22 Meldungen zu sexuellem Missbrauch in Westschweizer Kitas
Zwischen 2020 und 2025 wurden in Westschweizer Kitas 22 Fälle von sexuellem Missbrauch gemeldet – nun fordert die Politik schärfere Massnahmen.

Das Wichtigste in Kürze
- In Westschweizer Kitas wurden in fünf Jahren 22 Fälle von sexuellem Missbrauch gemeldet.
- Manche Fälle wurden mangels Beweisen eingestellt, andere führten zu einer Strafanzeige.
- Das System weist Lücken auf – Politiker fordern nun strengere Massnahmen.
Ein dreijähriges Mädchen verlässt 2024 eine Kindertagesstätte in der Westschweiz. Es sagt zu seiner Mutter: «Mama, da ist ein Mann, der mich mit seinem Speichel gewaschen hat.» Als die Mutter fragt, wo, zeigt das Kind auf seine Intimzone.
Ein Vorfall, der den kantonalen Behörden gemeldet wurde, wie der Westschweizer Rundfunk «RTS» berichtet.
Der Vorfall ist kein Einzelfall: Zwischen 2020 und 2025 gingen bei den Behörden der Romandie insgesamt 22 Meldungen zu sexuellen Übergriffen ein. Sie stammten von Kita-Leitungen, Eltern oder ehemaligen Mitarbeitenden.
Die Sendung «Mise au Point» holte bei allen Westschweizer Kantonen Informationen zu Verdachtsfällen ein und konnte rund zehn Vorfallberichte einsehen.
Einige Fälle wurden mangels Beweisen eingestellt, andere führten zu Strafanzeigen.
Eltern erstatten Anzeige nach erschreckenden Berichten
Eine Mutter wendet sich 2024 an die Behörden, nachdem sie mit ihrem Sohn ein Kinderkrankenhaus aufgesucht hatte. Ein Erzieher habe ihn im Intimbereich gewaltvoll berührt. Eine Gerichtsmedizinerin bestätigte Spuren von Gewalt, so die Mutter.
Weitere Meldungen berichten von einem Erzieher, der sich regelmässig mit kleinen Mädchen in der Toilette einschloss. Ein anderer Fall betrifft einen Aushilfserzieher, der ein dreijähriges Mädchen während des Mittagsschlafs berührt haben soll.
Eine Kita-Leitung wandte sich ebenfalls an die Behörden: Eine Mutter erklärte ihr, ein Erzieher habe an ihrem Sohn inakzeptable Handlungen (Finger im Anus) vorgenommen. Und dass sie Anzeige gegen diesen Erzieher erstatten werde.
Fall erschüttert die Deutschschweiz
Auch in der Deutschschweiz sorgt ein Fall für Aufsehen: Ein Erzieher soll zwischen 2020 und 2023 in Kitas in Winterthur ZH und im Kanton Bern fünfzehn Kleinkinder missbraucht haben.
Entdeckt wurde er zufällig bei einer Hausdurchsuchung wegen Verdachts auf Kinderpornografie. Ermittler fanden Videos schwerer Übergriffe aus Toiletten und Schlafsälen, die der mutmassliche Täter mit seinem Handy aufgenommen haben soll. Die Taten gestand er teilweise.
Kontrollen weisen Lücken auf
Der Kita-Bereich unterliegt einer kantonalen Aufsicht. Behörden verlangen für alle Mitarbeitenden einen Sonderstrafregisterauszug. Das Problem: Eingestellte Verfahren oder Meldungen ohne Urteil erscheinen darin nicht.
Seit 2023 sind Kontrollen vor der Anstellung und jährlich vorgeschrieben. Ein besonderes Schutzkonzept ist aber nicht überall Pflicht.

Im Fall Winterthur war der mutmassliche Täter bereits in der ersten Einrichtung gemeldet worden. Das Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt, der Mann aber entlassen. Danach wechselte er den Kanton und fand eine neue Stelle.
Politikerinnen fordern schwarze Liste
In Bern hat der Fall die politische Debatte neu entfacht. Nationalrätin Nina Fehr Düsel (SVP/ZH) fordert eine schwarze Liste für Kita-Mitarbeitende. Auf dieser sollen, ähnlich wie bei Lehrpersonen, auch eingestellte Verfahren vermerkt werden.
Ihre Parteikollegin Nadja Umbricht Pieren, selbst Kita-Leiterin, fordert den Vorrang des Opferschutzes. Sie plädiert für systematische Hausdurchsuchungen bei Verdacht, wenn Kleinkinder nicht klar aussagen können. Von linker Seite wird ein Aktionsplan des Bundesrats erwartet, um die Aufsicht in allen Betreuungseinrichtungen zu stärken.
Einige Kitas reagierten bereits selbst mit offenen Raumkonzepten, strengeren Pflege-Regeln, Handyverboten und zusätzlichem Personal.
















