Bündner Tierarzt bekommt oft nur drei Stunden Schlaf
Tierärztin oder Tierarzt zu werden, ist für viele ein Kindheitstraum. Doch lange Arbeitstage und psychischer Druck bringen viele im Job an ihre Grenzen.

Das Wichtigste in Kürze
- Viele Tierärztinnen und Tierärzte sind am Limit.
- In der Schweiz fehlen dringend Fachkräfte, doch freie Stellen lassen sich kaum besetzen.
- Zusätzliche Studienplätze sollen helfen, den Tierärztemangel langfristig zu entschärfen.
Traumberuf Tierarzt oder Tierärztin? Für viele Tierliebhabende klingt das nach dem perfekten Job. Doch die Realität sieht oft ganz anders aus.
«So weiter machen wie jetzt können wir nicht», sagt Tierarzt Fadri Vincenz in der SRF-«Rundschau». Tierliebe allein reiche längst nicht mehr aus.
Beim Bündner gehören nur drei Stunden Schlaf teilweise schon zum Alltag. Denn: Ob er sieben oder nur drei Stunden schlafen kann, wisse er nämlich nie. Wenn ein Notruf reinkommt, muss er sofort los – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit.
«Für mich ist es immer noch mein Traumberuf»
Die ständige Einsatzbereitschaft sorgt auch für extrem lange Arbeitstage. Vincenz spricht von 12-Stunden-Tagen – «wenn ich wenig arbeite». Planbar sei der Job kaum. Gibt es irgendwo einen Notfall, muss der Tierarzt ausrücken.
Trotzdem sagt Vincenz, der gemeinsam mit seiner Partnerin eine Praxis in Ilanz GR führt: «Für mich ist es immer noch mein Traumberuf. Das wollte ich schon immer machen.»
Doch die Belastung ist gross. Deshalb würden die beiden gerne weitere Tierärzte einstellen.
Das Problem: Sie finden niemanden. Sie hätten sämtliche deutschsprachigen Unis in Europa, die Tierärztinnen und Tierärzte ausbilden, angeschrieben.
Ohne Erfolg: «Es kommt nichts», sagt Vincenz.
Junge wollen nicht mehr Vollzeit arbeiten
Olivier Glardon, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte, warnte bereits in einem früheren «Galaxus»-Interview: «Das Problem ist sehr ernst.» Die Situation sei definitiv nicht mehr tragbar.
Laut Glardon schliessen in der Schweiz pro Jahr nur rund 120 Studierende das Tierarzt-Studium ab. Gleichzeitig gingen viele Tierärztinnen und Tierärzte der Babyboomer-Generation in Pension.
Hinzu kommt: Viele Junge wollen nicht mehr vollzeit arbeiten.
Das kommt nicht von ungefähr – Der Beruf gilt als extrem belastend. Studien zeigen, dass Tierärztinnen und Tierärzte verglichen mit der Gesamtbevölkerung häufiger psychisch unter Druck stehen und ein erhöhtes Suizid-Risiko haben.
Halter haben hohe Erwartungen und wollen nicht zahlen
Tierärztin Sarah Lopez begründet dies in der SRF-«Rundschau» mit dem «Druck, immer mehr Tiere in weniger Zeit zu behandeln». Viele Tierhalter hätten hohe Erwartungen – zahlen wollten sie aber oft nicht.
Auch der tägliche Umgang mit kranken oder sterbenden Tieren belaste viele Fachpersonen stark, sagt Vincenz.

Für ihn ist deshalb klar: Die Schweiz muss dringend mehr Tierärzte ausbilden. Hoffnung gibt es bereits: Laut SRF sollen die Universitäten Bern und Zürich künftig insgesamt 100 zusätzliche Studienplätze anbieten.
Ob das den Fachkräftemangel tatsächlich löst, bleibt aber offen. Denn das Studium gilt als schwierig. Laut Bildungsbericht würden sich sogar drei von zehn Absolventen heute nicht mehr erneut dafür entscheiden.

















