210'000 Schweizer tragen den Velohelm falsch

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Bern,

Kluge Köpfe schützen sich. Aber ein Velohelm allein reicht nicht – er muss auch sitzen. Nau.ch sagt dir, worauf du achten musst.

Velohelm
Eine Anleitung der Polizei Hamburg zeigt, wie der Velohelm richtig getragen werden muss. - X/@PolizeiHamburg

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur wenn der Velohelm richtig getragen wird, schützt er auch richtig.
  • Doch laut einer Untersuchung tragen nur 53 Prozent aller Velofahrer den Helm korrekt.
  • Fachleute empfehlen, alle paar Jahre einen neuen Velohelm zu kaufen.

Helm auf, Gefahr gebannt? Ganz so einfach ist es nicht.

Viele Velofahrerinnen und Velofahrer tragen Modelle, die zu gross, zu klein oder längst überaltert sind.

«Beim Velofahren springt mir das sofort ins Auge», klagt eine Sportfachverkäuferin bei Nau.ch. «Viele Menschen merken gar nicht, dass ihr Helm nicht optimal passt – und damit auch weniger Schutz bietet.»

Tatsächlich täuscht ihr Eindruck nicht.

Die jüngste Untersuchung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) für den Zeitraum 2021 bis 2025 zeigt: 60 Prozent der Velofahrer tragen einen Helm, aber nur 53 Prozent tragen ihn auch korrekt.

Ein Prozent hat den Helm nur dabei, trägt ihn aber nicht. Weitere vier Prozent trugen den Helm so falsch, dass Fachleute von einem «schweren Misuse» (Fehlgebrauch) sprechen. Etwa wenn der Kinnriemen offen bleibt.

Bei weiteren zwei Prozent wurde in der BFU-Untersuchung ein anderer Misuse festgestellt.

Drei Millionen Schweizer fahren Velo

In der Schweiz fahren rund drei Millionen Menschen ab und zu Velo. Das zeigt eine Untersuchung des Bundesamtes für Strassen (Astra) aus dem Jahr 2020.

Daten von Velozählern deuten darauf hin, dass die Velo-Nutzung seither sogar noch angestiegen ist.

Nau.ch macht die Hochrechnung: Demnach sind also rund 210'000 Velofahrerinnen und Velofahrer mit ungenügendem Helmschutz unterwegs. Entweder, weil sie ihren Helm falsch tragen oder ihn bloss mitführen.

Dazu kommen satte 1,2 Millionen, die gar keinen Helm tragen.

Trägst du deinen Velohelm richtig?

BFU-Sprecher Christoph Leibundgut hält gegenüber Nau.ch fest: «Ein Velohelm verhindert bis zu 70 Prozent der schweren Kopfverletzungen. Für den optimalen Schutz ist es wichtig, dass der Helm gut auf den Kopf passt und richtig angezogen wird.»

Wichtig sei, dass man nur einen Velohelm mit der Norm EN 1078 trage. Jeder in der Schweiz verkaufte Helm muss dieser Sicherheitsnorm entsprechen. Bei schnellen E-Bikes rät die BFU zu Helmen der Norm NTA 8776.

Zudem gelte: «Vor dem Kauf den Helm anprobieren – er soll gut sitzen, nicht drücken oder wackeln.»

Leuchtfarben, Reflektoren oder Lichter am Helm erhöhen die Sicherheit zusätzlich. Beim Velohelm sollte man auf hervorstehende Teile verzichten.

Nach Sturz sollte Velohelm ersetzt werden

Zudem empfiehlt Leibundgut sogenannte Rotationsdämpfungs-Systeme wie die MIPS-Technologie.

Er erklärt: «Bei einem Sturz wird der Kopf häufig beim Aufprall ruckartig verdreht. Dadurch entstehen enorme Beschleunigungskräfte, die für das Hirn sehr gefährlich sein können. Das System fängt diese Kräfte ab.»

Zudem gilt: Sorge tragen.

Laut BFU soll der Velohelm insbesondere vor Kälte und Hitze und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden. Zudem dürfe der Helm keinen Stössen oder Druck wie durch Gewicht ausgesetzt sein.

Touring Club Schweiz
Beim Velohelm sollte nicht gespart werden. - keystone

Denn: «Ein Velohelm schützt nur dann optimal, wenn er unbeschädigt ist. Nach einem Sturz oder einem harten Schlag auf den Helm sollte er deshalb immer ersetzt werden. Auch wenn von aussen keine Schäden sichtbar sind.»

Der Schaumstoff im Inneren des Helmes könne nämlich beschädigt sein, ohne dass man dies erkenne.

BFU warnt vor Occasion-Velohelmen

Entsprechend rät Leibundgut bei Occasion-Helmen zu Vorsicht. «Sie wissen nicht, ob der Helm schon einen Schlag bekommen hat und wie er gelagert wurde. Es besteht die Gefahr von versteckten Schäden.»

Auch ohne Schäden ist ein Velohelm nicht für alle Ewigkeit bestimmt. Auf jedem Helm ist das Herstellungsdatum aufgedruckt. Der Hersteller gibt an, wann der Helm spätestens zu ersetzen ist.

Der Hersteller Giro schreibt auf seiner Website von einer maximalen Nutzungsdauer von drei bis fünf Jahren. Abhängig davon, wie oft er getragen wurde.

Der Hersteller Uvex schreibt: «Helme, die älter als acht Jahre sind und davon maximal fünf Jahre in Gebrauch, müssen ebenfalls ersetzt werden. Und zwar unabhängig davon, wie oft oder intensiv der Helm verwendet wurde.»

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Kommentare

User #3451 (nicht angemeldet)

Mit offenem Riemen fahren ist viel lässiger.

User #2498 (nicht angemeldet)

Und das wird natürlich möglichst unter den Teppich gekehrt. Ist nämlich politisch inopportun.

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