Apropos: «Solo-Gipfeli statt Pauschal-Ferien»
Nach einer Trennung erinnern wir uns gerne an die schönen Momente. Doch wie viel davon war Liebe – und wie viel Gewohnheit?

Soeben bin ich auf Facebook über einen Satz gestolpert: «Viele Menschen vermissen nach einer Trennung gar nicht ihren Ex. Sie vermissen das Gefühl, geliebt zu werden.» Ich blieb hängen.
Ist das so? Oder vermissen wir vor allem die Gewohnheit? Den Alltag zu zweit, das gemeinsame Netflix-Abo, den beruhigenden Gedanken, nicht allein zu sein? Die Angst vor dem Alleinsein ist ein erstaunlich guter Klebstoff.
Sie hält selbst Beziehungen zusammen, aus denen die Liebe längst ausgezogen ist. Man lässt sich übersehen, kleinmachen, schlecht behandeln. Und bleibt. Nennt es Liebe, obwohl es nur noch Gewohnheit mit Ferienplanung ist.
Manchmal mischt sich auch das Ego ein: «Mich verlässt man doch nicht einfach so.» Doch. Manchmal schon. Vielleicht sogar zum Glück, wie man später merken wird.

Ist Alleinsein denn automatisch Einsamkeit? Ist es nicht schöner, allein an der Aare zu liegen, als zu zweit ans Meer zu fliegen und sich dort wie ein verlorenes Badetuch zu fühlen?
Ferien sind ohnehin der Beziehungstest ohne Notausgang: zwei Menschen, ein Koffer, sieben freie Tage und keine Ausrede mehr namens «Ich hab im Büro gerade so viel zu tun».
Da zeigt sich, ob man sich wirklich gern hat oder ob man sich im Alltag nur erfolgreich verpasst. Dann doch lieber ein Solo-Gipfeli mit Blick auf die Altstadt als ein Pauschalurlaub mit jemandem, der einen behandelt wie Handgepäck: praktisch, aber lästig.
Nach einer Trennung wird die vergangene Liebe schnell zum emotionalen Museum. Erster Kuss, erste Ferien, grosser Streit, grosse Versöhnung. In der Ecke steht das Exponat «gemeinsame Zukunft», leicht verstaubt und nie fertig montiert.
Und plötzlich denkt man: «Eigentlich war es doch schön.» Ja, zeitweise bestimmt. Das Problem ist nur: Erinnerungen haben keinen Faktencheck. Sie schneiden das Nervige heraus. Das ewige Warten auf Nachrichten.
Die passiv-aggressiven «Mach doch, was du willst!». Die Diskussionen, bei denen man irgendwann nicht mehr wusste, ob man noch streitet oder bereits fürs Bundesgericht plädiert. Und all die Abende, an denen kein Satz mehr fiel, der über «Hast du den Müll runtergebracht?» hinausging.
War man da nicht schon länger allein, als man dachte? Wann hat man sich zuletzt wirklich geliebt gefühlt, nicht einfach gebraucht oder gewohnt, sondern geliebt?

Nicht jeder Mensch ist richtig fürs Leben. Manche sind eher ein Crashkurs in Grenzen setzen und Selbstachtung üben. Und in der Erkenntnis, dass «Red Flags» eben eine Warnung sind, auch wenn man sie zu Beginn lieber als «Charme mit Entwicklungspotenzial» lesen würde.
Die wichtigste Frage nach einer Trennung lautet deshalb nicht: «Warum ist es vorbei?» Denn diese führt meist nur zu trauriger Musik und Nachrichten, die man besser nicht abgeschickt hätte. Hilfreicher ist: «Was nehme ich mit, damit es beim nächsten Mal nicht wieder ein emotionales Ikea-Regal ohne Anleitung wird?»
Möglicherweise stimmt der Satz, an dem ich hängen blieb, also doch. Nur verwechseln wir manchmal das Gefühl, geliebt zu werden, mit Gewohnheit und Gesellschaft. Denn wer sich zu zweit einsamer fühlte als allein, hat jetzt nicht unbedingt die grosse Liebe verloren. Sondern endlich wieder sich selbst gefunden.







