletzt. Auf der anderen Seite soll es zu Provokationen durch Gegen-Demonstranten gekommen sein.

Gleichen Tags wird die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) bei einem Impf-Anlass mit einer Apfelschorle übergossen.

Rickli Impfgegner Gossau
Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli an einem Anlass zur Covid-Impfung in Gossau ZH. Im Hintergrund sind Demonstrierende zu sehen, die eine Impfung ablehnen. Später wurde ein Demonstrant geg - Keystone

Die Zwischenfälle zeigen: Es scheint eine zunehmende Gewaltbereitschaft durch Impfskeptiker und Massnahmen-Gegner zu geben. Droht die Stimmung in der Schweiz gehässiger zu werden?

Politgeograf Michael Hermann beobachtet eine Polarisierung. «Das ganze Impfthema lässt niemanden kalt und der Druck auf Nichtgeimpfte nimmt zu. Das steigert auch das Aggressivitätspotenzial», warnt er.

Skeptiker radikalisieren sich – und die Gegenbewegung?

Insbesondere bei den Corona-Skeptikern gäbe es die Tendenz, sich zu radikalisieren. Je mehr sich die Gruppe in die Enge gedrängt fühle, umso mehr steige das Potenzial, sich Gehör zu verschaffen. «Es ist darum gut möglich, dass die ganze Bewegung nochmals an Aggressivität zulegen wird», so Hermann.

Corona-Demonstranten ziehen durch Olten. - Nau.ch

Doch damit sind die Corona-Skeptiker nicht allein. Denn: Auch die Gegen-Demonstranten, die regelmässig auf die Strasse gehen, könnten einen schärferen Ton einschlagen.

Denn: Das Unverständnis über die Corona-Skeptiker wachse auf dieser Seite, gibt Hermann zu bedenken. Insbesondere mit den aktuell steigenden Fallzahlen und dem wachsenden Druck auf die Spitäler.

Umso legitimier scheine es dieser grösstenteils linksautonomen Gruppe, die Corona-Skeptiker anzufeinden. Hermann: «Beides kann zu einer explosiven Mischung führen.»

Was halten Sie von den Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen?

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Michael Herrmann forscht mit seinem Team von Sotomo zur Stimmung in Bezug auf das Coronavirus. - Keystone

Kommendes Wochenende stehen weitere Corona-Demos an. In Bellinzona TI, Brig VS und Chur GR wollen Skeptiker auf die Strasse gehen. Der Anlass in Chur wird offenbar auch in rechtsextremen Gruppen beworben.

Rechte Gruppierungen könnten die Bewegung für ihre Sache missbrauchen oder gar «kapern», so Hermann. Solche Mitläufer seien Profiteure der Corona-Skeptiker-Bewegung. Sie würden aber das Potenzial für eine Radikalisierung der Gruppierung zusätzlich steigern.

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Teilnehmer der grossen Kundgebung gegen Corona-Massnahmen in Liestal BL im März. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

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