Leist der Untern Stadt: «Autofreie untere Altstadt liegt uns fern!»
Mehrere Projekte beschäftigen den Leist der Untern Stadt Bern (LUS). Vizepräsident Jean-Rodolphe Fiechter erklärt, wie sich der Leist einbringt.

Der Leist der Untern Stadt Bern (LUS) ist Mitglied der Dachorganisation Vereinigte Altstadtleiste (VAL), welcher folgende Leiste der Aarehalbinsel angehören: Rathausgass-Brunngass-Leist, Kramgass-Leist, Kesslergass-Gesellschaft und Matte-Leist.
Mit etwa 25 Gastrobetrieben, dem Detailhandel und zahlreichen Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben ist der LUS zusammen mit dem Kramgass-Leist ein bedeutender Interessensvertreter in der unteren Altstadt.
Für Jean-Rodolphe Fiechter, der 2011 die Junkerngasse als Wohnort wählte, war es klar, sich im Leist zu betätigen. Er begnügt sich nicht mit der Rolle als Konsument und Statist.

«Ich möchte als Mitwirkender der Gesellschaft etwas zurückgeben. Ich lebe an privilegierter, schöner Lage, das ist nicht selbstverständlich und es ist mir nicht egal, was sich im Leistgebiet abspielt», begründet er seinen Beitritt zum LUS.
Beliebte Kronengespräche
Die Mitgliederzahl des LUS bewegt sich seit mehreren Jahren rund um die 300er-Grenze. Vizepräsident Fiechter bezeichnet denn auch die zahlenmässige Mitgliedersituation als stabil, was vergleichsweise mit Vereinen mindestens als «befriedigend» eingestuft werden darf.
Der Leist legt grossen Wert auf den regelmässigen Austausch mit seinen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern. So können auch Nicht-Mitglieder die monatliche Leist-Post, welche per E-Mail verschickt wird, abonnieren.
PERSÖNLICH
Jean-Rodolphe Fiechter, geboren 1980, wuchs in Genf auf und studierte in Genf, Bologna und Bern Jurisprudenz (lic. iur.). 2006 trat er als Rechtsanwalt in die Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard in Bern ein. Seit 2018 ist er Partner der Kanzlei und Fachanwalt SAV Bau- und Immobilienrecht.
2011 trat er dem Leist der Untern Stadt Bern (LUS) bei, 2019 wurde er in den Vorstand gewählt und seit 2020 ist er Vize-Präsident des Leists. Jean-Rodolphe Fiechter wohnt in der Junkerngasse in Bern.
«Wir schliessen niemanden aus», sagt Jean-Rodolphe Fiechter bestimmt. Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger im Leistgebiet werden zweimal jährlich an Willkommensanlässen persönlich begrüsst und informiert.
Nicht mehr wegzudenken im LUS-Jahresprogramm sind die von der früheren Präsidentin Barbara Geiser initiierten «Kronengespräche», die normalerweise an jedem letzten Mittwoch im Monat ausserhalb der Ferien um 19 Uhr stattfinden.
Das Kronengespräch vom 25. November 2026 findet ausnahmsweise im Erlacherhof statt, wo das Tiefbauamt der Stadt Bern an einem Apéro über die anstehende Totalsanierung der Postgasse informieren wird. Die Bauarbeiten starten im Februar 2027 und dauern knapp zwei Jahre.
Künftiges Heizen in der unteren Altstadt
Schon seit Jahren beschäftigt die Leistmitglieder die Zukunft des Heizens in der unteren Altstadt. Ein wichtiger Antrieb ist das baldige Verbot bisheriger Heizformen (Elektro ab 2032, fossile Energieträger ab 2045), aber auch die grundsätzliche Einsicht, dass der Energieverbrauch gesenkt und klimaneutral abgedeckt werden muss.
Vor dem Hintergrund des grossräumigen Ausbaus der Fernwärme im Stadtgebiet von Bern ging man zunächst von Fernwärme als bestmögliche Alternative zu Gas für die untere Altstadt aus. Zusammen mit den VAL und weiteren wichtigen Unterstützerinnen und Unterstützern startete der LUS die Initiative «Zukunft Heizen in der unteren Altstadt».
Die VAL gaben schliesslich eine Machbarkeitsstudie beim renommierten Büro eicher+pauli in Auftrag, welche neue, nachhaltige Lösungswege und potenzielle Synergieeffekte aufzeigen soll. Dazu Jean-Rodolphe Fiechter: «Diese Studie liegt nun vor und zeigt, dass eine Alternative in Form einer Wärmeverbundlösung machbar ist.»
So schlage das Büro die Nutzung von Aarewasser als Alternative zu Gas und Fernwärme vor. Bei der bevorstehenden Sanierung der Postgasse werden aber erneut Gasleitungen gelegt, die dann wieder mehrere Jahrzehnte genutzt werden, allerdings bestückt mit Biogas ...

