Coronavirus

    Coronavirus: Darum wird in Zürich gegen die Massnahmen demonstriert

    Chiara Schlenz
    Chiara Schlenz

    Zürich,

    Warum demonstriert man gegen das Coronavirus und die daraus erfolgten Massnahmen? Ein Verschwörungsexperte erklärt die Beweggründe der Corona-Rebellen.

    Coronavirus Leugner
    Ein Mann hält das Modell eines Coronavirus mit einem Plakat mit der Aufschrift «Stoppt den Corona-Wahnsinn!» bei einer Kundgebung von Gegner der Corona-Schutzmassnahmen. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Am 29. August wird in Zürich erneut gegen Corona-Massnahmen demonstriert.
    • Ein Verschwörungsexperte erklärt, warum man den Corona-Gegnern zuhören soll.
    • Das Totschweigen der Corona-Rebellen bringe mehr Schaden als Nutzen.

    Am nächsten Wochenende wird in Zürich demonstriert. Nein, nicht «Black Lives Matter», nicht der «Marsch fürs Läbe», sondern die Corona-Rebellen rufen zum Aufstand auf. Unter anderem soll gegen die Maskenpflicht, den «Impfzwang» und das Notrecht im Zusammenhang mit dem Coronavirus demonstriert werden.

    Doch warum gehen Menschen teilweise gegen diese Massnahmen auf die Strasse? Wie der Kommunikations- und Verschwörungstheorieexperte Marko Kovic erklärt, fragen sich Verschwörungstheoretiker und Corona-Rebellen hauptsächlich, «wo das Ganze hinführt». Die Unsicherheit in der Bevölkerung rund um das Coronavirus sei gross.

    Coronavirus beflügelt Verschwörungstheorien

    Die Auffassung, dass die Verschwörer mehrheitlich rechte Zeitgenossen seien, sei falsch. «Es ist grundsätzlich wichtig, dass wir uns aktiv und laut gegen Faschismus engagieren. Aber die Corona-Protestierenden sind nicht automatisch alle Faschisten oder rechtsextrem.»

    Die genauen Gründe für Demonstrationen dieser Art bleiben Aussenstehenden meist ein Rätsel. Kovic vermutet: «Diese Leute gehen auf die Strasse, um ihrem Unbehagen Luft zu machen. Sie suchen psychologisch gesehen Antworten auf ihre Fragen.»

    Marko Kovic coronavirus
    Marko Kovic ist Soziologe und Experte für Verschwörungstheorien. - zvg

    «Die Impf-Skepsis beispielsweise ist schon alt, im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist diese latente Angst aber explodiert. Neu sind die Anhänger dieser Bewegung nicht, sie werden einfach lauter.» Dieser Aufschwung kann und sollte auch Grund zur Sorge sein.

    Obwohl das Gedankengut der Demonstrierenden bedenklich sei, dürfe man Demonstrationen dieser Art nicht unterbinden. «Solange es im legalen Bereich bleibt, dürfen Leute jeden Quatsch glauben. Wenn man solche Demos verbietet, kann es schnell zu einer Art Märtyrertum kommen.»

    Auf Falschinformationen rund um Coronavirus aufmerksam machen

    Kovic weiss, mit dem harten Kern einer solchen Bewegung zu diskutieren, ist beinahe unmöglich. Doch darum gehe es eigentlich gar nicht. «Es geht, insbesondere bei öffentlichen Diskussionen, darum, Beisteher und Mitläufer dazu anzuregen, kritischer zu denken.»

    Coronavirus Berlin
    Grossdemo gegen Corona-Massnahmen in Berlin. - AFP/Archiv

    Und auch wenn es nahe liege: «Solche Bewegungen totzuschweigen bringt wenig bis gar nichts. Das sieht man momentan sehr gut.» Denn so absurd wie manche Theorien auch klingen mögen, für manche sei dies ein fundamentaler Teil ihrer Existenz.

    coronavirus
    Gegner des Coronavirus demonstrierten am 4. Juli in Bern gegen die Massnahmen des Bundesrats. - Keystone

    Der Glaube an Verschwörungstheorien könne schwerwiegende Folgen haben: Man impfe seine Kinder nicht, gehe nicht wählen und kapsle sich sozial immer stärker ab.

    Durch Grabendenken entstehen negative Emotionen

    Bereitschaft zum Dialog fehle in der Bewegung weitgehend. Vor allem mit den Medien möchte kaum einer sprechen. «Es ist schon beinahe ironisch, dass sich Verschwörungstheoretiker darüber empören, von den Medien nicht angehört zu werden. Aber gleichzeitig weigern sie sich, mit Medien zu sprechen.»

    Corona-Gegner
    Ein Teilnehmer trägt auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart eine Warnweste mit der Aufschrift «Corona Diktatur stoppen». Foto: Christoph Schmidt/dpa - dpa-infocom GmbH

    Kovic erklärt die paradoxe Sichtweise: «Die Corona-Verschwörer sehen die klassischen Medien als einen gefährlichen Teil der Verschwörung. Sie alle würden unter einer Decke stecken, sind der absolute Feind der Meinungsfreiheit.»

    Dieses «Wir gegen euch»-Denken sei alles andere als unbedenklich und müsse unbedingt eliminiert werden. «Dieses Grabendenken ist sehr gefährlich, hier entstehen negative Emotionen und Bereitschaft zu Gewalt.»

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