Vor zwanzig Jahren wurden die Schwestern Tatjana Garcia und Angelika Batiai voneinander getrennt. Der Krieg in der Ukraine brachte die beiden wieder zusammen.
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Angelika Batiai (24) und ihrer Halbschwester Tatjana Garcia (25). - Facebook

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Schwestern aus der Ukraine wurden in ihrer Kindheit voneinander getrennt.
  • Tatjana Garcia wurde damals von einer spanischen Familie adoptiert.
  • Ihre Schwester Angelika Batiai blieb in der Ukraine.
  • Durch den Ukraine-Krieg konnten sich die beiden jetzt erstmals wiedersehen.

Zwei Frauen treffen sich auf einem Bahnsteig in Katalonien – Freudenschreie sind zu hören. Die eine kommt gerade von der Nachtschicht, die andere hat eine 34-stündige Odyssee hinter sind. Die beiden Frauen sind Schwestern, haben sich aber zwanzig Jahre nicht mehr gesehen. Jetzt sind sie wieder vereint – wegen dem Ukraine-Krieg.

«Der Moment war glücklich und traurig zugleich», erzählt Angelika Batiai gegenüber dem «Guardian». «Einerseits sah ich meine Schwester nach 20 Jahren wieder. Andererseits hatte ich gerade meine Familie und Freunde in einem Land im Krieg zurückgelassen».

Tatjana wurde mit acht Jahren in Spanien adoptiert

Die ersten Jahre wuchs Angelika Batiai (24) zusammen mit ihrer Halbschwester Tatjana Garcia (25) in der südukrainischen Stadt Mykolajiw auf. Wegen familiärer Probleme wurden sie jedoch mit fünf, beziehungsweise sechs, Jahren voneinander getrennt. Die Geschwister hätten darum gebettelt, zusammenbleiben zu dürfen, so Tatjana Garcia. «Aber wirtschaftlich war das unmöglich.»

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Mykolajiw: In dieser Stadt verbrachten die beiden Schwester gemeinsam ihre ersten Jahre. - Google Street View

Angelika kam damals bei ihrer Tante unter, Tatjana wohnte erst bei ihrer Grossmutter, bis sie in staatliche Obhut übergeben wurde. Im Alter von acht Jahren ging es dann für die ältere der beiden in ein fremdes Land. Tatjana wurde von einer Familie in Girona, einer Stadt in der Nähe Barcelonas, adoptiert. Plötzlich hatte sie eine neue Familie, trug einen anderen Namen und lernte eine neue Sprache.

Schwestern fanden sich über Facebook

Ihre Schwester aber hat sie nicht vergessen: «Ich habe immer gesagt, dass ich in die Ukraine gehen und sie finden würde.» Auch Angelika wollte ihre Schwester aufspüren. So suchten sie beide online, durchforsteten Facebook und das russische Äquivalent VK.

Und tatsächlich: 2019 fand Angelika schliesslich ihre spanische Schwester über Social Media. Die beiden schmiedeten bereits Pläne für ein Wiedersehen, bis die Corona-Pandemie kam.

Haben Sie schon einmal jemanden über Facebook wiedergefunden?

Krieg, Flucht, Wiedervereinigung

Doch dann kam der 24. Februar, Russland marschierte mit Panzern und Bomben in die Ukraine ein. Garcia versuchte ihre Schwester von einer Flucht zu überzeugen.

Doch ihre Schwester zögerte. «Es war eine schwierige Entscheidung, weil ich meine Familie nicht verlassen wollte», sagte Batiai.

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Das Kriegsdenkmal von Nova Odessa. In dieser Stadt lebten Angelika Batiai mit ihrem Verlobten. - Google Street View

Doch schliesslich macht sie sich mit ihrem Verlobten doch auf den Weg. Zuerst ging es nach Polen, danach per Flug weiter nach Spanien. Richtig fassen können die beiden Schwestern ihre Wiedervereinigung noch nicht. «Es gibt Tage, an denen ich sie ansehe und es immer noch nicht glauben kann», sagte Garcia.

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