Klimawandel in Bergen bedroht Wasser im Flachland
Schrumpfende Gletscher und abnehmende Schneedecken verändern den Wasserhaushalt weit über die Bergregionen hinaus. Wie stark sich das im Tiefland auswirkt, lasse sich bisher jedoch nicht verlässlich abschätzen, warnen Forschende.

Dafür fehle es an Daten und Analysen, hielt ein Forschungsteam um den Hydrologen Daniel Viviroli von der Universität Zürich in einem Beitrag im Fachmagazin «Nature Climate Change» fest. «Während sich ein grosser Teil der Forschung auf Veränderungen von Schnee und Gletschern innerhalb der Gebirge konzentriert, fehlt bislang ein ganzheitliches Verständnis dafür, wie Veränderungen des Wasserkreislaufs in Gebirgsregionen die menschliche Wassernutzung und die Ökosysteme flussabwärts beeinflussen», schrieb das Forschungsteam.
Der Klimawandel wirkt sich unverhältnismässig stark auf Bergregionen aus. In vielen grossen Gebirgszügen steigen die Temperaturen schneller als im Flachland.
Dabei entspringen fast alle grossen Flüsse der Erde in Gebirgsregionen. Die Berge fungieren laut den Forschenden damit als natürliche «Wassertürme»: Sie speichern Niederschläge in Form von Schnee und Eis und geben das Wasser zeitverzögert ab – genau dann, wenn es im Tiefland gebraucht wird. Mit der Erwärmung geht diese Pufferfunktion jedoch verloren. Niederschlag fällt häufiger als Regen, Gletscher schrumpfen, und der Abfluss verlagert sich in den Winter und das Frühjahr.
Die Konsequenzen setzen sich kaskadenartig fort. Die Veränderungen haben direkte Auswirkungen auf die Wasserversorgung von Städten, Industrie und Landwirtschaft im Flachland, die oft auf das Wasser aus den Bergen angewiesen sind. Insbesondere die Bewässerung in der Landwirtschaft ist betroffen, was die Ernährungssicherheit gefährden kann. Um Ernteausfälle zu vermeiden, wird Grundwasser zunehmend übernutzt. In Küstenregionen von Chile bis Kalifornien dringt dadurch Salzwasser in ehemals frische unterirdische Wasserspeicher ein.
Auch die Umwelt leidet unter den Veränderungen. So sind aquatische Ökosysteme von veränderten Abflussmengen und Wassertemperaturen betroffen. Die Gletscherschmelze trägt zudem zum Anstieg des Meeresspiegels bei.
Für die Planung von Massnahmen sei entscheidend, genau zu verstehen, wie sich die Erwärmung in den Bergen auf den weltweiten Wasserhaushalt auswirke, betonten die Forschenden. Sie plädieren deshalb für dichtere Messnetze in Gebirgsregionen und für Modelle, die Gebirge und Tiefland gemeinsam abbilden. Damit könnten Behörden und Betreiber früher auf veränderte Abflussregime reagieren.










