Ausstellung im Museum für Kommunikation: Phänomen Menschenmasse
Die neue Ausstellung im Museum für Kommunikation gibt erhellende Einblicke ins alltägliche Phänomen der Menschenmasse.

Menschenmassen haben einen schlechten Ruf und trotzdem geniessen wir die ausgelassene Stimmung an einer Sportveranstaltung, einem Musikfestival oder an einem Volksfest.
Wer Massen verstehen will und lernen möchte, wie man sich darin richtig verhält, sollte sich die neue Ausstellung im Museum für Kommunikation anschauen. Sie gibt erhellende Einblicke ins alltägliche Phänomen der Menschenmasse.

Frühmorgens wälze ich mich mit einem Strom von Pendlerinnen und Pendlern durch den Bahnhof. Müde Büromenschen stehen sich auf den Füssen rum, Kaffeebecher schwappen über. Ärgerliches Grummeln links und rechts.
Ich flüchte ins Tram und schaue auf mein Mobiltelefon. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht – ich freue mich darüber, dass mein neuester Post auf Social Media 3000 Menschen (Masse!) erreicht hat und Dutzende von Likes einsammelt.
Ja, wir sind regelmässig mit Menschenmassen konfrontiert. Aber unser Verhältnis zu ihnen ist sehr ambivalent. Sie ärgern uns oft als Hindernis oder machen uns gar Angst, wenn uns die Kontrolle zu entgleiten droht.
Gleichzeitig gewinnen wir nur als Masse Abstimmungen, geniessen die knisternde Stimmung im Sportstadion oder lassen uns von der Euphorie an einem Volksfest mitreissen.
Es ist an der Zeit, dass wir uns mit Menschenmassen auseinandersetzen und mehr darüber lernen!
Masse ist …
Sind Menschenmassen einfach ganz viele Menschen? Das stimmt nicht ganz. Menschenmassen sind nicht definiert durch die Anzahl Menschen. Viel wichtiger ist, wie dicht die Menschen beieinanderstehen.
So kann dieselbe Anzahl Menschen in einem Reisebus eine Menschenmasse sein, auf einem weiten Parkplatz verteilt aber nicht.

Bei drei bis fünf Menschen pro Quadratmeter wird es unangenehm – man behindert sich gegenseitig. Bei fünf bis sieben wird es gefährlich und bei neun kann es tödlich enden. Glücklicherweise sind solche Situationen selten.
Die Erkenntnisse der Massen-Forschung werden hier aber äusserst wertvoll. Wussten Sie zum Beispiel, dass Menschen in der Masse nicht etwa egoistisch werden wie im Horrorfilm?
Untersuchungen zeigen, dass wir vielmehr mit Solidarität reagieren und uns gegenseitig zu unterstützen versuchen. Menschen in einer Masse stehen in permanentem Austausch untereinander – aber häufig indirekt, ungezielt, unabsichtlich, unbewusst.
Um die Masse zu verstehen, helfen uns die Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen: Strömungsmechanik, Granularphysik, Mathematik, Verhaltenswissenschaften, Sozialpsychologie. Dank dieser Forschung wissen wir heute viel mehr über Menschenmassen. Denn die Masse ist mehr als die Summe der beteiligten Individuen.
Massen verstehen
Es ist kein Zufall, dass die Massen-Forschung nach verschiedenen Volksaufständen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt: Massen sind mächtig und bedrohen die soziale Ordnung.
Diese Vorstellung ist bis heute nicht ganz verschwunden. Auch wenn Menschenmassen deutlich vielseitiger sind als ihr Ruf.

Wenn wir also unser Verhalten besser verstehen, können wir Verkehrswege besser planen, grosse Veranstaltungen sicherer machen und unser persönliches Verhalten in Menschenmengen anpassen.
Das gilt nicht nur für das physische Gedränge. Vieles davon lässt sich auch in den digitalen Raum übertragen. In sozialen Netzwerken bilden sich «digitale Massen» – sie geben Bewertungen ab, vergöttern Stars und stacheln sich gegenseitig an.
Diese Phänomene sind nicht neu, Gerüchte gab es zum Beispiel schon immer. Doch die Geschwindigkeit und der Umfang der Verbreitung sind im digitalen Raum viel grösser.
Die Ausstellung «Massen – Foules – Crowds» im Museum für Kommunikation gibt einen tiefen Einblick in Menschenmassen – wie sie uns prägen, mitreissen und behindern. Und wir lernen, wie wir uns in Menschenmassen am besten verhalten.
Das Museum für Kommunikation holt die von der Cité des sciences et de l’industrie in Paris entwickelte Erfolgsausstellung erstmals in die Schweiz. Über 500'000 Besuchende haben die Ausstellung im französischsprachigen Raum bereits gesehen. Vorbeischauen lohnt sich!








