Berner Autorin Stefanie Christ: «Schreiben kann mühsam sein»

Peter Widmer
Peter Widmer

Bern,

Mit «Die roten Kraniche» publiziert Stefanie Christ ihren Krimi-Erstling. Im Interview verrät die Berner Autorin, wie das Buch entstanden ist.

Die Berner Autorin Stefanie Christ.
Die Berner Autorin Stefanie Christ. - Daniel Zaugg

«Die roten Kraniche» ist der Krimi-Erstling und zugleich Auftakt zu ihrer neuen Reihe mit der quirligen Privatdetektivin Mira Mund.

Das Buch ist umgangssprachlich süffig und spannend geschrieben, gespickt mit dem typischen Stefanie-Christ-Humor. Für den BärnerBär lässt die Autorin «backstage» blicken.

BärnerBär: Stefanie Christ, welche Krimis schauen Sie sich im Fernsehen an?

Stefanie Christ: Zurzeit schaue ich regelmässig die US-Krimiserie «Only Murders in the Building» auf Disney+ und «Inside Man» auf Netflix. Den Jingle von «Only Murders in the Building» habe ich sogar für den Klingelton meines Handys gewählt!

BärnerBär: Also nicht die gängigen, deutschsprachigen Serien wie «Tatort», «Der Alte» usw.?

Christ: Ich bin mit «Derrick», «Ein Fall für zwei» usw. aufgewachsen. Das hat meine Krimi-Vorstellungen geprägt, aber ich konnte mich nicht richtig anfreunden damit, bis ich die etwas unterhaltsameren, humorvolleren Krimi-Formate entdeckt habe.

In der englischsprachigen, unbeschwerten Cosy Crime-Ecke fühle ich mich wohler.

«Die roten Kraniche» ist der Krimi-Erstling von Stefanie Christ.
«Die roten Kraniche» ist der Krimi-Erstling von Stefanie Christ. - Daniel Zaugg

BärnerBär: Sie haben sich bisher in Ihren Publikationen von Krimis ferngehalten. Wie kam die Idee, nun einen Krimi zu verfassen?

Christ: Es kam schleichend. Ich habe ab und zu Kurz-Krimis publiziert und wurde damit an Krimilesungen eingeladen. Mit dem Älterwerden habe ich das Bewusstsein entwickelt, verstärkt zu meinem Humor zu stehen und diesen einfliessen zu lassen.

Das löste plötzlich den Knopf und ich wusste: So funktioniert das Krimi-Genre für mich! Ich hatte beim Schreiben viel Spass und hoffe, dass dies die Leserinnen und Leser auch spüren.

BärnerBär: Wie gingen Sie handwerklich konkret vor?

Christ: Zu Beginn hatte ich einige Szenen im Kopf und schrieb wild drauflos. Als ich merkte, dass das Ganze als Roman funktionieren könnte, machte ich eine Auslegeordnung der einzelnen Szenen und konzipierte den Fall wie einen roten Faden. Während des Schreibens veränderte sich der Fall aber immer wieder.

Es gab Kapitel, die ich wieder überarbeiten und die Weichen neu stellen musste, wenn sich der Fall in eine andere Richtung entwickelte. Beim Schreiben finde ich die Überarbeitung sogar wichtiger als den ersten Entwurf eines Buches.

BärnerBär: Wussten Sie bereits am Anfang, wie die Geschichte enden wird?

Christ: Nein, bei diesem ersten Band waren einfach die Szenen da, ohne dass ich bereits das Ende der Geschichte sah. Nun bin ich bereits mit dem Band 2 beschäftigt und bei diesem habe ich zuerst den Fall entwickelt. Dieses Mal kenne ich also das Ende!

BärnerBär: Es war also eine Fleissarbeit…

Christ: Ja, sehr! Schreiben kann mühsam sein. Es ist langwierige, harte Knochenarbeit, die sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln lässt.

Jedenfalls bei mir nicht! Auch Frustmomente bleiben während des Schreibprozesses nicht aus.

BärnerBär: Wie lange arbeiteten Sie am Buch von der Idee bis zur Drucklegung?

Christ: Erfahrungsgemäss beansprucht ein Roman durchschnittlich ein Jahr Arbeit bei mir. Kommt dazu, dass ich mich nicht jeden Tag mit dem Buch beschäftigen kann, da ich noch berufstätig bin.

Stefanie Christ.
«Auch Frustmomente bleiben während des Schreibprozesses nicht aus», sagt Stefanie Christ. - zVg

In der Vergangenheit nahm ich mir auch mal unbezahlten Urlaub in der Absicht, mehrere Monate ununterbrochen an einem Buch zu schreiben. Aber das funktioniert bei mir nicht, ich benötige Pausen dazwischen.

BärnerBär: Sie schreiben in Ihrem Krimi alles im Präsens. Warum?

