Schlaf-Messen mit Smartwatch kann sogar schaden statt nützen
Die Mehrheit der Bevölkerung schläft schlecht. Smartwatches versprechen Hilfe – doch ein Experte warnt: Sie können sogar eher schaden als nützen.

Das Wichtigste in Kürze
- Mit Smartwatches kann man seinen Schlaf messen.
- Doch: Sie können eigentlich gar nicht beurteilen, ob jemand schläft oder nicht.
- Ein Schlafexperte warnt: Die Uhren können Schlafprobleme sogar verschlimmern.
Smartwatches und Fitnessarmbänder versprechen, die Schlafqualität präzise zu messen. Doch ein Schlafmediziner warnt: Die Geräte sind ungenau und können Schlafprobleme sogar verschlimmern.
Smartwatches täuschen Nutzer über Schlafqualität
Jörg Lindemann ist Professor und Schlafmediziner am Universitätsklinikum Ulm (D). Er äusserte sich gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: «Letztendlich kann eine Smartwatch nicht beurteilen, ob Sie schlafen oder nicht.» Der Grund liege in der Messtechnik.
Die Uhr beurteile das Schlafverhalten anhand von Bewegungen, so Lindemann. Geringe Bewegung werde schnell als Schlaf interpretiert, auch wenn jemand wach im Bett liegt.
Für eine verlässliche medizinische Analyse reicht das nicht aus. «Um den Schlaf wirklich zu analysieren, braucht man ein EEG», erklärt der Experte.
Ein EEG misst die elektrische Aktivität im Gehirn. Nur damit lasse sich eindeutig bestimmen, in welcher Schlafphase sich eine Person befindet.
Tracking-Druck erzeugt neues Problem mit dem Schlaf
Neben den technischen Mängeln sieht Lindemann auch ein psychologisches Problem. Wer sich zu sehr mit seinen Schlafdaten beschäftige, setze sich selbst unter Druck.
«Die Produkte suggerieren, dass man sich um den Schlaf kümmern muss, obwohl er eigentlich nicht kompliziert ist. Wenn man sich zu sehr mit dem Schlaf beschäftigt, können Schlafprobleme entstehen», so Lindemann.
In der Schlafmedizin nennt man dieses Phänomen Orthosomnie. Damit ist die Fixierung auf vermeintlich perfekte Schlafwerte gemeint.
Statt technischer Kontrolle empfiehlt Lindemann einfache Massnahmen: Ein Spaziergang vor dem Zubettgehen oder eine warme Dusche am Abend helfen dem Körper, in den Ruhemodus zu finden.
32 Prozent der Schweizer klagen über Schlafmangel
In der Schweiz leiden zahlreiche Menschen unter Schlafproblemen. In einer 2025 veröffentlichten Studie gaben 32 Prozent an, sie hätten einen Schlafmangel.
Bei den 18- bis 35-Jährigen gaben 32 Prozent an, in den letzten 12 Monaten schlecht oder eher schlecht geschlafen zu haben. Bei den 36- bis 65-Jährigen waren es 37 Prozent, bei den Ü65-Jährigen 25 Prozent.
Wie Nau.ch berichtete, können Fitnessuhren auch Ess- und Sportsucht fördern. Durch das Vergleichen der Daten untereinander kommt es zu einem Wettbewerb.

















