Zu warme Nächte: So wirkt sich die Hitze auf unseren Schlaf aus
Schon eine warme Nacht kann den Körper aus dem Takt bringen. Ein Schlafmediziner warnt vor Konzentrationsproblemen und Müdigkeit.

Das Wichtigste in Kürze
- Während Tropennächten kühlt der Körper schlechter ab und muss gegen die Wärme arbeiten.
- Dadurch schläft man unruhiger, wacht öfter auf und erholt sich weniger.
- Kühle Duschen und Lüften können helfen, sofern die Aussentemperatur passt.
Vor wenigen Tagen war es nachts vielerorts noch so warm, dass an erholsamen Schlaf kaum zu denken war. Inzwischen sind die Nächte wieder etwas kühler – doch die nächste Hitzewelle ist schon da.
Tropennächte (mit 20 Grad und mehr) sind zwar derzeit nicht absehbar, die Temperaturen in den Nächten könnten aber in den nächsten Tagen ansteigen.
Was dabei im Körper passiert, erklärt Markus Schmidt, Oberarzt und Leiter Schlafmedizin am Schlaf-Wach-Epilepsie-Zentrum und Swiss Sleep House des Berner Inselspitals.
Hitze stört den Schlaf schon in der ersten Nacht
Hitze stört den Schlaf nicht erst nach mehreren Tagen – sie kann bereits in der ersten Nacht spürbar werden. «Schlaf reagiert sehr sensibel auf die Umgebungstemperatur», sagt Schmidt.
Der Grund liegt in der Körperphysiologie. Während des Schlafs sinkt die Körpertemperatur normalerweise ab. Das gehört zu einem gesunden Schlaf.
Ist es im Schlafzimmer zu warm, gelingt das schlechter. Der Körper muss gegen die Hitze arbeiten, etwa durch Schwitzen. «Dann wird der Schlaf fragmentiert», sagt Schmidt.
Viele Menschen hätten Mühe einzuschlafen, wachten häufiger auf oder schliefen weniger tief durch.
Das bleibt nicht folgenlos. Schlaf ist eng mit wichtigen Funktionen des Körpers verknüpft: Mit dem Immunsystem, dem Gedächtnis und der Konzentration.

Wer hitzebedingt schlecht schläft, kann das schon am nächsten Tag merken. «Dann kann es zu Konzentrationsproblemen, Gedächtnisstörungen und allgemeinem Unwohlsein kommen», sagt Schmidt.
Der Körper baut Schlafdruck auf
Bei längeren Hitzewellen kann sich zwar ein gewisser Gewöhnungseffekt einstellen. Doch Schmidt warnt davor, diesen falsch zu verstehen.
Oft schlafe man nicht deshalb besser, weil die Hitze plötzlich kein Problem mehr sei. Sondern weil sich nach mehreren schlechten Nächten ein hoher Schlafdruck aufbaut.
Der Körper holt sich dann Schlaf zurück – trotz ungünstiger Bedingungen. «Ein erhöhter Schlafdruck hat aber auch Folgen am Tag», sagt Schmidt. Man sei müder und schläfriger.
Besonders heikel wird das im Verkehr. Wer nach heissen Nächten sehr müde ist, sollte beim Autofahren vorsichtig sein. «Wenn man schläfrig ist, sollte man nach Möglichkeit nicht fahren», sagt Schmidt.
Gegen die Hitze helfen einfache Massnahmen. Schmidt empfiehlt etwa eine kühle Dusche vor dem Schlafengehen. Sie könne helfen, die Hauttemperatur zu senken. Auch Lüften könne nützen, sofern die Aussentemperaturen es zulassen.

