Christ: So sind die Lesenden unmittelbar im Geschehen drin und erleben die Spannung direkt mit Mira Mund mit.

BärnerBär: Sie sehen die Geschichte als «Fernsehserie in Buchform». Worauf darf sich die Leserschaft einstellen? Die TV-Serie «Der Alte» läuft seit bald 50 Jahren…

Christ: Ich selber habe eigentlich keine Lust, ein 700-seitiges Buch zur Hand zu nehmen und jeden Satz dreimal lesen zu müssen, bis ich ihn verstanden habe. Ich habe als Mutter nicht so viel Zeit zum Lesen.

Bei meinem Krimi dachte ich an Eltern, die abends soeben ihre Kinder erfolgreich zu Bett gebracht haben, sich danach erschöpft ins Sofa sinken lassen und noch Zerstreuung suchen, jedoch nicht am Fernseher.

Das Buch sollte sich anfühlen wie eine Fernsehserie. Ein Buch, das man unbeschwert geniessen kann und Spannung vermittelt.

BärnerBär: Gibt es nun jedes Jahr eine Fortsetzung?

Christ: (Lacht) Ich habe bisher noch nie ein Buch geschrieben, das eine Fortsetzung andeutete oder bei dem die Lesenden eine solche einforderten. Bisher war immer alles abgeschlossen.

Es ist für mich eine neue Situation. Zurzeit schreibe ich am Band 2, aber ob ich jedes Jahr eine Fortsetzung schaffe, weiss ich noch nicht – stressen lasse ich mich nicht, sonst leidet die Qualität.

BärnerBär: Ihr Krimi endet mit Fragezeichen. Ist es eine Voraussetzung, dass man Ihre Protagonistin von Anfang an begleitet, um den Anschluss nicht zu verpassen?

Christ: Ich versuche, genügend Informationen in den zweiten Band zu packen, damit dieser unabhängig vom ersten gelesen werden kann.

Der grosse Fall ist pro Buch zwar abgeschlossen, aber die Begebenheiten sind nicht vollständig voneinander losgelöst. Die Personen entwickeln sich und bewegen sich von einem Band in den anderen.

Liest du gerne Bücher?

BärnerBär: Mira Mund wirkt oft naiv und unbeholfen. Wie wird sie sich in den Folgegeschichten entwickeln?

Christ: «Die roten Kraniche» war ihr erster Fall, in den sie reingerutscht ist. Sie wird sich weiterentwickeln und immer mehr Hilfe bekommen – so viel sei schon verraten. Zu professionell wird sie aber nicht, das gehört zum Charme der Reihe.

Mira Mund ist ja Mutter zweier kleiner Kinder und das Chaos des Familienalltags wird sie stets begleiten.

BärnerBär: Wie viel Stefanie Christ findet sich in Ihrem Krimi?

Christ: Vor allem der Humor. Ich war bisher diesbezüglich zurückhaltend, weil Humor etwas sehr Persönliches ist. Ich erhalte aber viele ermunternde Rückmeldungen, die mich motivieren, weiterhin meinen Witz einfliessen zu lassen.

BärnerBär: Wie liessen Sie sich fachlich inspirieren? Ich denke an das Prozedere und die Sicherheitsschleusen bei den Schliessfächern einer Grossbank.

Christ: Viele Dinge habe ich recherchiert oder bereits gewusst. Bei der erwähnten Bankenszene habe ich auch meine Fantasie walten lassen im Sinne von «so könnte es sich abspielen». Solche fiktiven Szenen müssen meines Erachtens Platz haben in einem launigen Krimi.

BärnerBär: Sie lassen die Geschichte in Zürich spielen, weil Sie Bern als zu klein für den Hintergrund der Geschichte erachten. Ist Bern = heile Welt und Zürich = Sündenpfuhl?

Christ: (Lacht) Nein, aber Bern assoziiere ich mit anderen Verbrechen. Bern kenne ich zu gut und weiss, in welchem Stadtteil andere Autorinnen und Autoren bereits Krimis spielen liessen.

In Zürich konnte ich mich gedanklich freier bewegen. Und es war eine Bereicherung für mich, in Zürich neue Quartiere kennenzulernen.

PERSÖNLICH

Stefanie Christ wurde 1981 geboren und wuchs in der Agglomeration von Bern auf. Neben ihrer Tätigkeit als Kommunikationsverantwortliche beim Naturhistorischen Museum Bern ist sie als Autorin tätig. Sie schreibt Romane und Sachbücher für Erwachsene und Kinder. Bekannt ist die ehemalige Journalistin unter anderem für die Sachbücher «Liebe Aare» und «Liebes Bern». Ihr letzter Roman «Krähengesang» erschien 2023. Stefanie Christ lebt mit ihrer Tochter in Bern.

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