Videokonferenzen mit Falten und Augenringen - in Zeiten von Corona wollen sich viele Menschen damit nicht abfinden. Fachärzten beschert der Boom bei kleinen Eingriffen im Gesicht viele Anfragen. Trotzdem wollen sie diese Behandlungen erschweren - auch wegen Instagram.
Die Corona-Pandemie hat das Interesse an Gesichts-Korrekturen nach Einschätzung ästhetisch-plastischer Chirurgen weiter steigen lassen. Foto: David Parry/PA Wire/dpa
Die Corona-Pandemie hat das Interesse an Gesichts-Korrekturen nach Einschätzung ästhetisch-plastischer Chirurgen weiter steigen lassen. Foto: David Parry/PA Wire/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Ob Ringe unter den Augen, Falten im Gesicht, Doppelkinn oder einfach nur ein müder Blick: Wer sich im Homeoffice bei Videokonferenzen aus der Perspektive der eigenen Laptop-Kamera sieht, kann bei dem Anblick zuweilen ins Grübeln kommen.

Viele Menschen belassen es in Zeiten von Corona aber nicht dabei: Die Nachfrage nach Schönheitseingriffen im Gesicht ist nach Einschätzung ästhetisch-plastischer Chirurgen zuletzt weiter gestiegen.

Mehr minimalinvasive Eingriffe im Gesicht

«Die Aufnahmequalität bei diesen Programmen ist ja negativer als das Spiegelbild», sagte der Präsident der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie , Jörg Blesse, in Bielefeld. «Viele denken sich dann: Oh, das bin ja ich da!» Auch die Maskenpflicht habe die Aufmerksamkeit in Richtung Augen gelenkt. Der diesjährigen DGÄPC-Patientenbefragung zufolge waren Eingriffe zur Verschönerung des Gesichts ohne grössere Schnitte deshalb deutlich gefragter als in den Vorjahren - genau so wie Operationen, um die Augenlider straffen zu lassen.

Das sei auch in der Statistik der grössten deutschen Fachgesellschaft, der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC), erkennbar, sagte deren Präsident Steffen Handstein. Die «intensivere Beschäftigung mit dem eigenen Selbstbild» habe die Zahl solcher Eingriffe steigen lassen, Botox und Faltenunterspritzen seien inzwischen «in der Mitte der Gesellschaft angekommen».

Werbung statt Aufklärung in Social Media

Genau das bereitet den Fachärzten aber auch Sorgen. Die Hemmschwelle für solche minimalinvasiven Eingriffe sei viel niedriger als bei aufwendigen Operationen, sagte DGÄPC-Präsident Harald Kaisers. «Wir sehen vor allem die Darstellung solcher ästhetisch-plastischer Behandlungen auf Social Media sehr kritisch. Da wird viel informiert, aber nicht aufgeklärt.» Dazu trügen auch Influencerinnen auf Plattformen wie Instagram bei, die solche Behandlungen als Lifestyle-Produkt und nicht als medizinischen Eingriff darstellten.

Wer sich Botox oder Hyaluronsäure spritzen lassen will, muss sich dafür nicht unbedingt an einen Facharzt wenden. Solche «Filler-Materialien» gegen Falten seien Medizinprodukte, sagte VDÄPC-Präsident Handstein. «Jeder kann sie erwerben. Das ist eine ganz bizarre Situation. Es gibt viele Stellen, die das legal machen dürfen, obwohl sie mögliche Komplikationen nicht behandeln könnten.» Auf Plattformen wie YouTube gebe es sogar Videoanleitungen, sich Hyaluronsäure selbst zu spritzen, sagte DGÄPC-Präsident Kaisers. «Dabei können Sie erblinden, wenn Sie das falsch spritzen.»

Die beiden Verbände fordern deshalb, das Geschäft mit solchen Behandlungen stärker zu beschränken. «Das gehört in die Hände von Fachärzten», sagte Kaisers. Denn der Trend hin zu solchen kleinen Eingriffen werde wohl auch nach Corona «ungebrochen bleiben».

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