Immer mehr Tierärzte sind Opfer von aggressiven Haltern

Nicola Wittwer
Nicola Wittwer

Solothurn,

Der Besuch beim Tierarzt wird für den einen oder anderen Tierhalter emotional. Auffällige Ereignisse nehmen zu – und können bis zur Anzeige führen.

Tierarzt
Bei Tierärzten kommt es häufiger zu Problemen, aber nicht der Tiere wegen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Solothurner Tierarzt wurde online beleidigt und bedroht. Er erstattete Anzeige.
  • Der Besitzerfamilie eines Hundes gefiel der Umgang des Veterinärs nicht.
  • Der Branchenverband sieht eine Zunahme solcher auffälligen Ereignisse um 25 Prozent.

Tierärzte kriegen es bei ihrer Arbeit häufiger mit schwierigeren Tierhaltern zu tun. Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte stellt eine Zunahme von 25 Prozent solcher auffälligen Vorfälle fest.

Besonders heftig ist das Beispiel von Thomas Baumgartner. Der erfahrene Veterinär ist Mitbesitzer einer Tierklinik im Kanton Solothurn.

Er musste zuletzt wegen unzufriedenen Tierhaltern Anzeige erstatten.

Beleidigungen gehen in Drohungen über

«Wir hatten einen sehr intensiven Patienten, einen 70 Kilo schweren Hund, den wir über drei Tage behandelt haben. Als klar wurde, dass wir ihn ins Tierspital Bern verlegen mussten, wurde es schwierig», erzählt er gegenüber SRF.

Der Hund konnte nicht mehr gehen und musste von mehreren Angestellten in ein Auto gelegt werden. Der Besitzerfamilie gefiel das Vorgehen dabei offenbar überhaupt nicht.

«Sie haben uns vorgeworfen, dass wir den Hund wie einen Sack Kartoffeln in den Wagen gelegt oder geworfen hätten. Das stimmt einfach nicht», schildert Tierarzt Baumgartner.

Im Netz eskalierte es: Baumgartner erhielt schlechte Rezensionen, Beleidigungen und sogar Drohungen. Etwa, «dass sie vorbeikommen und ich dann Patient werde».

Die Folge: «Ich bin zur Polizei gegangen und habe Anzeige erstattet.»

Vor allem die jüngeren Angestellten hätten die Beleidigungen getroffen, sagt Baumgartner. «Sie haben sich in der Klinik tagelang Mühe gegeben, haben alles getan für den Hund. Und dann bekommen sie solche Reaktionen. Das ist für die Jungen zum Teil sehr, sehr schwierig.»

Besserwisser wegen des Internets

Tierarzt Roberto Mossi sieht ob der Zunahme an aggressiven Tierhaltern einen Zusammenhang mit dem Internet. Dort finde man «heute alles sehr schnell, sehr detailliert».

Doch «man muss diese Informationen mit der Realität in Verbindung setzen. Ich denke, das ist schwierig.»

Hast du ein Haustier?

Tierarzt Baumgartner sieht ein Problem darin, dass viele Besitzer ein zu vermenschlichtes Verhältnis mit ihren Haustieren hätten.

«Wir haben sehr viele Möglichkeiten, wodurch die Tiere älter und kränker werden. Teilweise muss man die Leute fast auffordern, ein Ende zu setzen.» Das gehöre zum Beruf dazu – kann aber offenbar zu heiklen Momenten führen.

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Kommentare

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