FDP-Nationalrätin Christa Markwalder liebäugelt damit, die Impfung gegen das Coronavirus kostenpflichtig zu machen. Eine Expertin hält nichts von der Idee.
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Im Kanton Waadt ist ein Grossteil der Bevölkerung gegen das Coronavirus immunisiert. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat will die Ungeimpften weiterhin von der Corona-Spritze überzeugen.
  • Christa Markwalder (FDP) bringt nun eine neue Idee ins Spiel, um den Anreiz zu erhöhen.
  • Sie schlägt eine kostenpflichtige Impfung vor – und stösst damit auf Kritik.

Die Impfzahlen in der Schweiz stagnieren – und das bei einer vergleichsweise tiefen Impfquote von 61,5 Prozent. Mit Kampagnen, Zertifikat und dem Stopp der Gratis-Tests will der Bundesrat zur Spritze gegen das Coronavirus motivieren.

Nun kommt ein neuer Ansatz aus der FDP: Die Berner Nationalrätin Christa Markwalder liebäugelt mit der Idee, die Impfung künftig kostenpflichtig zu gestalten.

Auf «TeleZüri» erinnerte sie «an den Effekt», den man schon nach der Ankündigung zum Ende der Gratis-Tests gesehen habe. «Plötzlich gab es wieder einen Schub von Impfwilligen, die keine Lust hatten die ganze ‹Testerei› selbst zu bezahlen.»

Sonntalk Coronavirus
FDP-Nationalrätin Christa Markwalder übte im «SonnTalk» auf «Tele Züri» Kritik an der aktuellen Impf-Offensive des Bundes.
Sonntalk
In der Sendung brachte sie die Idee ins Spiel, Impfungen bald nur noch kostenpflichtig anzubieten. Hier neben Markwalder im Bild: SVP-Nationalrat Alfred Heer, Moderator Patrik Müller und SP-Nationalrat Jon Pult.
Coronavirus - Impfung
Markwalder erhofft sich dadurch einen ähnlichen Effekt wie damals, als das Ende der Gratis-Tests angekündigt wurde.
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Soziologin Katja Rost von der Universität Zürich hält nicht viel von dem Vorschlag.
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Eine Demo gegen die Corona-Massnahmen in Bern. Die Soziologin Rost erinnert daran, dass unter Impfgegnern bereits heute eine grosse Abwehrreaktion gebe. «Diese wird durch weiteren Zwang nich

Man müsse halt auch mit «dem ökonomischen Gewissen von Leuten» umgehen und solche Fragen diskutieren, so Markwalder. «Wir können nicht einfach alles auf dem Silbertablett servieren, denn offensichtlich ist, was nichts kostet, nichts wert.»

Ansturm auf Impfung gegen Coronavirus «wird es nicht geben»

Könnte ein Ende der Gratis-Impfung gegen das Coronavirus tatsächlich zu einer höheren Nachfrage führen? Das bezweifelt eine Expertin. «Einen Ansturm wird es sicherlich nicht geben», so Wirtschaftssoziologin Katja Rost von der Universität Zürich auf Anfrage von Nau.ch.

Unter den verbleibenden 30-40 Prozent der Bevölkerung, die sich gegen Impfungen und Co. wehren, gebe es bereits heute eine starke Abwehrreaktion. «Diese wird durch weiteren Zwang nicht vermindert, sondern erhöht», erklärt die Expertin. «Man macht es nur noch schlimmer und heizt das gespaltene Klima weiter auf.»

Coronavirus
Impf- und Massnahmengegner an einer Demo Ende September in Bern. Eine Expertin warnt davor, die gespaltene Stimmung um das Coronavirus weiter anzuheizen. - Keystone

«Die Leute ziehen sich einfach aus dem sozialen Leben zurück. Daran ändert auch ein Preisschild nichts.» Es gehe diesen Menschen nicht um den Marktwert des Produktes Impfung. Im Zentrum stünden vielmehr ureigene Ängste oder der Wille, sich nicht unterwerfen zu lassen.

Was halten Sie davon, eine Deadline für Gratis-Impfungen zu setzen?

Die Wissenschaftlerin empfiehlt, eher intrinsische Anreize zu setzen – also die Menschen davon zu überzeugen, aus eigenem Antrieb zu handeln. «So könnte man beispielsweise den Impfgegnern eine stärkere Bürgerbeteiligung mit Berücksichtigung ihrer Sichtweisen anbieten, ohne diese vorzuverurteilen.» Also Partizipation und Mitspracherechte anstelle von Geld- oder anderen Strafen.

Auf eine entsprechende Anfrage von Nau.ch antwortet das BAG lediglich, der Entscheid, die Impfung kostenlos anzubieten, gelte weiterhin.

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