Personalisierte Medizin wird vor allem in der Krebstherapie immer wichtiger.
Tumorzellen
Cluster von zirkulierenden Tumorzellen, die aus dem Blut einer Patientin mit Brustkrebs isoliert wurden. - Universität Basel

Das Wichtigste in Kürze

  • Personalisierte Medizin wird auch in der Krebstherapie immer wichtiger.
  • So profitieren auch Patienten, bei denen Standardtherapien nicht greifen.

Personalisierte Medizin wird vor allem in der Krebstherapie immer wichtiger, weil Behandlungen bei Betroffenen mit gleichem Krankheitsbild oft unterschiedliche Effekte zeigen. Erstmals sind in einer klinischen Studie Wirkstoffe direkt am individuellen Zellmaterial von Patienten mit Lymphdrüsenkrebs und Leukämie getestet worden.

Diese individuelle Therapie sei möglich und wirksam, teilten CeMM und MedUni Wien/AKH am Dienstag mit.

Auch ETH bei Forschung involviert

An der im Medizin-Fachblatt «Cancer Discovery»publizierten Studie waren auch Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich beteiligt. 56 Patienten und Patientinnen wurden in der Studie individuell auf sie abgestimmten Therapien unterzogen.

«Aus Echtzeit-Biopsien haben wir Tumor-Einzelzellen der Patientinnen und Patienten untersucht und die Wirkungen von über 130 Kandidaten-Substanzen direkt ausgetestet», berichtete Studienleiter Philipp Staber, Professor an der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie von MedUni/AKH. So sollte festgestellt werden, welche Therapie beim jeweiligen Individuum anspricht. «Um den individuellen Nutzen der Patienten zu testen, wurde die Zeit des Therapieansprechens mit der zu ihrer jeweiligen Vortherapie verglichen.»

«54 Prozent unserer Patienten hatten unter der so gewählten Therapie eine deutliche, zumindest um mehr als 30 Prozent verlängerte Zeit ihres progressionsfreien Überlebens. Bei 21 Prozent der Patienten zeigte sich sogar ein Langzeitansprechen», wurde Staber in einer Mitteilung des CeMM Research Center for Molecular Medicine der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zitiert.

Verfahren steigert Wirksamkeit

Die innovative Form der funktionellen personalisierten Medizin wird als «single-cell functional precision medicine (scFPM)» bezeichnet. Durch detaillierte Analyse einzelner Zellen werden die Effekte der Wirkstoffe auf sowohl bösartige als auch gesunde Zellen, die im dafür frisch entnommenen Gewebe von Krebspatienten isoliert werden, untersucht.

Das Verfahren bringt eine Steigerung der spezifischen Wirksamkeit und eine Reduktion der Nebenwirkungen, betonten die Forschenden. Mit der Methode werde eine hohe Präzision durch automatisierte Mikroskopie und computergesteuerte Bildanalyse erreicht.

Für die Studie nutzten die Forschenden «Pharmakoskopie», einen bildbasierten Ansatz der funktionellen Einzelzell-Präzisionsmedizin (scFPM), entwickelt in der Forschungsgruppe von Giulio Superti-Furga. Er ist wissenschaftlicher Direktor des CeMM und Professor für Molekulare Systembiologie an der MedUni.

Patienten profitieren von individuellen Lösungen

«Seit Jahren arbeiten viele, so wie wir am CeMM und an der MedUni Wien, an immer besseren molekularen Profilen von Genen, Proteinen und Metaboliten, die erlauben sollen, Patientinnen und Patienten individuell zu behandeln. Aber beim Vorgang, der in dieser Studie eingesetzt wurde, geht es um eine Art von Abkürzung. Wir testen direkt, welches Medikament tatsächlich auf die Krebszellen wirkt», erläuterte er.

«Die Idee zur personalisierten Krebsmedizin ist längst nicht neu. Doch in der dahinterliegenden Technologie, um Tumorgewebe so zu analysieren, dass daraus therapierelevante Informationen gewonnen werden können, stecken viele Jahre an Forschung», sagte Superti-Furga.

Die Studie veranschaulicht, dass Patienten, für die keine Standardtherapien zur Verfügung stehen, von der funktionellen Einzelzell-Präzisionsmedizin stark profitieren, denn mit scFPM kann im Gegensatz zu früher eine Vielzahl an Wirkstoffen detailliert erprobt werden.

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