Angeklagter agierte wie ein «typischer Mafia-Soldat»
Der Angeklagte im laufenden 'Ndrangheta-Prozess am Bundesstrafgericht in Bellinzona sei ein «typischer Mafia-Soldat», sagt die auf kriminelle Organisationen spezialisierte Journalistin Maria Roselli.

Er sei keiner, der sich in der Finanzwelt gut bewegen könnte, hält Maria Roselli im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA fest. Der 59-Jährige sei eher «der bodenständige Typ». Vor Gericht zeigte sich, dass der Mann nicht sehr gut lesen oder sich ausdrücken kann – das sage aber nichts über seine kriminelle Energie aus, erklärt Roselli.
Dieses «Bodenständige» habe ihm möglicherweise geholfen, «Investoren» für halblegale und illegale Geschäfte zu finden, da er «wie einer von uns» wirkt. Diese Art helfe ihm, sich mit Gleichgesinnten sehr gut zu unterhalten. Ausserdem war er einer, der selber «anpackte». Laut Anklageschrift transportierte er eigenhändig Geld nach Kalabrien.
Für den 'Ndrangheta-Clan Anello-Fruci aus der Region Vibo Valentia in Kalabrien vertrat der 59-Jährige die Interessen in der Schweiz. Dabei geholfen hatte ihm ein Pizzeria-Besitzer aus dem Kanton Aargau, der inzwischen in Italien in zweiter Instanz zu einer 17-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.
Dass er innerhalb dieser Zelle eine wichtige Figur war, zeigten unter anderem die Geldbeträge, die er erwirtschaftete, sagt Roselli. Diese flossen teils nach Kalabrien in die Kassen der Clan-Bosse. Laut Anklageschrift erwirtschaftete der Angeklagte in knapp zwei Jahrzehnten rund 1,3 Millionen Franken, unter anderem durch den Drogenhandel.
Ein weiteres Indiz für seine Stellung sei die Tatsache, dass er für zwei und nicht nur für eine Mafia-Zelle gearbeitet habe, erklärt Maria Roselli weiter. Neben dem Cosca Anello-Fruci wickelte er auch Geschäfte für einen Clan namens Locale di Fino Mornasco ab. Bei diesem handelt es sich um einen in der Lombardei ansässigen Ableger der 'Ndrangheta. Die zu dieser Mafia-Zelle zugehörigen Mitglieder hätten als Rückzugsort Pragg-Jenaz im Kanton Graubünden gewählt, sagt Roselli, die dazu länger recherchiert hat.
Was man auch noch wisse, über den in Bellinzona vor Gericht stehenden Mann: Er darf oder durfte das Oberhaupt der Cosca Anello-Fruci duzen. «Das ist in dieser Welt ein Zeichen von Macht», erklärt die Journalistin. Ausserdem habe er den Clan-Boss auch im Gefängnis in Italien besucht. Auch dies sei ungewöhnlich.














