Deshalb ist Bern die ideale Stadt für Singles!
Laut dem «Carrie-Bradshaw-Index» gehört die Stadt Bern zu den erschwinglichsten Orten für Singles in Europa. Aber stimmt das wirklich?

Das Wichtigste in Kürze
- The Economist hat europäische Städte auf ihre Single-Tauglichkeit untersucht.
- Überraschung: Bern gehört bei Einzimmerwohnungen zu den relativ günstigsten Orten.
- Eine lokale Expertin ordnet die Studienergebnisse ein.
Was es in Manhattan bedeutet, eine bezahlbare Kleinwohnung zu finden, wissen Fans der Serie «Sex and the City»: Carrie Bradshaw ist der Prototyp einer jungen, erfolgreichen Single-Frau, die sich im städtischen Moloch zurechtfinden muss.
Natürlich kann man die eher gemütliche Stadt Bern nicht mit dem New Yorker Grossstadtdschungel vergleichen. Aber eines haben Manhattan und die Bundesstadt gemein: Rund 46 Prozent aller Menschen leben in Einpersonen-Haushalten.
Der «Economist», seit 183 Jahren in London publiziert, ist ein international renommiertes Magazin. Doch manchmal erlaubt er sich einen leichtfüssigeren Zugang zu gewissen Themen. So hat die Redaktion den «Carrie-Bradshaw-Index» geschaffen.
Darin untersuchen Datenjournalisten, in welchen Grossstädten es besonders teuer oder besonders günstig ist, eine Einzimmerwohnung zu mieten – immer gemessen am lokalen Einkommensniveau. Konzipiert wurde der Index für US-amerikanische Städte; zum zweiten Mal ist er soeben auch auf Europa angewendet worden.
Kaum Studios und Einzimmer-Wohnungen in Bern
Studios und Einzimmer-Wohnungen spielen im Wohnungsmarkt von Manhattan mit einem Anteil von 52 Prozent und in Genf mit 24 Prozent eine zentrale Rolle. In Bern und Zürich hingegen beträgt ihr Anteil nur elf Prozent, wie Noëmi Capelli erläutert.
Capelli ist Ökonomin, Markt-Analystin und Investitionsberaterin bei der Berner Kantonalbank (BEKB). Sie sagt: «Das Angebot ist deutlich knapper als bei Zwei- oder Dreizimmerwohnungen. Einzimmerwohnungen sind Mangelware.» Und weiter: «Wer in Bern ein ‘Single-Paradies’ sucht, wird vor allem in der Altstadt, der Länggasse oder im Breitenrain fündig.»
Mit Zahlen diverser Behörden haben die «Economist»-Journalisten berechnet, wie viel Mieterinnen und Mieter verdienen müssten, um nicht mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete auszugeben. «Dann vergleichen wir dies mit dem durchschnittlichen Lohn in jeder Stadt», erläutert der «Economist». «Durch Division des lokalen Lohns durch den Lohn, der nötig wäre, um die Miete im Budget zu halten, erzeugen wir unseren Bradshaw-Score. Alles unter 1 gilt als unerschwinglich.»
Nur zwei Städte sind günstiger als Bern
Beispiel London: Londoner müssten umgerechnet knapp 85’000 Franken im Jahr verdienen, um sich eine durchschnittliche Einzimmerwohnung (derzeit gut 2000 Franken pro Monat) leisten zu können. Der Durchschnittslohn beträgt aber umgerechnet nur 57'000 Franken. Das bringt London einen Bradshaw-Wert von 0,68 ein – sehr schwierig, hier etwas Bezahlbares zu finden.

Die teuerste europäische Stadt für Singles ist Georgiens Hauptstadt Tiflis, weil dort die Löhne sehr tief sind. Auch Prag, Dublin, Stockholm oder Lissabon sind teuer.
Hingegen gehören Single-Wohnungen in Genf und besonders in Bern – Überraschung! – zu den relativ günstigen.
Genf hat zwar, mit weit über 2000 Franken für eine Einzimmerwohnung, die höchsten Monatsmieten (Zürich kommt im Index seltsamerweise nicht vor), aber zugleich ein hohes Durchschnittseinkommen von 82’650 Franken und liegt damit knapp unter 0,9 auf der Bradshaw-Skala.
Bern schneidet besonders gut ab: Das Durchschnittseinkommen in der Bundesstadt beträgt rund 79’000 Franken; der «Bradshaw-Index» liegt bei 1,2. Günstiger als Bern sind gemäss «Economist»-Berechnung nur Lyon und Bonn. Auch Berlin, Brüssel und Helsinki weisen einen Index von über 1 auf.
Verschärfte Nachfrage
Allerdings sind es kaum die Durchschnitts- oder Besserverdienenden, welche solche Wohnungen suchen: «Junge unter 34 Jahren leben am häufigsten in Einzimmerwohnungen, insbesondere Studierende und Personen mit tieferem Einkommen ohne Familie», sagt Capelli.
«Grundsätzlich steigt die Wohnungsgrösse mit steigendem Einkommen.» Erst im höheren Alter nehme die Häufigkeit von Einzimmerwohnungen statistisch wieder zu.
Trotzdem sind diese Wohnungen begehrt: «Die Nachfrage hat sich seit 2024 sogar noch verschärft», erklärt Noëmi Capelli. Kaum auf dem Markt, sind diese Wohnungen schon weg.












