Berner Forscher entdeckt Fischart ohne Schädeldecke
In einem Brunnen in Indien ist eine neue Fischart entdeckt worden: Sie ist winzig, blind und ihr Gehirn wird nur von Haut geschützt. Ein Forscher des Naturhistorischen Museums Bern war an dem Fund beteiligt.

Die neu entdeckte Art mit dem Namen «Gitchak nakana» wurde beim Reinigen eines Brunnens im indischen Bundesstaat Assam gefunden. Wie das Naturhistorische Museum Bern am Dienstag mitteilte, ist der Fisch morphologisch und genetisch so einzigartig, dass er nicht nur eine neue Art, sondern auch eine neue Gattung darstellt.
Eine besondere anatomische Eigenschaft des 20 Millimeter langen Fischs ist das Fehlen eines knöchernen Schädeldachs. Dies sei bisher nur bei sehr wenigen winzigen Fischarten nachgewiesen worden, heisst es in der Mitteilung.
Weltweit leben rund 300 der über 37'000 bekannten Fischarten unterirdisch. Sie weisen oft spezielle Anpassungen an die dauerhafte Dunkelheit auf, wie den Verlust der Augen oder der Pigmentierung. Nur etwa zehn Prozent dieser Arten leben in grundwasserführenden Gesteinsschichten, sogenannten Aquiferen. Funde in diesem Lebensraum sind laut dem beteiligten Berner Forscher Lukas Rüber selten und zufällig.
Der Fund liefert laut dem Museum Erkenntnisse zur Evolution unterirdisch lebender Arten. Molekulare Analysen deuten darauf hin, dass sich die Art bereits vor 21 bis 45 Millionen Jahren von ihren nächsten Verwandten abspaltete. Damit wäre sie deutlich älter als die Gesteinsschichten, in denen sie gefunden wurde. Dies könnte laut den Forschenden auf eine lange geologische Beständigkeit ähnlicher Lebensräume in der Region hindeuten oder darauf, dass die Vorfahren der Art erst später vom Oberflächenwasser in das unterirdische System einwanderten.






