«Wenn selbst die Umarmung schweisstreibend wird»
Der Sommer ist schön. Doch Umarmungen dürfen bis zum Herbst gerne eine Pause einlegen.

Ich gehöre grundsätzlich zu den Menschen, die den Sommer mögen. Sonne, lange Abende, draussen sitzen – wunderbar. Allerdings mit einer kleinen Bedingung: Zwischendurch muss ein See, ein Schwimmbad oder wenigstens ein kalter Brunnen in Reichweite sein.
Denn Hitze ist angenehm. Schwüle hingegen ist eine ganz andere Disziplin. Irgendwann läuft man nicht mehr, man klebt. Das Hemd klebt, der Bürostuhl klebt, und spätestens beim Griff ans Lenkrad fragt man sich, ob man nicht doch lieber bis Oktober im Kühlschrank wohnen würde.
Besonders unerquicklich sind in diesen Tagen Begrüssungen. Im Winter ist eine herzliche Umarmung etwas Schönes. Im Hochsommer fühlt sie sich eher an wie zwei Frischhaltefolien, die kurz aufeinandergedrückt werden.
Man lächelt freundlich, löst sich wieder voneinander und hofft, dass niemand bemerkt hat, wie viel Feuchtigkeit gerade den Besitzer gewechselt hat. Vielleicht braucht es für Hitzewellen eine Sommer-Etikette.
Statt Umarmung genügt ein freundliches Zunicken aus sicherer Distanz. Wer besonders herzlich sein möchte, hebt beide Hände zum Gruss. Das wirkt sympathisch, ist hygienisch und verhindert, dass man sich nach der Begrüssung unauffällig die Handflächen an der Hose trocknen muss.
Dabei ist der Sommer eigentlich viel zu schön, um sich über ihn zu beklagen. Ein Sprung in den See genügt, und die Welt sieht wieder anders aus. Das Wasser macht den Kopf frei, kühlt den Körper und erinnert daran, weshalb wir uns den Winter über nach dieser Jahreszeit sehnen.

Darum mein Fazit: Der Sommer darf gerne bleiben.
Auch mit Temperaturen jenseits der 30 Grad. Aber bitte immer mit einer Gelegenheit zum Abkühlen.
Denn warme Tage sind herrlich. Klebrige Menschen eher weniger. Und Umarmungen dürfen von mir aus bis zum Herbst in die Sommerpause gehen.