«Im Fall der Postgass-Sanierung ist leider der Zug für eine alternative Lösung abgefahren», bedauert der LUS-Vizepräsident.
Der LUS und die VAL sind überzeugt, dass die Zukunft des Heizens keine technische Randfrage ist, sondern eine zentrale Zukunftsfrage für die untere Altstadt.
Dauerbrenner Parkier-Regime
Eine weitere Herausforderung, welche den LUS beschäftigt, ist das Parkieren in der unteren Altstadt. Das kantonale Verwaltungsgericht hat anfangs August 2026 entschieden, dass die Anwohnenden der unteren Altstadt ihr Fahrzeug weiterhin bis maximal 48 Stunden auf einem Parkfeld belassen können.
Dies im Gegensatz zur Stadt Bern, die dieses Vorrecht ersatzlos streichen wollte und sich auf die kommunalen Rechtsgrundlagen stützte, wonach lediglich das Recht auf Kurzparkieren bestehe.
Wie die Tageszeitung «Der Bund» in ihrer Ausgabe vom 21. August 2026 berichtete, wird die Stadt Bern das Urteil des Verwaltungsgerichts «wegen geringer Erfolgschancen» nicht ans Bundesgericht weiterziehen. Auch würde das Beschwerdeverfahren zu viel Zeit in Anspruch nehmen.
INFO
Der Leist der Untern Stadt Bern (LUS) in Kürze
Zweck (Auszug aus den Statuten)
• Förderung der gemeinsamen Interessen der untern Stadt
• Erhaltung der Altstadt als Wohn- und Geschäftsquartier
• Lösung aktueller Probleme: Umweltschutz, Verkehrs- und Baufragen, Gestaltung usw.
• Angebot von Dienstleistungen im Interesse der Leistmitglieder und der Unterstadtbewohnenden
• Förderung des kulturellen Lebens, Pflege der Freundschaft und Geselligkeit
• Zusammenarbeit mit Behörden
• Eingaben, Stellungnahmen und Petitionen an die Behörden, Initiativen, Resolutionen
• Aufklärung der Mitglieder und der Öffentlichkeit
• Zusammenarbeit mit Nachbarleisten
Gründung
1872
Leistgebiet
Gassen mit weissen Namensschildern:
Gerechtigkeitsgasse, Junkerngasse, Postgasse, Rathausplatz, Mani-Matter-Stutz, Postgasshalde, Nydeggasse und Nydegglaube, Nydeggstalden, Läuferplatz, Langmauerweg, Kreuzgasse (Ostseite).
Vorstand
• Zurzeit 6 Mitglieder
• Präsident: Andreas Willich
Mitgliedschaft
• Total 278 Mitglieder (Stand 31.12.25)
• Mitglieder können natürliche Personen nach zurückgelegtem 18. Altersjahr und juristische Personen werden, auch wenn sie nicht im Leistgebiet ansässig sind.
Mitgliederbeiträge pro Jahr
• Einzelmitglieder: CHF 40.—
• Paare / Wohngemeinschaften: CHF 60.—
• Geschäfte 1, Parterregeschäfte: CHF 250.—
• Geschäfte 2, Seitengassen, Kellerund Etagengeschäfte: CHF 125.—
• Hauseigentümer/innen: CHF 150.— LUS-Firmenmitglieder profitieren von vergünstigten Mitgliederbeiträgen bei BernCity:
• 0 – 2 Mitarbeitende: CHF 200.— (statt CHF 500.—)
• 3 – 5 Mitarbeitende: CHF 600.— (statt CHF 950.—)
Nächste Anlässe 2026:
• 16.09.: Kunstführung Möbelgeschäft Teo Jakob, Gerechtigkeitsgasse
• 28.10: Kronengespräch: Wasserver- und -entsorgung im Alten Bern, 19 Uhr, Rest. Frohsinn
• 08.11: Lotto in der Spysi
• 25.11.: Kronengespräch: Info-Apéro der Stadt zur Sanierung der Postgasse, Erlacherhof
Publikationsorgane
• Leistpost: Regelmässiger Newsletter
• BrunneZytig (künftig digital)
• Kronengespräche
Weitere Infos
lus-bern.ch
bern-altstadt.ch
Der zuständige Gemeinderat, Matthias Aebischer (SP), will aber am Ziel festhalten, die untere Altstadt vom motorisierten Verkehr zu entlasten. Wichtig sei nun eine juristische Grundlage, welche für die Verbannung der Autos «wasserdicht» sei.
Der LUS bekennt sich in dieser Frage zum ursprünglichen Verkehrskompromiss, wonach den Anwohnenden für das Langzeitparkieren das nahegelegene Rathaus-Parking angeboten wird.
Jean-Rodolphe Fiechter präzisiert: «Wir wollen eine Verkehrsberuhigung und keinen unnötigen Durchgangsverkehr, aber eine autofreie untere Altstadt liegt uns fern! Die sichere Zufahrt für das Gewerbe muss jederzeit möglich sein. In dieser Problematik ist Augenmass für die Gesamtsicht gefragt. Auch der 12er-Bus ist mit seiner heutigen Linienführung eine Lebensader für die Altstadt.»









