Baupläne zeigen: Inferno-Bar hatte zweiten Notausgang

    Simon Huber
    Simon Huber

    Crans-Montana,

    Neue Erkenntnisse zeigen, dass ein zweiter Notausgang in der Bar «Le Constellation» während der Silvesternacht in Crans-Montana blockiert war.

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    Neue Aufnahmen zeigen, dass ein zweiter Notausgang in der Inferno-Bar beim Unglück durch einen Barhocker versperrt war. - Screenshot SRF

    Das Wichtigste in Kürze

    • In der Inferno-Bar war in der Silvesternacht ein zusätzlicher Notausgang blockiert.
    • Dadurch kam es zu einem gefährlichen Rückstau bei der Flucht.
    • Betreiber und Behörden geraten zunehmend unter Druck.

    In der verhängnisvollen Silvesternacht kamen in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana 40 Menschen ums Leben. Mehr als 100 weitere Personen wurden verletzt.

    Neue Erkenntnisse zeigen nun, dass den Gästen im Untergeschoss ein wichtiger Fluchtweg versperrt war.

    Barhocker versperrt zweiten Notausgang

    Wie SRF nun berichtet, habe sich im hinteren Bereich des Untergeschosses eine Tür befunden, die ins Treppenhaus führte. Diese sei als Notausgang vorgesehen gewesen. In der Brandnacht war dieser Ausgang jedoch blockiert.

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    Im Untergeschoss der Bar «Le Constellation» befand sich ein zweiter Notausgang. - Screenshot SRF

    Auf Fotos aus den Ermittlungsakten sei zu sehen, dass ein Barhocker direkt vor der Türe stand. Wer ihn dort platziert hatte, sei unklar. Ebenso offen ist, ob dieser Fluchtweg von Gästen hätte genutzt werden können oder ob Rettungskräfte darüber Zugang fanden.

    Experten: Zweiter Fluchtweg hätte Evakuierung deutlich beschleunigt

    Da der zusätzliche Ausgang im Untergeschoss nicht zur Verfügung stand, mussten alle Personen über eine einzige Treppe Richtung Erdgeschoss fliehen.

    Dort wurde die Situation weiter verschärft. Der reguläre Ausgang über den Terrassenbereich war eng und eine zusätzliche Seitentür blieb verschlossen.

    Dabei handelte es sich nicht nur um eine Servicetür, sondern um einen offiziell als Notausgang deklarierten Fluchtweg.

    Auf Grundlage von Bauplänen, Überwachungsvideos, Fotos und Zeugenaussagen wurde die Bar von SRF detailliert rekonstruiert.

    Simulationen von Brandschutzexperten zeigen, dass ein nutzbarer zweiter Fluchtweg im Untergeschoss die Evakuierung deutlich beschleunigt hätte. Stattdessen kam es vor der Treppe, die 2015 verschmälert wurde, zu einem Rückstau.

    Bar wurde seit 2019 nicht mehr kontrolliert

    Neben dem Betreiber Jacques Moretti gerät auch die Gemeinde in den Blick der Ermittler. Bereits 2018 forderte der Sicherheitsbeauftragte eine Begrenzung der Besucherzahlen, klar gekennzeichnete Feuerlöscher, Evakuierungspläne und Schulungen des Personals.

    Haben die Behörden im Fall Crans-Montana schwerwiegende Fehler gemacht?

    Diese Auflagen wurden 2019 erneut bekräftigt. Danach fanden während mehrerer Jahre keine weiteren Kontrollen statt.

    Moretti befindet sich nach der Bezahlung einer umstrittenen Kaution wieder auf freiem Fuss. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn sowie gegen den zuständigen Sicherheitsbeauftragten dauern an.

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