Der Klimagipfel in Glasgow ist am Samstagabend zu einem Abschluss gekommen. Klimaaktivisten sind mit dem Schlussresultat aber nicht glücklich.
COP26
Delegierte nehmen an der verfahrensmässigen Eröffnung des UN-Klimagipfels COP26 teil. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Klimakonferenz in Glasgow ist zu Ende.
  • Für die Abschlussbestimmung wurden starke Kompromisse gemacht.
  • Klimaaktivisten sind mit dem Endresultat unzufrieden.

Die UN-Klimakonferenz in Schottland hat den weltweiten Abschied von der Kohle eingeläutet. Erstmals in der Geschichte der Weltklimagipfel gab es dafür einen Konsens unter den rund 200 Staaten. Im «Klimapakt von Glasgow» steckt auch die Forderung, «ineffiziente» Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde nach zweiwöchiger Konferenz am Samstagabend in letzter Minute auf Druck Chinas und Indiens aber noch verwässert.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobte die Vereinbarung dennoch als historisch. «Das fossile Zeitalter geht zu Ende, die Energiewende wird weltweit zum Leitbild», sagte sie.

Svenja Schulze
Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, stellt zum zehnten Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Fukushima ein Papier zur Vollendung des Atomausstiegs vor. - dpa-infocom GmbH

Die weltweit bekannteste Klimaaktivistin Greta Thunberg zog hingegen eine vernichtende Bilanz. «Hier ist eine kurze Zusammenfassung: Bla, bla, bla», twitterte die Schwedin. Sie war zur Halbzeit mit Zehntausenden Demonstranten auf die Strasse gegangen und dann abgereist.

Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, äusserte sich ernüchtert. «Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen.»

Die Mammutkonferenz COP26 mit 40 000 registrierten Teilnehmern sollte eigentlich schon am Freitag enden. Wegen stundenlanger, hitziger Debatten dauerte es aber schliesslich bis in den Samstagabend. Erst dann gab es den Kompromiss.

Kompromisse sorgten für Frust

EU-Kommissar Frans Timmermans liess im Plenum seinem Frust freien Lauf, dass die Forderung zum Kohleausstieg abgeschwächt wurde. Statt von einem Ausstieg (phase-out) ist nun nur noch von einem schrittweisen Abbau (phase-down) die Rede. Dies auf Druck der stark von Kohle abhängigen Staaten China und Indien. Damit bleibt offen, ob beide Staaten jemals komplett auf Kohlestrom verzichten wollen.

Kurz vor der Schlussabstimmung beschwerten sich mehrere Staaten über die Verwässerung. Dabei kämpfte der britische COP26-Präsident Alok Sharma sogar mit den Tränen. «Ich bitte um Verzeihung für die Art, wie das gelaufen ist», sagte der Gastgeber. Das Gesamtpaket könne sich aber sehen lassen.

Alok Sharma
Alok Sharma hielt am COP26 die abschliessende Rede. - keystone

Umweltministerin Schulze sagte am Sonntag: «Was wir in der Schlussphase in Glasgow erlebt haben, war ein letztes Aufbäumen der alten, fossilen Energiewelt.» Der Ausstieg aus der Kohle sei nun «unumkehrbar». Deutschland könne der Welt zeigen, «wie ein Industrieland mit Strom aus Wind und Sonne sicher versorgt werden kann».

Neue Ziele festgelegt

In der Abschlusserklärung bekennen sich die Länder klar zu dem Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Und nicht nur auf unter zwei Grad, wie es im Pariser Abkommen von 2015 heisst. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bislang unzureichenden Klimaschutzpläne für dieses Jahrzehnt nachschärfen. In der Erklärung wird zudem festgehalten, dass der Ausstoss klimaschädlicher Treibhausgase in den 20er Jahren um 45 Prozent sinken muss.

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Anlässlich der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow vollendet Künstler Greg Mitchell sein Wandgemälde zur Klimakrise. - dpa-infocom GmbH

Zugesagt wurden auch mehr Finanzhilfen für arme Staaten, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Zig Millionen Menschen sind schon jetzt häufiger mit Dürren, Hitzewellen, Stürmen und Überschwemmungen konfrontiert, weil sich die Erderhitzung beschleunigt. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden. Also von aktuell jährlich rund 20 auf dann 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro.)

Erstmals wird auch die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Die Staaten werden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Kritikwürdig aus Sicht von Umweltschützern: Es soll nur «technische Unterstützung» organisiert werden, und nicht der komplette Schaden beglichen werden.

«Die Abschlusserklärung ist Betrug»

«Es ist bitter, dass wieder einmal die von der Klimakrise besonders betroffenen, ärmeren Länder an den Rand gedrängt wurden». Das sagte Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig über die Abschlusserklärung.

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer erzürnte sich ebenfalls über die Erklärung. «Es ist ein Betrug an allen jungen Menschen auf dieser Welt. Sie setzen darauf, dass sich Regierungen um ihre Zukunft kümmern.»

Luisa Neubauer
Luisa Neubauer kritisiert die Abschlusserklärung des COP26 stark. - dpa-infocom GmbH

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth lobte die Beschlüsse zum sogenannten Regelbuch des Pariser Klimaabkommens, wo seit Jahren noch Punkte offen waren. Festgelegt wurde etwa, dass künftig Klimaschutzziele für fünf Jahre vorgelegt werden und nach einheitlichen Standards berichtet wird.

Greenpeace sieht die geplante «Ampel-Koalition» nun in der Pflicht, Sofortmassnahmen zu ergreifen. «So ist der Kohleausstieg bis 2030 zwingend notwendig. Ab heute dürfen unsere Steuergelder nicht mehr für Kohle, Öl und Gas eingesetzt werden.» Der nächste Gipfel, die COP27, findet im November 2022 in Ägypten statt.

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